12. Februar 2015

Fünfte Kolonne Damals und heute

Der verlogene Antifaschismus der DDR hat gesiegt

Als sich abzuzeichnen begann, dass die friedliche Revolution 1989 in eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten münden würde, wurde von allen Seiten vor dem damit angeblich verbundenen Rechtsruck und der Gefahr eines Vierten Reichs gewarnt.

An der Spitze der Warner und Mahner befand sich die SED. Schon am Runden Tisch versuchte der damalige Partei- und Staatschef Hans Modrow die Wiederbelebung des gerade gescheiterten „antifaschistischen Bündnisses“, vormals die „Nationale Front“ genannt. Die Regierung wolle die Bürgerbewegung unterstützen, mit ihr und den „bewaffneten Organen“ eine Sicherheitsgemeinschaft bilden und gemeinsam die „Anliegen der Bürger“ bearbeiten. Dieser Plan scheiterte, weil die Neuparteien am Runden Tisch dieses Ansinnen durchschauten und ablehnten.

Dann zündete die SED die zweite Stufe.

Am 27. Dezember 1989 erschienen über Nacht nationalistische Parolen an den Mauern des Ehrenhains für die gefallenen sowjetischen Soldaten in Berlin-Treptow. „Volksgemeinschaft statt Klassenkampf“ oder „Vorwärts im nationalen Befreiungskampf“ mussten die Sowjetunion und die in der DDR stationierten sowjetischen Truppen aufs Äußerste provozieren und gleichzeitig den mehrheitlichen Willen zur Einheit diskreditieren. Gleichzeitig wurde ein Anstieg rechtsradikaler Straftaten bekanntgegeben.

Die Propagandamaschine der SED lief auf Hochtouren. Auf allen Kanälen wurde die angebliche faschistische Gefahr beschworen.

Am 3. Januar kam es zu einer „Kampfdemonstration“ von über 200.000 Vertretern des SED- Regimes. Die DDR sollte unter dem Banner des Antifaschismus gerettet werden. Vor den mit Gold unterlegten Worten Stalins hatte der neue SED-Parteichef Gysi seinen großen Auftritt. Er machte sich für einen neuen Sicherheitsdienst anstelle der aufgelösten Stasi stark. Und: „Wir müssen diese Gefahr bannen, sonst brauchen wir über demokratischen Meinungsstreit und anderes gar nicht erst zu diskutieren. Wie wollen wir demokratisch wählen, wenn hier die Neonazis alle Freiräume besetzen?“

Beim Sturm auf die Stasizentrale am 15. Januar wurden dann allerdings etliche Spraydosen gefunden, deren Restinhalt genau zu den Farbspuren am Ehrenmal passte. Daraufhin verliefen die Ermittlungen nach den Tätern im Sande. Bei der kommenden Bundestagswahl 1990 posierten Gregor Gysi, Lothar Bisky und Wolfgang Berghofer als die „Drei gegen rechts“. Obwohl Berghofer bald von der Fahne ging und sich lieber der SPD und der Wirtschaft zuwandte, blieb die SED-PDS-Linke dem Kampf gegen rechts mit wachsendem Erfolg treu.

War es noch anstößig, dass in der Wahlperiode 1990 bis 1994 eine PDS-Bundestagsabgeordnete auf ihrer Homepage einen Link zu einer linksextremistischen Gruppierung hatte, sind die Verbindungen zur Antifa inzwischen salonfähig. Sie werden nicht mehr nur von der Linken unterhalten, sondern auch von der linken SPD.

Heute lässt eine Landtagsabgeordnete der Linken, wie in Thüringen geschehen, auf einer Veranstaltung der CDU mit einem Kameramann für das Archiv der Antifa filmen. Die Thüringer Blätter berichten zwar darüber, die Meldungen sind inzwischen im Netz aber nicht mehr verfügbar.

Kritik an der Antifa wird heute nicht nur im Thüringer Landtag von der regierenden Linken unterbunden, indem freihändig von der Linken-Vizepräsidentin Ordnungsrufe verteilt werden, sondern demnächst per Gesetz verboten, wie es der Koalitionsvertrag vorsieht. Über die Leipziger Entscheidung, die Antifa, trotz der Verwüstungen, die sie in der Stadt und darüber hinaus in den letzten Wochen angerichtet hat, weiterhin marschieren zu lassen, habe ich schon berichtet. Damit hat der verlogene Antifaschismus endgültig den antitotalitären Grundkonsens der alten Bundesrepublik verdrängt. Welche Geister damit gerufen wurden, wurde am 7. Februar in München deutlich, als die Antifa für „Novorussia“ und gegen NATO, EU und die Ukraine, angeblich Bandera-Naziland, demonstrierte. Es sah so aus, als sei die fünfte Kolonne des KGB auferstanden. Ob der alte Hexenmeister kommt und diese Geister wieder vertreibt, ist mehr als ungewiss.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.

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