16. Februar 2015

ef 150 Editorial

Gemeinsam anstoßen auf 150 Ausgaben eigentümlich frei

Während der großen ef-Russland-Konferenz auf der Insel Usedom Mitte November und im Nachklang (siehe ef 149) wurde mir Folgendes bewusst: Die deutschen Leitmedien sind Partei im neuen Ost-West-
Konflikt und berichten entsprechend einseitig. Und Teile der alternativen Medien sind kaum besser, sie halten nur spiegelbildlich dagegen und haben sich längst auch mental auf eine Seite – nur eben die andere – geschlagen.

Ausgewogene Berichterstattung fand kaum mehr irgendwo statt. Wer also, wenn nicht eigentümlich frei, könnte das bieten: eine unvoreingenommene Analyse aus unterschiedlichen, ja teilweise sich widersprechenden Schlaglichtwinkeln und doch immer mit der gleichen freiheitlichen Grundtönung? In ef werden die Kriegstreiber beider Seiten im neuen Ost-West-Konflikt kritisiert – je nach Autor mal die einen mehr, mal die anderen.

Das setzt natürlich anspruchsvolle Leser voraus. Aber die haben wir, und noch mehr davon möchten wir ansprechen. Gerade in Zeiten der zunehmend einseitigen Milieubildung in sozialen Netzwerken durch sich selbst abgrenzende und intern befeuernde Netzwerke möchten wir mit ef bewusst dagegenhalten und je nach Thema auch einmal einen klassischen Disput betreiben.

Das fällt uns um so leichter, als unsere Autoren bei allen Gegensätzen in Detailfragen von denselben liberalen, konservativen und libertären Grundpositionen ausgehen, ähnliche Menschenbilder haben und wesentliche Ziele teilen.

Auch auf unserer tagesaktuell exklusiv für Abonnenten ausgebauten ef-Internetseite wird gestritten – und das ist gewollt. In einer Zeit, in der „die andere Seite“ meist nur noch bekämpft statt gehört wird, fühlen wir uns in und mit eigentümlich frei zu besonderer Umsicht verpflichtet. Wenn andere sich auf Facebook und Co nur noch ideologisch mit ihresgleichen selbstbefriedigen, dann möchten wir ein alternatives Leseangebot dagegensetzen.

Das heißt nicht, dass Sie fortan zu allen Fragen pro und contra geboten bekommen. Im Gegenteil, denn Sozialismus in jeder Form bleibt das Grundübel und Freiheit unser klares Ziel. Wo aber nicht klar ist, wer mehr Sozialist und wo also größere Gefahr liegt, möchten wir mit ef die offene Debatte wagen, der sich andere verweigern.

In diesem Heft nicht nur zum Schwerpunktthema, dem neuen Ost-West-Konflikt, sondern auch beim leider ebenso aktuellen Streit um die Sterbehilfe. Nicht, dass ich selbst in solchen Fragen keine Meinung hätte: Ich halte den Westen für den Hauptaggressor, die US-Regierung für die mächtigste und deshalb gefährlichste Regierung weltweit und das russische und chinesische Dagegenhalten wider dieses Monopol für einen Glücksfall – und die Freigabe der Sterbehilfe für die gemeingefährliche Vorstufe zum behördlich verordneten sozialverträglichen Ableben in einer alternden Gesellschaft. Aber in beiden Fragen sind auch die guten Gegenargumente wert, gehört zu werden.

Insofern wünsche ich Ihnen als anspruchsvolle Leser bei der Lektüre des Heftes wie immer viel Lesefreude und Erkenntnisgewinn – bleiben Sie uns gewogen und empfehlen Sie uns weiter! Vielleicht sieht man sich bei der zweiten ef-Konferenz nahe Düsseldorf am 25. April (siehe Anzeige auf Seite 11)? Ich würde mich freuen! Dann könnten wir auch noch auf jetzt 150 Ausgaben eigentümlich frei gemeinsam anstoßen, einverstanden?

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der März-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 150.


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