01. November 2014

Wochenschau Drei Terrorbären für Finanzzwiebel

Ein packender Film für die ganze Familie. Ohne Altersfreigabe und mit Schluckempfehlung

Das Zonendeutsche Fernsehen, ZDF, bat seine Zuschauer aufrichtig um Entschuldigung. Eigentlich sei es ein Skandal, dass bei seinen Redakteuren allmorgendlich hinten sowas Braunes rauskommt. Man könne jedoch nichts dagegen unternehmen, so die Berufsapologeten, da die Nazinatur regelmäßig, vor allem nach üppigen Mahlzeiten, die Macht im Gedärm ergreife. Andere hingegen vermuten, die Eingeweide-Netzwerke im körperlichen Untergrund könnten bei manchen Journalisten schon bis in den Kopf reichen. Manche Zuschauer fragten frotzelnd, was denn da für nervöse Hemden im ZDF beschäftigt seien; der Verband deutscher Exorzisten freute sich derweil über die Unmenge neuer staatlicher Aufträge zur Austreibung von Kobolden, Gnomen, Orks und Trollen, Vampiren, Werwölfen, Homunculi und anderen Fabelwesen, die des Geistesnachts aus den rotbraunen Nährböden des außen-, einwanderungs- und währungspolitisch-planwirtschaftlichen Fundamentalismus schlüpfen. Dieser Fundamentalismus mit zuweilen extremistisch superetatistischen Zügen wurde übrigens auch in bedrohlichen Hintergrund-Netzwerken ausgebrütet, allerdings nicht in Unterleibern, sondern hansguckindieluftigen Oberstübchen. Bekannt wurde er vor allem unter dem Namen seines gefürchteten Anführers, al-TERNA-eu-TIVLOS. Die von ihm kommandierte Terrorgruppe nennt sich „ISIS“, „Internationaler Sozialismus im Irrenhaus und in den  Sozialämtern“. Der Verband klagte, man komme schon wieder gar nicht mehr hinterher und denke sicherheitshalber über die Anschaffung von Kettenhemden nach. Dies passe auch sehr gut zum vergangenheitsfixierten, inquisitorischen Charakter der Auftraggeber: Diese neigten dazu, Kritikern mit messerscharfem Zeitungspapier den gesellschaftlichen Kopf abzuschneiden.

Salafisten und Hooligans führten erfolgreich einen neuen Stresstest für Banken ein. Die Ergebnisse des ersten Testlaufs waren vielversprechend und kamen vor allem bei der Politik gut an; man denkt bereits über eine Einschränkung der Verzweiflungsfreiheit nach, die nötig sein könnte, sollte die Zahl nervöser Hemden in öffentlichen Räumen doch stärker ausfallen, als von stressbedingt erblindeten Experten für Folge-Erscheinungen verfehlter Politik bisher sowieso immer daneben gedacht. Es könne nicht schaden, so der Pressesprecher der Deutschen Blockpartei, mittels solcher Stress- und Belastungstests der sozialen Struktur rechtzeitig zu evaluieren, wie viel Luft aus dem Leitkompressor in die inflationierbaren Schreckgespenster aus Sexpuppengummi noch hineingeblasen werden muss, um die Zuhälter im Regierungs-Rotlichtviertel hinter einer dicken Pufferzone zu verbergen. So könnten Salafisten, Hooligans, Rinks- und Lechtsextremisten und ganz allgemein alle Bürger ruhig mehrfach mit dem Kopf oder der Faust dagegen- oder aufeinander einschlagen, ohne die politischen Führer des Landes beim konzentrierten Nachdenken über weitere Maßnahmen zur Beschneidung der Verzweiflungsfreiheit zu stören. Schließlich sind sie es doch, die den Kurs eines Landes bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitklatschen und -schunkeln  zu bringen, auch dann, wenn es sich um eine parlamentarische Demokratie handelt. Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde von Dauerkrisen, permanenten Kriegszuständen, Ebolisis, Rechtspopulisten, Genderkritikern, Euro-Skeptikern, Europa-Hassern, Ultranationalisten, Goldspinnern, Islamophoben und anderen potentiellen Schädlingen angegriffen, und den Zweiflern und Skeptikern ihren Mangel an Obrigkeitshörigkeit und Schluckbereitschaft vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land mit Verschwörungstheorien über angebliche Deutungshoheitsbestrebungen politisch-medialer Hintergrund-Netzwerke in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land; nötigenfalls muss man durch Bildungsprogramme nachhelfen, die Bürgern schon im Kindesalter das Schlucken beibringen.

Eine andere Terrorgruppe desselben Namens, ISIS („Internationale Schutzstaffel insolventer Supermächte“) rekrutiert einem Bericht der „Zeit“ zufolge vor allem in Europa und Nordafrika. Hersteller von Kinderüberraschungseiern reagierten gelangweilt. Der Artikel sorgte hingegen für große Zustimmung und ein zufriedenes Lächeln vor allem bei den Herstellern von AFRICOM-Aufbrause. Der Leiter der Marketingabteilung des Produzenten für hegemoniale Belebungsgetränke , Ice-Ice-Zbiggy, sagte in einem Interview, er habe das schon vor Jahren so kommen sehen. War er es doch, der schrieb, Afrika solle „subjugated“ werden, also „bezwungen“ oder „unterworfen“. Man habe in Nordafrika ja in Libyen bereits ein leicht lösliches Substrat für weiteres Aufbrausen erfolgreich getestet; es sei nur eine Frage der Zeit, bis der überlegene Geschmack nach Handlangerfreiheit und abends teuerer Durstlöscher sich herumspreche. Es gelte allerdings, umsichtig vorzugehen, sonst hole man sich einen großen afrikanischen Grabenbruch. Artikel über weiteres Aufbrausen in der Region werden in Kürze folgen; ihren Wortlaut können sie jetzt schon jedem größeren planetaren Schachbrett entnehmen. Und da schon Herr Paperspleenspan wusste, dass den Finanzmilizen von al-Euro ibn-Draghi keine nachhaltige Zukunft beschert sein würde, baute man zum Ausgleich prophylaktisch eine Gegenbewegung auf, die ebenfalls den Namen „ISIS“ trägt – „Internationaler Staat insolventer Supernasen“.


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