16. Juni 2014

Buchbesprechung Kluge Geldanlage in der Schuldenkrise – Austrian Investing

Desillusionierend und erkenntnisreich

Die seit Jahren anhaltende Währungs- und Staatsschuldenkrise bringt für Sparer und Geldanleger veritable Probleme mit sich. Gestern sinnvolle Anlagestrategien sind heute unbrauchbar. Die Zeiten todsicherer Investments sind vorbei. Konservative, bevorzugt am Kapitalerhalt interessierte Anleger, werden durch die Politik der „finanziellen Repression“ ausgeplündert; risikobereite Naturen dagegen sehen sich zunehmend der Gefahr platzender Blasen in bereits überhitzten „Assetmärkten“ (Aktien und Immobilien) gegenüber. Selbst die Flucht in Edelmetalle ist nicht mehr risikofrei möglich. Die Meldungen über eine planmäßige Manipulation des Goldpreises sind nicht dazu angetan, die Anlegersicherheit zu erhöhen.

Wer nun erwartet, Patentrezepte geboten zu bekommen, deren Umsetzung ihn sicher durch die Krise führen oder garantiert reich machen werden, sieht sich enttäuscht. Die beiden Autoren liefern vielmehr – auf Basis der Lehren der Österreichischen Schule der Nationalökonomie – eine profunde Analyse des Status quo der Finanzmärkte und jener (keynesianischen) Voodoo-Politik, die uns dahin gebracht hat. Denn vor einer Beschäftigung mit konkreten Investmentmöglichkeiten sollte immer das grundlegende Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge stehen. Danach wird ein umfangreicher Katalog möglicher Anlagen vorgestellt, der vom Festgeldkonto über Aktienfonds und Edelmetalle bis zum Kauf von Antiquitäten oder Oldtimern reicht. Jede dieser Investmentmöglichkeiten wird kritisch analysiert und mit Bewertungen hinsichtlich ihrer Tauglichkeit für Privatanleger versehen.

Am Ende steht dennoch die ernüchternde Erkenntnis, dass es, bedingt durch die Geldpolitik der politisch opportun anstatt ökonomisch richtig handelnden Zentralbanken, heute schwieriger ist denn je, sein Vermögen vor Verlusten zu bewahren. Planwirtschaftlich nach unten manipulierte Zinsen haben zu einer nie zuvor dagewesenen Geldschwemme geführt – mit allen sich daran knüpfenden, negativen Konsequenzen. Die korrekte Abschätzung künftiger Entwicklungen ist dadurch schwierig geworden. „Nicht alle Eier ins selbe Nest legen“ dürfte für den Privatanleger nach wie vor die Anlagestrategie der Wahl sein. Schuldentilgung vorAnlage ist ein Rat, der besonders jüngeren Menschen erteilt wird. Auch das Halten höherer Bargeldbestände ist – wie immer in Krisenzeiten – kein Fehler. Das Beispiel Zyperns (mit überfallartig vorgenommenen Kontensperren und der Einführung rigoroser Kapitalverkehrskontrollen) hat gezeigt, wie rasch dieser Aspekt Bedeutung erlangen kann. Sicher ist, dass der Staat, wenn seine finanzielle Lage sich weiter verschlechtert, wovon auszugehen ist, vor noch aggressiveren Zugriffen auf privates Eigentum nicht Halt machen wird. Auch dieser Aspekt sollte heute bei jeder Anlageentscheidung berücksichtigt werden.

Eine zwar desillusionierende, aber dem Erkenntnisgewinn dienende Lektüre.

Link:

Christoph Braunschweig und Susanne Kablitz, Kluge Geldanlage in der Schuldenkrise – Austrian Investing (amazon.de)


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