23. September 2014

Klimaforscher Koloniale Arroganz

Ein Leserbrief an „Die Welt“

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Liebe Frau Ehrenstein, lieber Herr Lachmann,

bei der Recherche zu Ihrer Titelgeschichte haben Sie zwei Tatsachen übersehen.

Erstens: Die UN (Unterorganisation UNEP) – sich, wie Sie, auf „Klimaforscher“ berufend – hofft schon seit vielen vielen Jahren, dass die Welt endlich Abermillionen Klimaflüchtlinge bekommt, damit die These von der drohenden Klimakatastrophe endlich belegt wird und man die Staaten der Welt (de facto „den Westen“) auffordern kann, diese zu retten.

So behauptete sie bereits 2005, dass bis 2010 rund 50 Millionen Klimaflüchtlinge Rettung suchen würden. 2011, als nichts geschehen war, verlegte sie den Termin einfach auf 2020.

Und nun versucht man mehr vom Falschen. Statt 50 Millionen werden es nun auf die Schnelle mal eben vier mal 50, also 200 Millionen Flüchtlinge. Wieder sich auf dieselben „Klimaforscher“ berufend. Große Zahlen beeindrucken immer, hofft man wohl, auch wenn, und damit komme ich zur Tatsache zwei...

Zweitens: ... die globale Mitteltemperatur sich seit 16 bis 18 Jahren (je nachdem, ob man terrestrischen Messungen oder Satellitenmessungen vertraut) nicht mehr erhöht hat. Nach der Mini-Rückerwärmung, nach dem Ende der kleinen Eiszeit, von circa 0,8 Grad Celsius im vergangenen Jahrhundert, gibt es keine Erwärmung mehr. Obwohl die CO2-Konzentration inzwischen von 0,0365 Prozent auf 0,04 Prozent in derselben Zeit gestiegen ist. Was also soll die Klima-Flüchtlinge veranlassen, ihr Land zu verlassen? Die „Prognose“ von drei bis fünf Grad Celsius zum Ende des Jahrhunderts? Auch der Meeresspiegel steigt folgerichtig so langsam wie eh und je, und anders als der ahnungslose Entwicklungsminister Gerd Müller Sie und uns glauben machen will, wird die Erde dank erhöhter CO2-Düngung grüner und damit fruchtbarer. Insbesondere in der Sahelzone.

Natürlich haben die Länder ein massives Flüchtlingsproblem, wie Sie, Herr Lachmann, es auch richtig in Ihrem Kommentar „Flucht und Verantwortung“ beschreiben. Ausgelöst durch Machtkämpfe rivalisierender Gruppen, marode Strukturen, Korruption und Despotismus der übelsten Art in deren Heimatländern.  Doch warum soll „der Westen“ diese Probleme lösen, wie Sie es schrieben? Sind nicht die Bewohner dieser Länder in erster Linie selbst für sich und ihr Handeln verantwortlich? Wo bleibt – auch bei Ihnen – der Hinweis auf die viel beschworene Selbstbestimmung, und damit auf die einzige Möglichkeit für deren Wohlergehen und eine der vielen Voraussetzungen für die menschliche Würde?

Mir scheint, da schimmert in Ihrem Kommentar – sicher ungewollt – wieder die koloniale Arroganz durch, nach dem Leitsatz, die können es eben nicht? Deshalb muss wieder „der Westen“ ran, mit welcher Begründung immer.

Doch das kann nicht unsere Aufgabe sein, allein schon die derzeit ungeheure Menge überschreitet jede vernünftige Möglichkeit des Eingreifens.

Deshalb Hilfe zur Selbsthilfe ja, aber Schuldzuweisungen und Daueralimentation mit der Begründung, der „Westen sei an allem schuld“, nein.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen

Ihr

Michael Limburg


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