12. Februar 2015

Jugendkriminalität Die Teilung der Welt

Deutsche Maulwerker akzeptieren Gewalt gegen Frauen

In einem Münchner Randbezirk wird eine Schwangere von zwei Halbwüchsigen zusammengetreten. Kaum eine Zeitung meldet den Vorfall, die „Süddeutsche“ zum Beispiel überhaupt nicht. In der „AZ“ sind es „Buben“, die eine Schwangere „krankenhausreif“ schlagen. Bei Focus online erklärt ein Kriminologe des für seine Gefälligkeitsanalysen weithin berühmten Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens, es sei „wahrscheinlich“, dass die beiden Jugendlichen „nicht aus einem intakten Elternhaus“ stammten. „Häufig erfahren gewalttätige Jugendliche zu Hause und auch in der Schule keine Anerkennung“, versichert der Experte. Körperliche Gewalt sei dann oft das Einzige, das ihnen bliebe, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. Einzig „Bild“ hielt den sogenannten Migrationshintergrund der Täter fest. 

Stellen wir uns wie üblich vor, was passiert wäre, wenn es sich um deutsche (= rechte = Neonazi-) Täter gehandelt hätte, und entkräften wir damit sogleich den Einwand, die Herkunft der Täter sei doch ganz egal. Erweitern wir diese Vorstellung sodann auf den viehischen Mord, den ein junger Türke im Januar zu Berlin an einer deutschen Schwangeren verübt hat, indem er sie lebendigen Leibes verbrannte, weil er kein Kind von ihr – von einer Deutschen, die, wenn man den Medienmeldungen Glauben schenken darf, seinetwegen sogar zum Islam konvertiert war – wollte. Stellen wir uns auch hier den umgekehrten Fall und die Folgen vor: Staatstrauer, Aufmarsch der  Betroffenheitsathleten, Kanzlerinnenblankoentschuldigung, Erdogan-Spontanbesuch, Gauck'sche Jeremiaden, Grünen-Gequäke, Artikel-Serien (vor allem in der „Zeit“, wo diese Schreckenstat vermeldet wurde, ohne mit einer Silbe auf die Herkunft des Täters und die dahinter stehende Motivlage hinzuweisen), Lichterketten, Verschärfung des Kampfes gegen „rechts“, Schulklassenausflüge an den Tatort, multikulturelle Wochen, Ruf nach Pegida-Verbot und vor allen noch mehr Staatsknete für Sozialarbeiter und Anti-Rassismus-Stiftungen. So aber? Der Bürgermeister war „schockiert“, der Rest der Politik schwieg. Kurze dürre Meldungen in den Gazetten. Kein Aufschrei. Keine Kampagne. Kann halt passieren. Trauriger Einzelfall. Völlig untypisch. Breiten wir den Mantel des Vergessens darüber. Hätte sie doch abgetrieben! Mit dem Migrationshintergrund hat das aber nichts zu tun. Nur Rassisten denken so. Bekämpft den Rassismus, wo ihr ihn trefft! Aber hütet euch, ihn in den falschen Milieus zu suchen!

Wie hieß gleich das Un-Dingens des Jahres? Lügenpresse?

Apropos: Hat es tatsächlich nichts mit dem Migrationshintergrund zu tun? Hatten, am Rande, etwa auch die Massenvergewaltigungen im englischen Rotherham – und, wie sich längst herausgestellt hat, auch in diversen anderen Städten – nichts mit der ethnisch-kulturellen Prägung der Täter zu tun? Warum dann bei so vielen Gewaltdelikten das Schema: Täter Muslim, Opfer Nicht-Muslim? Kein Zurechnungsfähiger würde behaupten, dergleichen Taten könnten auf den Islam zurückgeführt werden, aber es bleibt der Verdacht, dass sie aus einer Mentalität herrühren, die mit der Teilung der Welt in die und wir, Reine und Unreine zu tun hat.

Apropos zum zweiten und dies wiederum zum Preise der Muslime gesprochen: Hätte es sich in beiden Fällen um eine (bio)muslimische Frau gehandelt, die Täter hingen längst an irgendwelchen Bäumen (wo nach meiner ganz und gar unsentimentalen Einschätzung sogar Teenager, wofern sie einer Schwangeren in den Bauch treten, einen angemessenen Platz fänden, wie anerkennungsarm ihr kurzes Leben auch verlaufen sein mag). Aber unter Deutschen, speziell unter deutschen Maulwerkern, gilt längst als ausgemacht, dass es Schlimmeres gibt als deutsche Opfer. Und Gewalt gegen Frauen, bis gestern noch das größte Sakrileg innerhalb der westlichen Welt, wird von ihnen nur dann beplärrt, wenn der Täter ein westlicher Mann und also ein letztlich ungefährliches Kreatürchen ist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.

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