09. Dezember 2014

Prominenten-Aufruf Schallende Ohrfeige für das Medienkartell

Herzog, Teltschik und von Dohnanyi gehen auf Distanz zum Säbelrasseln

Von der Mehrzahl der Mainstreammedien schamhaft verschwiegen (Wer mag es schon, wenn er zu Recht Prügel bezieht?) haben sich mehr als 60 Prominente aus Politik, Kultur und Wirtschaft mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit gewandt, der an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig lässt. Unterzeichnet haben den Appell unter anderem ehemalige Spitzenpolitiker wie Klaus von Dohnanyi, Eberhard Diepgen und  Manfred Stolpe, der ehemalige SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel, Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, Alt-Bundespräsident Roman Herzog (!) und der Schauspieler Mario Adorf.

Unter der Überschrift „Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen!“ gehen die Unterzeichner deutlich auf Distanz zur Konfrontationspolitik der Bundesregierung gegenüber Russland, die ihrer Ansicht nach durchaus sogar zu einem Krieg auf europäischem Boden führen kann. Die Warnung ist überdeutlich. Zitat: „Wir dürfen Russland nicht aus Europa hinausdrängen. Das wäre unhistorisch, unvernünftig und gefährlich für den Frieden. Seit dem Wiener Kongress 1814 gehört Russland zu den anerkannten Gestaltungsmächten Europas. Alle, die versucht haben, das gewaltsam zu ändern, sind blutig gescheitert ...“

Bemerkenswert ist, dass der Appell nicht nur von den üblichen friedensbewegten Verdächtigen wie beispielsweise Frau Käßmann oder Herrn Schorlemmer unterzeichnet wurde, sondern von politischen Schwergewichten wie Roman Herzog, Hans-Jochen Vogel und Klaus von Dohnanyi, die über jeden Verdacht der Anbiederung an Moskau erhaben sind. Bedenkt man zudem, dass mit Prof. Horst Teltschik sogar ein früherer Rechtsaußen der CDU (immerhin jahrelang Leiter der Münchner „Sicherheitskonferenz“, die heute mit Frieden und Sicherheit etwa so viel zu tun hat wie ein Mafiosi-Treffen mit Kriminalitätsbekämpfung) den Aufruf mitträgt, dann wird schnell klar, dass die Situation ernster ist, als es der mediengläubige Michel (falls er zwischen Raab-, Bohlen- und Kerner-TV-Konsum überhaupt noch zum Nachdenken kommt) für möglich hält.

Noch deutlicher werden die Unterzeichner im Hinblick auf die fatale Rolle der hiesigen Medien. Zitat: „Wir appellieren an die Medien, ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher. Leitartikler und Kommentatoren dämonisieren ganze Völker, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen.“ Das ist nicht mehr und nicht weniger als eine schallende Ohrfeige für die Dreigroschenjungen in den bundesdeutschen Redaktionsstuben und zwangsgebührenfinanzierte Atlantikbrücken-Lobbyisten wie zum Beispiel Claus Kleber (ZDF), die sich nicht einmal entblöden, die längst offenkundige Rolle ultranationalistischer und neonazistischer Kräfte beim gewaltsamen Sturz der frei gewählten Regierung der Ukraine wider besseres Wissen zu leugnen und die Bandera-Faschisten zu europaseligen Freiheitskämpfern zu verklären.

Die Realität sieht bekanntermaßen anders aus, weshalb man entlarvende Bilder bewaffneter Neonazis dem Publikum auch tunlichst vorenthält. Armand Presser kommentiert dieses erbärmliche Verhalten (in diesem Fall des ZDF, das die Hakenkreuze und SS-Runen auf den Stahlhelmen von Asow-Freischärlern unkommentiert ließ) in der „Jüdischen Allgemeinen“ wie folgt: „Wo ist die journalistische Sorgfaltspflicht des ZDF geblieben? Wo bleibt der Aufschrei aller 77 gesellschaftlich relevanten Mitglieder, die im Fernsehrat vertreten sind? Dürfen die derzeitigen Leitlinien der deutschen Außenpolitik durch eine eindeutige Kommentierung in einem Fernsehbeitrag ad absurdum geführt werden? Die Antwort lautet anscheinend eindeutig: Nein.“ Offenbar kennt die moralische Verwahrlosung der bundesdeutschen Medien inzwischen keine Grenzen mehr: Wenn es gegen Putin und Russland geht, sind selbst ausgewiesene Nazis wieder hoffähig ...

Der intellektuelle und moralische Niedergang auch der politischen Klasse dieses Gemeinwesens wird rasch deutlich, wenn man zum Beispiel eine integre Persönlichkeit wie Roman Herzog mit dem derzeitigen Amtsträger Joachim Gauck vergleicht, der inzwischen so gut wie alle für das Amt geltenden Grundsätze über Bord geworfen hat und sich ungehemmt als russophober Demagoge artikuliert und nur gar zu gern deutsche Soldaten wieder auf das „Feld der Ehre“ schicken möchte, wobei besagtes Feld wohl eher Söldnerdienste im Auftrag der westlichen Führungsmacht umfasst. Und selbst eine nicht unumstrittene Politikerin wie Antje Vollmer weckt mittlerweile fast nostalgische Gefühle, wenn man sie mit dem aktuellen Führungspersonal der „Grünen“ wie der Tymoschenko-Verehrerin Rebecca Harms oder ihrem ebenso unbedarften Pendant Werner Schulz vergleicht. Wenn Grün verwelkt, wechselt es offenbar nicht nur in der Natur die Farbe.

Dennoch bleibt bei aller Skepsis das erfreuliche Fazit, dass es doch noch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in diesem Land gibt, die die Machenschaften der aktuell agierenden politisch-medialen Kaste nicht nur durchschauen, sondern auch bereit sind, sich diesen Entwicklungen entgegenzustellen. Das betretene Schweigen in Politik und Medien zu diesem Appell macht deutlich, dass der Schlag gesessen hat.

Link

Der Aufruf in der „Zeit“


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