27. Mai 2014

Janusz Korwin-Mikke Mut zur Provokation

Über einen langfristig erfolgreichen minarcho-monarcho-libertären Außenseiter

Die Europawahlen sind um und die EU-Skeptiker auf dem Vormarsch. Was zunächst gut klingt, ist bei näherer Betrachtung jedoch mit Vorsicht zu genießen: Viele der EU-skeptischen Parteien sind bei aller Kritik am EU-Sozialismus selbst sozialistisch. Sie wollen lediglich den EU-Sozialismus nationalisieren. Damit stehen sie dann für einen patriotisch angehauchten Sozialismus, der sich innerhalb der eigenen Landesgrenzen bewegt und Freihandel wie Kapitalismus ablehnt.

Nicht zu diesen sozialistischen EU-Skeptikern zählten bisher Nigel Farage und seine Partei, die UKIP. Sie erhält nun starke Unterstützung aus Polen: Janusz Korwin-Mikke hat mit seinem ,,Kongress der Neuen Rechten'' (in Polen gilt der Begriff ,,rechts'' nicht als böse und bedrohlich, sondern orientiert sich an der positiven Lesart des Begriffs, wie sie etwa von Erik von Kuehnelt-Leddihn vertreten wurde) den Sprung in jenes Europäische Parlament geschafft, das er am liebsten sofort auflösen würde. Mehr als sieben Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen auf Korwin-Mikkes Partei. Diese möchte laut Wahlprogramm das „künstliche, etatistisch-fiskalisch-ideologische Gebilde namens EU auf eine Freihandelszone reduzieren“. Die sich häufenden Absurditäten der EU sollen gnadenlos aufgezeigt werden. Gegen jeden Gesetzentwurf, der die Kompetenzen des ,,Superstaats EU'' erweitert und seinen Etatismus, Fiskalismus und Interventionismus stärkt, soll gestimmt werden. Eine Deregulierungskommission nach australischem Vorbild soll errichtet werden.

Klingt ambitioniert. Sein eigenes Land Polen möchte Korwin-Mikke am liebsten zu einer minimalstaatlich strukturierten Monarchie umwandeln, die er im Vergleich zur Demokratie ähnlich wie der libertäre Ökonom Hans-Hermann Hoppe als kleineres Übel erachtet. Korwin-Mikke greift damit auf libertäre Gedanken zurück und macht diese einer breiten Masse zugänglich. Man stelle sich vor, ein deutscher Politiker zitiert im Fernsehen ständig Rothbard, Bastiat oder Mises. In Polen ist dies dank Korwin-Mikke der Standard.

Seine Strategie dabei ist ein exzentrisches, oft provokantes Auftreten. Ein bisschen wie Akif Pirincci, nur etwas eleganter. Stets in Fliege wie ein Gentlemen gekleidet, holte Korwin-Mikke beispielsweise während einer Fernsehsendung seinen Revolver aus dem Jackett und verkündete, dass er sich mit ihm sicherer fühle. Dann forderte er mal eben eine Liberalisierung des Waffenrechts. Sozialisten ordnet er gerne in der Evolution irgendwo zwischen Affe und Mensch ein. Und dennoch sieht er in Affen die potenziell besseren Wähler: Stünden einem Affen richtig und falsch zur Wahl, würde er sich mit einer Sicherheit von 50 Prozent richtig entscheiden. Ein Sozialist hingegen, so Korwin-Mikke, irrt immer.

Als minarcho-monarcho-libertärer Außenseiter und jahrzehntelanges Mitglied der außerparlamentarischen Opposition (er verdiente sein Geld zumeist als Herausgeber einer Zeitschrift) musste Korwin-Mikke provozieren, um wahrgenommen zu werden. Der Mainstream zeigte ihn dadurch gerne, versuchte ihn aber zum Politclown zu degradieren, mit dem man die Menschen wunderbar abschrecken konnte. Die Rechnung ging nicht auf: Die Menschen merkten, dass das, was Korwin-Mikke erzählte, so falsch nicht ist. Nein, es schien sogar irgendwie plausibel zu sein. Und er blieb seinen Ansichten immer treu, während die Wendehälse aller anderen Parteien ihre Meinungen im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte immer wieder wechselten.

Janusz Korwin-Mikke zeigt, dass man mit libertären Inhalte durchaus punkten kann. Man muss sie nur entsprechend vermitteln. Provokation ist da ein gutes Mittel. Freiheit statt Zwang, Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung, Privateigentum anstelle des Prinzips der öffentlichen Toilette – das kann vielen Menschen gefallen, gerade auch den Jüngeren, die ja den Ballast des Drei-Viertel-Sozialismus erst noch so richtig zu spüren bekommen werden. Die jungen Polen sorgten schon einmal vor: 28,5 Prozent der 18- bis 25-Jährigen entschieden sich am Sonntag für mehr Freiheit und weniger Sozialismus, für ,,Opa'' Korwin-Mikke und gegen das Establishment. Keine andere Partei erhielt in dieser Wählergruppe mehr Stimmen.

Libertäre in Deutschland können sich ein Beispiel an ihm nehmen: Mut zur Provokation!


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