29. Oktober 2014

Staatliches Bildungswesen Anmaßung von Wissen

Entschärfen kann nur der Markt

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Das staatliche Bildungswesen ist aus freiheitlicher Sicht seit jeher mit Argwohn zu betrachten. Zum einen deshalb, weil es stets ein wirkungsvolles Machtinstrument der gerade herrschenden Kräfte gewesen ist, deren Interessen und Wertvorstellungen es vertreten hat, zum anderen deshalb, weil es sich als öffentliches Gut über die Interessen und Wertvorstellungen häufig unliebsamer Minderheiten hinwegsetzen konnte, was nicht selten zu gesellschaftlichen Konflikten geführt hat.

Denkt man an die Kontroverse rund um den von der grün-roten Landesregierung Baden-Württembergs verfassten Bildungsplan 2015, der sich für eine stärkere Berücksichtigung der Akzeptanz sexueller Vielfalt im Schulunterricht ausspricht, wird man feststellen müssen, dass sich am Wesen der staatlichen Bildung wenig verändert hat: Nach wie vor sind es die gerade herrschenden Kräfte, die die Bildungsinhalte nach eigenem Gutdünken festlegen, woraus sich schnell gesellschaftliche Konflikte entwickeln können.

Besonders hoch ist dieses gesellschaftliche Konfliktpotential bei heiklen Themen, etwa aus dem Bereich der Religion oder der Sexualpädagogik: Sollen muslimische Lehrerinnen in Kopftuch unterrichten dürfen? Soll das Kruzifix in Klassenzimmern hängen? Oder eben: Sollen Kinder vermehrt über homo-, bi-, trans- und intersexuelle Orientierungen unterrichtet werden, oder soll man stattdessen Heterosexualität als soziale Norm postulieren?

Es ist nahezu unmöglich, in all diesen Fragen zu einem gesellschaftlichen Konsens zu gelangen. Umso gefährlicher wird es, wenn der Staat Lehrpläne festlegt, die für alle gelten. Denn dadurch schürt er die Gefahr, dass sich die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen in einem verzweifelten Kampf um Einfluss an die Gurgel gehen werden, um ihren Wertvorstellungen bei den staatlichen Bildungsklempnern Gehör zu verschaffen. Setzen sich etwa „progressive“ Gruppen in diesem Kampf durch, so werden sie schnell zum Feindbild konservativer oder religiöser Gruppen und umgekehrt. Der große anarchokapitalistische Vordenker Murray Rothbard hat richtig erkannt, dass das Ausmaß und die Intensität der sozialen Konflikte in der Gesellschaft immer weiter zunehmen, wenn sich die Sphäre der öffentlichen im Vergleich zur privaten Bildung vergrößert.

Womit wir schon bei der Lösung für das Problem gesellschaftlicher Konflikte wären, die durch das staatliche Bildungswesen geschaffen werden, nämlich der Privatisierung desselben. Während die Sorgen, Wünsche und Interessen der Bürger – allen voran derjenigen, die gesellschaftlichen Minderheiten angehören – von den staatlichen Bildungsklempnern problemlos übergangen werden können, da die privilegierten Staatsschulen kein Gewinnmotiv kennen, nahezu konkurrenzlos sind und sich nicht an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientieren müssen, wäre für private Schulen der Kunde, dessen Bedürfnisse es zu befriedigen gilt, König, da andernfalls das Verschwinden vom Markt droht: Niemand wird übergangen.

Murray Rothbard hat beschrieben, wie so ein privates Bildungswesen aussehen würde:

„Wenn Bildung völlig privat wäre, könnten alle Eltern und alle Gruppen von Eltern ihre eigene Art von Schule führen. Eine Menge von verschiedenen Schulen würde entstehen und auf die verschiedenartigen Bildungsbedürfnisse der Eltern und Kinder treffen. Einige Schulen wären traditionell, andere progressiv. Schulen mit Abstufungen zwischen progressiv und traditionell entstünden. Einige Schulen würden mit egalitären Methoden und ohne Zensuren arbeiten, andere streng nach Fächern unterrichten und benoten, einige wären säkular, andere an unterschiedlichen Glaubensrichtungen ausgerichtet, einige Schulen wären libertär und würden die Tugenden des freien Unternehmertums hochhalten, andere dagegen irgendeine Form des Sozialismus predigen.“

Die Wahrscheinlichkeit, in einem freien, privaten Bildungswesen eine passende Schule zu finden, wäre wesentlich höher, als es im staatlichen Bildungswesen gegenwärtig der Fall ist. Die Vielfalt wäre einfach größer, was wiederum gesellschaftliche Konflikte, die Folge der staatlichen Einheitsschule sind, eindämmen würde.

Der Staat hingegen ist nicht dazu in der Lage, für jeden das passende Schulprogramm zu entwickeln – das käme einer Anmaßung von Wissen gleich. Wenn er dies dennoch versucht, erzeugt oder verschärft er nur gesellschaftliche Konflikte. Diese entschärfen kann nur der Markt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freitum.


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