20. November 2014

Leitmedien zu RT Deutsch „Entweder ihr seid mit uns, oder ihr seid alle Russen!“

Die Elfenbeintürme kollabieren im freien Fall

Sagt Ihnen der Begriff „Streisand-Effekt“ etwas? Falls ja: Herzlichen Glückwunsch! Denn damit haben Sie den hochqualitativen Selbstzerstörungsmechanismen der gesellig-vasalligen, meinungsmonolithischen Terrorgruppe ISFUFE (Irrationales Sabbeln in Funk und Fernsehen) etwas voraus. Sie brauchen nun keine Angst mehr zu haben, sich beide Beine gleich selber wegzuschießen – und zwar mit einer abgesägten Schrotflinte. Denn genau das haben die Leidmedien nun bewerkstelligt. Wurden die Lügenbeine schon vorher beinahe täglich kürzer, humpeln sie nun endgültig auf Stümpfen.

Anlass der eigentlich völlig unnötigen Selbstverstümmelungsaktion? Konkurrenz zum transatlantischen Meinungsmonopol. Konkreter: Der Start von RT Deutsch. Zugegeben, der verlief etwas holprig. Moderatorin Jasmin Kosubek, die man – keine Angst, freier Westen, es ist nur Ironie – durchaus als „Putins Rakete“ bezeichnen könnte, wurde nicht müde zu betonen, wie aufgeregt sie doch sei und deshalb kaum etwas sagen könne. Das wirkte etwas kindlich,  aber schon in den nächsten Sendungen legten sie und ihre Kollegen die Albernheiten ab und agierten etwas ernsthafter. Es ist schließlich ein ganz junger Sender – da sollte man über Anfängerfehler wie einen von „Ähs“ und „Öhs“ unterbrochenen Informationsfluss auch mal hinwegsehen können (man erinnere sich bitte an die ersten Gehversuche von Sendern wie Sat.1 – autsch). Mit der Erfahrung kommt die Sicherheit, außerdem ist sowas ja nun auch kein journalistisches Kapitalverbrechen. Ist ja nicht so, dass sie Angriffskriegen Spalier gestanden hätten – im Gegensatz zu ihren altdeutschen Kollegen, die viel mehr Übung darin haben und deshalb traditionsgemäß sehr viel eloquenterund flüssiger agitieren. Zumindest bis zum Start des deutschen Ablegers von Russia Today.

Denn seitdem scheint es kein Halten mehr zu geben, wirklich gar keines. Die weit über der geopolitischen Realität thronenden Elfenbeintürme scheinen nun mit Freifallgeschwindigkeit zu kollabieren, und das nur, weil ein paar angeblich reinrassig russische Brieftauben hineinflogen. Selbst Blättchen, von denen man trotz hinlänglich bekannten Kadavergehorsams nicht unbedingt erwartet hätte, dass sie dermaßen die Contenance verlieren, schossen und schlugen nun völlig enthemmt um sich: „Entweder ihr seid mit uns, oder ihr seid alle Russen!“. So beispielsweise die verlorene „Zeit“: Der habe „uns gerade noch gefehlt“, dieser „staatliche russische Propaganda-Kanal“; es sei „erschreckend, wie dort  gelogen und verbogen wird“. Na, mal sehen. Das machte mich natürlich neugierig, also schaute ich mir die bisher produzierten Sendungen gestern abend mal in ganzer Länge an.

Und suche immer noch nach den „obskuren Theorien“, die dort angeblich verbreitet werden, wurde bislang aber nicht fündig. Es ist erschreckend, wie unreflektiert Werbeprospekte des State Department wie die „FAZ“, interne Pentagon-Memoranden wie die „Welt“, Marschmusik-Notenpulte wie „Süddeutsche“ und „Tagesspiegel“ oder eben die Hotelangestellten der „Zeit“ einen ganzen Berg unzutreffender Bilder ausschütteten, nur weil ihnen die Felle davonschwimmen. Denn das ist der Hauptgrund des ganzen Geiferns, Beißens und Spuckens: Wagen die doch tatsächlich, aus der Chorus Line zu tanzen. Präsentieren doch einfach alternative Informationen. Und dann laden die auch noch Gesprächsgäste ein, deren Geburtsurkunden wir durch beharrliches Totschweigen eigentlich ins Archiv für Verschwörungstheorien verbannen zu können gehofft hatten. Es lohnt sich nicht, auf die anderen Vorwürfe einzugehen: zu primitiv. Im Wesentlichen wurden die üblichen Pawlowschen Speicheltröpfchen des „Anti-Amerikanismus“ verspuckt sowie einige andere Pitbull-Vokabeln aus der Reiz-Reaktions-Vollautomatik der Schreib- und Funkdrohnen. Same shit, different day: irgendwie krude, irgendwie anti-irgendwas und halt ... ach, irgendwie so komisch anders als wir.  

Mithin muss der Vorwurf „staatlicher Propaganda“ ominös wirken, kommt er von deutschen Sendern, die auf neosowjetische Art zwangsfinanziert werden. Aber nun gut – natürlich bleibt erstmal abzuwarten, wie sich der junge Ableger weiter entwickelt. Es hat ja niemand was dagegen, dass auch angemessene Kritik geübt wird. Aber wenn ein Pressepuff, der ständig für die ranghöchsten Geostrategen und Generäle globalen Vormachtstrebens die Beine breit macht, anderen Nuttigkeit vorwirft, ist das einfach nur bescheuert – und zum Kugeln.


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