06. August 2014

Freidemokraten Spagat für Liberale

Der Bundesgeschäftsführer im Interview

Dr. Ulrich Hammerschmidt ist Bundesgeschäftsführer der im April 2012 gegründeten Partei Freidemokraten. Im Gespräch mit eigentümlich frei spricht er über politische Ziele und persönliche Hintergründe.

ef: Was treibt Sie persönlich an, sich politisch zu engagieren? Was motiviert sie? Wie politisch war Ihr Elternhaus? Gab womöglich ein bestimmtes Erlebnis in der Vergangenheit den Ausschlag?

Hammerschmidt: Mein Elternhaus war wohl, was man gemeinhin „gutbürgerlich“ nennt. Von dort habe ich jedenfalls meine Lust am Diskurs mitbekommen. Mit 15 war ich dann bei der Jungen Union, nach meiner Übersiedlung nach Österreich ging es bei der ÖVP (beziehungsweise JVP) weiter. Allerdings hat meine Verbundenheit mit dieser Partei über die Jahre kontinuierlich abgenommen und vor zwei Jahren habe ich ihr – nach fast 40-jähriger Mitgliedschaft – den Rücken gekehrt und mich den Freidemokraten angeschlossen. Die Zeit ist reif für eine liberale Bewegung, die das Wort „liberal“ nicht nur im Namen trägt. Denn wo überschießende Regulierung aller Lebensbereiche hinführt, sehen wir ja heutzutage an jeder Ecke. Da hilft nur mehr ein radikaler Rückbau des Staates.

ef: Was sind Ihre politischen Ziele? Streben Sie Mandate und Sitze an? Glauben Sie, realistische Chancen gegen die Etablierten zu besitzen?

Jede Partei strebt natürlich Mandate und Sitze an. Wie sollte sie sonst etwas verändern können? Natürlich ist ein gewisser Spagat für Liberale, wenn sie in einem System mitspielen müssen, das sie in der gegenwärtigen Form ablehnen und von Grund auf verändern wollen. Aber was ist die Alternative? Sich zurücklehnen und von den Rängen schimpfen?

Hammerschmidt: Ich glaube, wir Freidemokraten haben realistische Chancen, weil einerseits der Unmut über die Großparteien ungeheuer groß ist, und weil sich andererseits die als liberal positionierten Parteien schon weitgehend selbst demontiert haben.

ef: Für welche Themen und Ziele treten Sie ein? Was wollen Sie vermitteln?

Hammerschmidt: Schluss mit der Bevormundung! Weniger an Gesetzen und Regeln ist mehr! Die Menschen müssen wieder mehr Eigenverantwortung tragen und dürfen nicht nur am Tropf des Staates hängen. Wir wollen die Aufgaben des Staates deutlich zurückfahren und den Föderalismus stärken. Small is beautiful und Konkurrenz (unter den Kommunen) belebt das Geschäft! Für den Einzelnen bedeutet das unter anderem ganz profan: Halbierung der Steuern.

ef: Wie definieren Sie Ihre Zielgruppe? An wen richten Sie Ihre Botschaften?

Hammerschmidt: Natürlich richtet sich unsere Botschaft an alle. Aber erfahrungsgemäß fällt sie bei der Gruppe der Selbständigen und Gebildeten, dem Mittelstand, auf den fruchtbarsten Boden. Sozialhilfeempfänger und Beamte dagegen , die typischen Nutznießer des wuchernden Staates, fühlen sich wahrscheinlich von unserem Programm nicht so angesprochen. Aber damit können wir leben.


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