27. Oktober 2014

Veranstaltungsbericht Unternehmer auf verzerrten Märkten (1)

Symposion des Instituts für Wertewirtschaft

„Vom Diener des Konsumenten zur Melkkuh des Staates“ lautete der treffend gewählte Untertitel eines vom Wiener Institut für Wertewirtschaft am Internationalen Managementcenter in Krems organisierten Symposions. Im Rahmen dieser Veranstaltung beleuchteten sowohl Gelehrte als auch Praktiker aus der Wirtschaft verschiedene Aspekte unternehmerischen Handelns in einer zunehmend hoheitlich regulierten Welt. Dem Auditorium, das sich überwiegend aus unternehmerisch Tätigen und Studenten der FH zusammensetzte, wurde ein stimmiges Bild der aktuellen Lage außerhalb geschützter Werkstätten geboten.

In seinem Impulsreferat „Die Täuschung des Unternehmers“ erläuterte der an der Universität in Angers in Frankreich lehrende deutsche Ökonom Jörg Guido Hülsmann die Grundgedanken der „österreichischen“ Konjunkturzyklustheorie. Er kam zunächst auf die Aufgaben und Herausforderungen zu sprechen, die jede unternehmerische Tätigkeit bestimmten. Es gehe für den Unternehmer zuallererst ums „Schaffen eines Geldeinkommens“ und darum, das zu diesem Zweck notwendige „korrekte Bild der Zukunft zu antizipieren“. Als entscheidende Orientierungshilfe würden ihm dazu die von den Marktpreisen ausgehenden Signale dienen.

Nach Ludwig von Mises spiele der Unternehmer die Rolle eines „Historikers der Zukunft“. Wie alle auf die Zukunft gerichteten Entscheidungen müssten auch die des Entrepreneurs im Zustand der Ungewissheit getroffen werden und könnten daher falsch sein. Folglich würde es immer einzelne Unternehmer geben, die Fehlentscheidungen treffen, die im Extremfall zum Untergang ihres Betriebes führen könnten. Wenn aber viele oder gar alle Unternehmer zum selben Zeitpunkt fatale Fehlentscheidungen treffen würden, sei dies stets geldpolitischen Eingriffen staatlicher Institutionen geschuldet. Die künstliche Manipulation des Zinses nach unten und das scheinbar unbegrenzte Angebot „billigen Geldes“ verleite die Privathaushalte zu erhöhten Konsumausgaben und die Unternehmerschaft zu Über- und Fehlinvestitionen.

Es gelte immer zu bedenken, dass niemals die zur Verfügung stehende kumulierte (Buch- und Giral-) Geldsumme die wirtschaftlichen Möglichkeiten bestimme, sondern stets die Menge der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Und diese seien – anders als ein papierenes Schuldgeld – eben nicht beliebig und zum Nulltarif vermehrbar.

In den zurückliegenden Jahren, besonders seit dem Ausbruch der von den USA ausgehenden Krise im Jahr 2007, habe sich die bestehende Problematik wesentlich verschärft. Seit damals seien die Staaten und Notenbanken von der bloßen Inflations- zu einer „Rettungspolitik“ übergegangen, die die Verzerrungen noch weiter verstärkt habe. Der auf der Politik lastende Druck, eine drohende Rezession (mit all ihren dramatischen Begleiterscheinungen wie Banken- und Firmenpleiten sowie einer rasant steigenden Arbeitslosigkeit) um jeden Peis zu verhindern, führe allerdings nur zu einer Verlängerung des laufenden Konjunkturzyklus. Dies um den Preis eines umso dramatischeren Absturzes an dessen unvermeidlichem Ende...

In einem derartigen Umfeld sei es heute – ungeachtet aller anderen, zusätzlichen Herausforderungen – schwieriger denn je, erfolgreich ein Unternehmen zu gründen und als Unternehmer zu bestehen…

Link:

Institut für Wertewirtschaft


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