10. Januar 2015

Integration und Heimat Die Fronten müssen völlig neu gezogen werden

Ach übrigens: Je suis Michael

„Der Anschlag hat mit dem Islam nichts zu tun!“ Das sagen nach dem Massaker von Paris nicht etwa vorrangig hauptamtliche Muslim-Vertreter (dort überwiegt der Tenor: „Diese Mörder beschmutzen den Islam“), sondern biodeutsche Parlamentarier, und sie sagen es mit jovialer Entschiedenheit, etwa – und pars pro toto zitiert – Innenmister Thomas de Maizière (CDU): „Terroristische Anschläge haben mit dem Islam nichts zu tun“, oder SPD-Fraktionsführer Thomas Oppermann, der von „Killern“ sprach, „die mit dem Islam nichts zu tun haben“.

Selig das Land, das solche Politiker besitzt, Männer von edler Sprachschlichtheit und mit der göttlichen Fähigkeiten, in die Köpfe und Herzen aller schauen können! Denn Oppermann weiß nicht nur, dass die Attentäter, die „Allahu akbar!“ riefen und Menschen niederschossen, weil sie den Propheten Mohammed, gepriesen sei er, mit Karikaturen schmähten, nichts mit dem Islam zu tun haben, er ist überdies exakt im Bilde darüber, dass 15.000 oder 17.000 Pegida-Demonstranten „keine Patrioten, sondern Rassisten“ sind und nichts mit Meinungsfreiheit und Einwanderungspolitikkritik zu tun haben. Nur Oppermann und Heiko „Schande für Deutschland“ Maas sowie natürlich der Herr selber kennen sie alle beim Namen! 

Im Übrigen waren die Karikaturen, die in der sogenannten Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ veröffentlicht wurden, von erlesener Widerwärtigkeit, also zum Kotzen, nur eben nicht unbedingt zum Schießen.

In Eren Güvercins so empfehlenswerter wie frappierend unrezensiert gebliebener Bestandsaufnahme „Neo-Moslems“ (Herder 2012) – warum unrezensiert? Vermutlich wegen des lobenden Erwähnens von Andreas Abu Bakr Rieger gleich im ersten Kapitel –, wird einer aus dieser Kohorte, der Autor Feridun Zaimoglu, mit dem Vorschlag zitiert, den Technokratenterminus „Integration“ zugunsten des schönen deutschen Wortes „Heimat“ fallenzulassen. Von der anscheinend habituellen oder auch bloß marktgängigen Kraftmeierei abgesehen, mit welcher diese Idee von Zaimoglu ins Leserland gestemmt wird, wäre meinerseits nichts dagegen einzuwenden. Auch den Integrationszwang, der im umgekehrten Fall bei der Einwanderung von Okzidentalen in ein beliebiges Morgenland ausgeübt würde, wollen wir hier beiseite lassen. Allein deshalb, weil von Otto-Normal-Deutschen steuerfinanzierte deutsche Grüne wie auch die meisten deutschen Grünen-Wähler in ihren schicken deutschen Eigenheimen in besten deutschen Stadtteilen ums Verrecken nicht von ihrer deutschen „Heimat“ sprechen würden, sondern bei Heimat sogleich brav das Geräusch marschierender Stiefel und SA-Gebrüll assoziieren, vielleicht auch Pegida, jedenfalls fast soviel Dumpfheit und Tümelei, wie sie selber in sich hegen, nur nicht den Neo-Moslem, der dabei Heimat denkt und nichts außerdem.

 Wie viele mag es davon geben? 

Güvercin sagt: Abendland, ja bitte! Wir treffen uns bei Heidegger und Goethe. (Man muss Goethe übrigens nicht mal kennen, um bei ihm zu landen, jeder Vernunftbegabte tut das irgendwann, aber davon künde ich ein andermal.)

Die Fronten, um mich zu wiederholen, müssen völlig neu gezogen werden.

Ach übrigens: Je suis Michael. 

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


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