14. Mai 2014

Privatinitiative im Gesundheitswesen Super voll und einmal Blutdruck messen!

Der Drive-in-Doktor – ein neuer Trend?

„Verbunden werden auch die Schwachen mächtig“ ist nicht das Credo des Doktors von der Tankstelle. Dieter Zakel erinnert viel eher an ein anderes Schiller-Zitat aus dem „Tell“: „Der Starke ist am mächtigsten allein.“Nicht nur seiner eindrucksvollen Statur und seines wild entschlossenen Auftretens wegen. Seine Idee, eine Privatordination in einem Tankstellenshop zu eröffnen, ist ohne Beispiel. Einfallsreich ist er also. Und er versieht, ganz ohne Sprechstundenhilfe oder sonstige Assistenz, ganz auf sich allein gestellt, seinen Dienst. Von sechs Uhr morgens bis 22 Uhr abends. Sieben Tage die Woche. Macht schlanke 112 Wochenstunden. Etwa das Dreifache einer Normalarbeitszeit im österreichischen Wohlfahrtsstaatsbiotop.

Dass eine derartige Ungeheuerlichkeit – ein brutaler Schlag in die Gesichter von Arbeitszeitverkürzern, Leistungsvermeidern und Wertschöpfungsverhinderern – Kritik auf sich zieht, liegt auf der Hand. Wo kommen wir denn da hin – noch dazu in einem Land, in dem jeder Winkel der Gesellschaft vollständig politisiert und mit Ge- und Verboten zu Tode reguliert ist –, wenn einer einfach liefert, was nachgefragt wird? Die Lieferung von dr.ive in Zakel, der über Diplome für Allgemein-, Intensiv- und Anästhesiemedizin sowie über ein beachtliches Maß an national und international gesammelter Berufserfahrung verfügt, besteht schlicht und ergreifend in Zeit. Zeit, die kein vom Sozialversicherungssystem zur Massenabfertigung seiner Patienten genötigter Kassenarzt hat. 15 Minuten kosten 50 Euro. Ein Schnäppchen, wenn man die Gagenforderungen von Rechtsanwälten oder konventionell ordinierenden Fachärzten damit vergleicht.

Ob allerdings die Rechnung des Enfant terrible des kakanischen Krankheitsverwaltungssystems, nämlich Medizin möglichst unbürokratisch und am Patientenwunsch orientiert anzubieten, aufgehen wird? Wer die ausgeprägte Nulltarifmentalität kennt, die der im Lande der Hämmer endemische Sozialismus den Bürgern in Fragen ihrer Gesundheit antrainiert hat, wird da eine gewisse Skepsis entwickeln. Ob andererseits diejenigen, die Geld nicht nur für Gewerkschaftsbeiträge, Inländerrum, Gebrauchtwagen und Türkeiurlaube, sondern auch für Gesundheitsdienstleistungen in die Hand zu nehmen bereit und imstande sind, sich tatsächlich mit dem herben Charme einer Ordination zwischen Zapfsäulen und Tankstellenshop anfreunden können, muss sich erst herausstellen.

Glück für sein innovatives Projekt ist Dieter Zakel jedenfalls zu wünschen. Es steht zu befürchten, dass er es auch brauchen wird. Denn dass sowohl die durch seine Initiative aufgeschreckten Kammerpfründner als auch eifersüchtige Konkurrenten ihm jeden auffindbaren Prügel vor die Füße werfen werden, um die gewohnte und gewünschte Friedhofsruhe wiederherzustellen, ist jedem klar, der die beeindruckende Bosheit des gemeinen Ostaustriaken kennt.

Also, wenn´s das nächste Mal zwickt: Auf zur Tankstelle in der Wiener Krottenbachstraße!


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