02. Dezember 2014

Wochenrückblick Nachrichten aus der geistigen Bananenrepublik

Über arme Falschgeldritter, Gendergaga und nicht-existente Netzwerke

Eine neue, schockierende Reportage brachte einen Skandal ans Licht: Es gibt immer noch heterosexuelle Bürgermeister. Nur damit Sie Bescheid wissen. Ich wollte die schlimmste Nachricht des Tages gleich an den Anfang stellen, damit Sie's hinter sich haben. Sollten Sie sich angesichts solcher fassungslos machenden Ungerechtigkeiten betroffen fühlen, legen Sie jetzt ruhig zehn bis 15 Schweige- und Trauerminuten ein. Sowas muss man ja erstmal verkraften. Gerne können Sie auch Lichterketten bilden oder eine Petition im Internet starten, um diesen Missstand endlich zu beseitigen. Lassen Sie uns diese widerliche Heterosexualität ein für allemal ausrotten.

Sibylle Berg ließ in ihrer „Spiegel“-Kolumne ihrem soziopathischen Männerhass mal wieder freien Lauf. Peinlich: Ihre vom natürlich nie offen ausgesprochenen, sondern in Tarnbegriffe wie „Gleichheit“ und „Gerechtigkeit“ gehüllten Wunsch nach radikaler Umerziehung aller Untermänner durchdrungene Hetzschrift war mit einem Szenenfoto aus dem berühmt-berüchtigten Video einer New Yorker Aktivistin gegen künstlich und verzweifelt aufgeblasene Probleme garniert. Noch peinlicher: Dieses Video, das angeblich beweist, wie barbarisch, schweinisch, rücksichtslos und umerziehungswürdig Untermänner doch im Allgemeinen seien, dauerte nur eine Stunde – obwohl die junge Dame ingesamt zehn Stunden Material gefilmt haben soll. Frage: Darf ich bitte mal die restlichen neun Stunden sehen? Antwort: Bist du bescheuert? Wir sind Qualitätsjournalisten! Da wirst du uns schon vertrauen müssen. Was bedeutet, dass wir ein Video von 60 Minuten Laufzeit, das aus zehn Stunden Film zusammengestoppelt wurde, sofort in allen Groschenblättchen und Gagazinchen als Beweis für eine dringend nötige Umerziehung sexistischer Untermänner in Genderlagern präsentieren, ohne auch nur eine einzige kritische Frage zu stellen. Wie zum Beispiel folgende, wobei ich sogleich darauf hinweise, dass solche bodenlos unverschämten, ehrabschneidenden Fragen nur einem verschwörungstheoretischen Hirn wie meinem entspringen können: Könnte es eventuell sein – ich frag' ja nur – dass die junge Aktivistin gegen künstlich zur größten Malaise der westlichen Welt aufgeblasene Probleme namens „Sexismus“ für ihren einstündigen Scheinbeweis nur die krassesten, ungebührlichsten, widerlichsten, asozialsten und perversesten untermännlichen Avancen zusammenschnitt? Und könnte es  sein, dass der Zuschauer, bekäme er das gesamte Material zu Gesicht, eventuell einen viel gemäßigteren, ausgewogeneren und harmloseren Eindruck gewönne? Antwort: Bist du bescheuert? Wir sind Qualitätsjournalisten! Natürlich löste dieses Video – ohne jede Prüfung der Hintergründe – sogleich diverse Shitstorms zum künstlich überblasenen Problem namens „Sexismus“ aus. Trotzdem glauben manche Leute irrwitzigerweise immer noch, es sei schwierig, Menschen zu manipulieren. Zum Totlachen. Moment mal – wollte mir die Dame damit etwa sagen, dass es unter Männern auch Arschlöcher gibt? Klar gibt's die – sieht man ja an Sexisten wie mir. Aber hier schon wieder zu verallgemeinern und von Sexisten wie mir auf alle anderen Untermänner zu schließen, ist das nicht etwas überzogen? Antwort: Bist du be ...

Frage: Wie schnell kann ein Mensch seine Unterhosen wechseln? Nimmt man als Referenzwert die Frequenz  der an politisch Erwünschtem ausgerichteten Meinungsumschwünge der Leitlügenmedien, lautet die Antwort leider: quälend langsam. So auch abzulesen an den Ergebnissen der jüngsten Volksentscheide in der Schweiz. Nur, wenn ein Haufen dummer Populisten politisch korrekt abstimmt, und nur dann, lässt man sich in den redaktionellen Gummizellen dazu herab, auch mal ein lobendes Wort zu finden, wie zum Beispiel in der „Zeit“, Zitat: „Gar nicht so doof, dieses Volk“. Na heititei! Ihr könnt also doch so abstimmen, wie ich will, wenn ihr nur wollt. Wie? Warum ich eine Hand in meine Weste gesteckt habe? Nun, mein zweiter Vorname ist Napoleon. Ähnliches gilt auch für die Systemrestekokser und Abriebsschnüffler des  Fiat-Kreditbetrugs-Geldsystems. Kaum hatten sich die Schweizer gegen Gold entschieden,  jubilierten die ökonomisch Unbeleckten aller Zentralbankherren Leitlügenmedien: Bravo! Richtig so! Schluss mit diesem Populismus! So zum Beispiel Johannes Ritter in der „FAZ“ vom 30. November: „Vernünftige Schweizer“, lautete die Aufforderung an die deutsche Herde, es ihnen bloß gleichzutun. „Populismus“, so Ritter, nach einem verzweifelten geistigen Kampf um adäquate Begriffe doch wieder nur auf einem Pitbull durch die Zeilen reitend, „verfängt in der Schweiz am Ende doch nicht, wie die drei nun abgeschmetterten Volksbegehren zeigen. Das liegt wesentlich daran, dass sich die in direkter Demokratie geübten Schweizer gut informieren.“

Keine Ahnung, wie man so viel Expertise noch begegnen kann. Ach, ich versuch's einfach mal mit einem Zitat des dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Thomas Jefferson, der seine Landsleute vor den Folgen einer von Größenwahnsinnigen geleiteten Zentralbank zu warnen versuchte. Eine prophetische Warnung übrigens, denn die Folgen der 1913 etablierten Kreditbetrugsbank Fed sind heuer ja augenfällig genug und werden so manchen historisch gebildeten Amerikaner sicher mit tränenden Augen auf Jefferson zurückblicken lassen. Jefferson, goldrichtig: „Die Zentralbank ist eine Institution der tödlichsten Feindschaft gegenüber den Prinzipien unserer Verfassung.“ Sollten die amerikanischen Bürger, so Jefferson, die Einrichtung einer solchen zulassen, würden sie ihr erlauben, „die Ausgabe ihrer Währung zu kontrollieren, werden die um sie herum entstehenden Banken und Konzerne die Leute all ihres Eigentums berauben, bis ihre Kinder auf dem Kontinent, den ihre Väter erobert hatten, obdachlos aufwachen werden“. Unfassbar – ein Populist im Weißen Haus! Nun gut, das gilt in dieser Dramatik sicher nicht für die Schweiz; ich wollte es nur erwähnen, um dem von Experten wie Ritter verbreiteten idolatrischen Zerrbild des zentralbänklerischen Status quo etwas entgegensetzen zu können.

Der Falschgeldritter am 29. November: „Der Goldpopulist – Luzi Stamm kämpft von rechts außen für einen milliardenschweren Goldeinkauf der Schweiz. Obwohl Fachleute das für eine Schnapsidee halten.“ Sind das dieselben „Fachleute“, die trotz ihrer stets überraschten Expertise die Finanzkrisen der letzten Jahre nicht haben kommen sehen? Im Gegensatz zu einigen wenigen Goldpopulisten, die auch die Lehman-Pleite 2008 mit verblüffender Genauigkeit vorhersagten, weil sie sachverständiger zu sein wagten als Fachleute? I rest my case, du tapferer Ritter.

Und zum Schluss gibt's in guter Tradition mal wieder ein kleines Schmankerl für unsere Freunde in den Allesbesserwissermedien, die die Existenz gewisser Netzwerke stets vehement bestreiten. Es stammt aus dem Buch „Tragedy and Hope“ des amerikanischen Geschichtsprofessors Carrol Quigley, bei dem unter anderem US-Präsident Bill Clinton studierte. Gleich vorweg: Das von ihm erwähnte Netzwerk überdauerte – leider! – mehr als nur eine Generation. Es existiert – leider! – heute noch. Quigley: „Es existiert und existierte für eine Generation ein internationales anglophiles Netzwerk, das auf eine Weise operiert, wie sich die radikale Rechte das Vorgehen der Kommunisten vorstellt. Tatsächlich hat dieses Netzwerk, das wir als Round-Table-Gruppen identifizieren können, nichts dagegen, mit Kommunisten zu kooperieren oder irgendwelchen anderen Gruppen – was es auch regelmäßig tut. Ich weiß um die Tätigkeiten dieses Netzwerks, weil ich es 20 Jahre lang studiert habe und in den frühen 60er Jahren für zwei Jahre die Erlaubnis erhielt, seine Papiere und geheimen Aufzeichnungen zu untersuchen.“ Wünsche den Allesbesserwissern viel Spaß beim Widerlegen. Aber bitte mit Sinn und Verstand und substantiellen Argumenten. Nicht wieder nur Pitbulls reiten!


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Axel B.C. Krauss

Über Axel B.C. Krauss

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige