14. Mai 2014

Russland Abkehr vom US-Dollar

Die Finanzwirtschaft ist bereit

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Seit geraumer Zeit forciert die russische Regierung eine radikale monetäre Wende. Schon bereits vor Beginn des Konflikts in der Ukraine schossen immer wieder Gerüchte und Andeutungen ins Kraut, nach denen die BRICS-Staaten und vor allem die Mitgliedsländer der Eurasischen Union und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, allen voran China und Russland, eine Abkopplung vom US-Dollar vorbereiten würden.

Ernst genommen wurden sie kaum. Ohne die Bindung an den US-Dollar würde diesen Staaten ein ganz ähnliches Schicksal drohen wie Venezuela und Nordkorea drohen. Eine Abkehr würde zu exorbitanten Inflationsraten und  einer tiefgreifenden Rezession führen. So zumindest wollten es die westlichen „Experten“ stets glauben machen.

Doch Wladimir Putin hört schon lange nicht mehr auf die Ratschläge aus dem Abendland. Seine Pläne, dem Dollar abzuschwören, werden von Tag zu Tag konkreter. Wie die staatliche Nachrichtenagentur „Stimme Russlands“ berichtet, hatte Russlands Finanzminister Anton Germanowitsch Siluanow bereits am 24. April 2014 zu einem geheim gehaltenen Treffen eingeladen. Vertreter der Energie- und Finanzwirtschaft sowie Regierungsbeamte diskutierten dort, wie die Bedeutung des US-Dollars für russische Exporte konkret verringert werden könnte. Später ließen Regierungsvertreter das allgemeine Stimmungsbild durchsickern. Danach sei zumindest der „Bankensektor bereit, eine hohe Zahl von in Rubel notierten Transaktionen zu handhaben.“ Wie es heißt, erachten die Konferenzteilnehmer diesen Schritt als eine wichtige Maßnahme gegen die laufenden Wirtschaftssanktionen der USA.

Eine anschließende Diskussionsrunde wurde von Alexey Moiseev, dem stellvertretenden Finanzminister Russlands, geleitet. Gegenüber dem staatlichen Nachrichtensender Rossija 24 stellte er später unmissverständlich fest: „Die Menge der in Rubel dotierten Kontrakte wird erhöht.“ Die Finanzindustrie sehe hier keinerlei operativen Schwierigkeiten. Im Fernsehinterview skizzierte Moiseev zudem den exekutiven Weg. Mittels eines bereits bestehenden Währungsänderungsgesetzes halte die Regierung unter Wladimir Putin bereits alle notendigen rechtlichen Werkzeuge in Händen, um russischen Unternehmen die Menge der in Rubel gehandelten Waren vorschreiben zu können. Ob diese Quote jedoch eines Tages gar 100 Prozent betragen werde, ließ Moiseev offen: „Es ist eine extreme Option. Ich kann momentan nicht sagen, ob die Regierung so weit gehen würde.“

Denkbar ist diese Option jedoch allemal. Im Fall des Falles stünden zumindest China und der Iran beiseite. Am 20. Mai wird Wladimir Putin zu Verhandlungsgesprächen in Peking erwartet. Unmöglich erscheint es angesichts der neuesten Entwicklungen nicht, dass russische Rohstoffe danach gegen Rubel die Grenze passieren werden. 


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