25. September 2014

Währung „Brennt die Zentralbank nieder!“

Die Notenbanken und das Fiatgeld

Der prominente Schweizer Ökonom, Börsenexperte und Fondsmanager Marc Faber ließ kürzlich in einem Interview mit dem Online-Magazin The Daily Bell mit einem bemerkenswerten Kommentar aufhorchen. Nach seiner Meinung zur Occupy-Wall-Street-Bewegung befragt, antwortete er: „Im Grunde denke ich nicht, dass diese Leute die Wall Street besetzen sollten. Sie sollten losziehen und die Federal Reserve in Washington niederbrennen und die ultra-laxen Fed-Direktoren aufhängen, die sich für noch mehr Geldschöpfung aussprechen. Das sollten sie mal machen.“ Es braucht nicht allzu viel Phantasie, um sich auszumalen, dass Herr Faber auch für andere Zentralbanken, wie die EZB, die Bank of England oder die Bank of Japan keinerlei Sympathien hegt.

Um den heiligen Zorn zu verstehen, mit dem der Mann (Jahrgang 1946 – also nicht gerade das, was man einen jugendlichen Heißsporn nennt!) die US-Zentralbank kommentiert, sollte man sich zunächst Sinn und Zweck einer derartigen Institution vergegenwärtigen. Die von Faber apostrophierte Federal Reserve trat ja bekanntlich erst unmittelbar vor Ausbruch des Großen Krieges, 1913, ins Leben. Zu welchem Zweck? Um dieser Frage nachzugehen, drängen sich die Überlegungen des Ökonomen Guido Hülsmann auf, die dieser kürzlich anlässlich eines Vortrags mit dem Thema „Fiat Money und der Wohlstand“ vor der Property and Freedom Society in Bodrum präsentierte.

Alleiniger Sinn und Zweck einer Zentralbank sei es, den ständig wachsenden Geldbedarf des Staates sicherzustellen (die Gründung des ältesten derartigen Instituts, der Bank of England, erfolgte anno 1694 zu dem einzigen Zweck, der notorisch klammen Krone einen Kredit in der Höhe von 1,2 Millionen Pfund zu gewähren). Während in einem freien Markt die Finanzen reale Werte darstellten (Geld bestehe hier nicht bloß aus lustig bedruckten Zetteln, sondern gewöhnlich aus Gold) und damit reale Investments – bei vollem Risiko aller Beteiligten – getätigt würden, um reale Güter und echten Wohlstand herzustellen, verhalte sich das in einer von einer Zentralbank auf Zuruf der Regierung gesteuerten Planwirtschaft anders. Hier könne – faktisch zum Nulltarif und in unbegrenzter Höhe – durch nichts als warme Luft und eitle Hoffnung gedecktes Geld geschöpft und damit eine allgemeine Illusion von Wohlstand geschaffen werden. In einem Fiat-Geld-System besitze Geld keinen „inneren“ Wert, sondern stelle jede begebene Banknote – anders als bei einem voll gedeckten Warengeld – lediglich einen Schuldschein dar, der zwar durch einen Akt der Verschuldung in die Welt trete, zugleich aber dennoch keinerlei garantierten Anspruch (gegen wen auch immer) verkörpere. Geld im Fiatsystem sei demnach bloße Fiktion.

Um im Fall einer in Turbulenzen geratenen „systemrelevanten“ Bank helfend eingreifen zu können, verfüge die Zentralbank über die Möglichkeit, unbegrenzte Mengen neuen Geldes zu schöpfen. Sie selbst könne, dank ihres einzigartigen Monopols, niemals Pleite machen. Alan Greenspan, von 1987 bis 2006 Chef der Fed, spricht dazu Tacheles: „The United States can always pay the debt it has, because we can always print money to do that. So there is no probability of default.” („Die Vereinigten Staaten können die Schulden, die sie haben, immer bezahlen, da wir immer Geld drucken können, um dies zu tun. Es gibt also keine Wahrscheinlichkeit der Nichterfüllung.“)

Was das in der Praxis bedeutet, liegt auf der Hand: Ein System ungedeckten Papiergeldes bestrafe das Sparen (infolge laufender Kaufkraftminderung der Geldreserven durch permanente Ausweitung der Geldmenge) und führe zu Überkonsumption einerseits und Fehlinvestitionen andererseits. Eine derartige Geldordnung führe langfristig in jedem Fall zur kollektiven Verarmung – ein Prozess, der sich in Kaufkrafterosion, verringerter Sparneigung und abnehmenden Investitionen in Werte der Realwirtschaft manifestiere. Damit sind exakt jene Phänomene beschrieben, die gleichermaßen in den USA, Europa und Japan seit vielen Jahren zu beobachten sind!

Während in einem Echtgeldsystem das allgemeine Preisniveau dank immer wirtschaftlicherer Produktionsmethoden stets eine sinkende Tendenz aufweise (die Kaufkraft der einzelnen Geldeinheit also zunimmt), bringe ein Fiatgeldsystem stets eine Preisinflation mit sich (das „Inflationsziel“ der laut Satzung auf Währungsstabilität verpflichteten EZB liegt bei zwei Prozent – was für eine Ironie!). Die Erkenntnis, dass Sparen mittels konservativer Veranlagungen keinen Sinn mehr ergibt, da die durch die Zentralbanken betriebene (und den Geschäftsbanken durch sie ermöglichte) Geldmengen- und Kreditausweitung die Spareinlagen laufend entwertet, habe folgenreiche Konsequenzen: Entweder das Sparen entfalle großteils und das Einkommen werde vermehrt verkonsumiert (was zu einem Rückgang der für ein „kapitalistisches“ System unerlässlichen Kapitalakkumulation führe); oder es würde auf riskantere Anlageformen ausgewichen – in der Hoffnung, auf diese Weise wenigstens einen Erhalt bestehender Werte sicherzustellen. Die Stabilität der Ökonomie werde in beiden Fällen untergraben...


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