24. April 2014

Rundfunk ORF fest in sozialistischer Hand

Erhellend und deprimierend zugleich

Wer den österreichischen Staatsfunk als Informationsquelle nutzt, braucht starke Nerven. Das gilt jedenfalls für diejenigen, die dem ständig schrumpfenden Kreis von Zeitgenossen angehören, die produktiv tätig sind, nicht von Steuern leben und eine Bilanz lesen können. Der ständig zunehmende Linksdrall des Staatsmediums zeigt sich insbesondere dann, wenn es um Wirtschaftsthemen geht. Völlige Ahnungslosigkeit bezüglich der Funktion von Märkten und deren Gesetzmäßigkeiten paart sich hier mit radikal etatistischen Phantasien hinsichtlich einer möglichst lückenlos zentral zu planenden Kommandowirtschaft. Sollten externe „Experten“ zu Wort kommen, dann handelt es sich ausschließlich um Linke. Daran, jemals einen liberalen Ökonomen vor der Kamera oder einem Mikrophon des ORF erlebt zu haben, kann der Autor dieser Zeilen sich jedenfalls nicht erinnern.

Ein wahres Kleinod stellte das am 23.04. im „Bildungssender“ des ORF, dem Radioprogramm Ö1, ausgestrahlte Mittagsjournal dar. In gleich zwei Beiträgen durften die antikapitalistischen Klassenkämpfer ihr (gottlob kleines) Klientel anagitieren. In einem davon ging es um die bekanntermaßen ruchlose Pharmaindustrie, die – welch eine bodenlos entmenschte Gemeinheit – doch tatsächlich auf Profite aus ist! Hart am Rande des Tränenausbruchs entlang wurde der Umstand bejammert, dass Pharmaunternehmen es gemeinhin vorziehen, ihre Forschung und Produktion auf gewinnträchtige Produkte zu konzentrieren, anstatt sich um Randindikationen zu kümmern, mit denen nichts zu verdienen ist. Ein Skandal, der dringend abgestellt werden sollte – am besten wohl durch staatliche Kommissare, die den Herstellern die gewünschte Verwendung ihrer Forschungsetats verbindlich vorschreiben. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder Unternehmer sein Betriebsvermögen so einsetzen wollte, wie es ihm am vernünftigsten erscheint? Wo doch jeder weiß, dass Politiker, Beamte und ORF-Redakteure die wahren Fachleute sind, wenn es um betriebswirtschaftlich zweckmäßige Entscheidungen geht.

Doch halt – hier geht es ja gar nicht um Betriebswirtschaft (eine jedem fortschrittlichen Bessermenschen zu Recht suspekte Disziplin!), sondern um das Gemeinwohl! Schließlich hat doch jeder Patient, so der Originalton im Radio, „... ein Recht auf die von ihm benötigte Medizin“ – koste es andere, was es wolle. Unausgesprochenes Fazit: Pharmabetriebe verstaatlichen (wie es schließlich auch Sahra Wagenknecht vorschwebt – und eine gestandene Kommunistin kann ja gar nicht falsch liegen).

Im zweiten Beitrag ging es um die Textilindustrie in Bangladesch. Selbstverständlich werden die für sie tätigen Menschen („80 Prozent Frauen“) „nicht gerecht entlohnt“. Klar – wer, wenn nicht Radioreporter, wäre dazu berufen, Löhne als „gerecht“ oder „ungerecht“ einzustufen? Dass unersättliche westliche Plutokraten ihre Produktion in Länder wie Bangladesch auslagern, hat ja ausschließlich mit der ihnen eigenen „Profitgier“ zu tun und selbstverständlich nicht etwa mit der Nachfrage westlicher Konsumenten nach billigen Kleidungsstücken. Dass – trotz jahrzehntelanger Stagnation der Nettolöhne in den (einstigen) Industrienationen – dort auch „sozial Schwache“ noch immer nicht nackt durch die Straßen schleichen, ist zu einem Teil dem Umstand zu verdanken, dass heute – der viel geschmähten Globalisierung sei Dank – billige Waren aus Schwellenländern geliefert werden. Dafür, dies und die Tatsache zu begreifen, dass westliche Investitionen in diesen Ländern auch dort das Wohlstandsniveau langfristig heben werden, reicht das Hirn der ORFler offensichtlich nicht aus. Oder aber sie betreiben (was wahrscheinlicher ist) bewusste Desinformation mit dem Ziel einer weiteren Diskreditierung jeder Form freier (nicht nur unternehmerischer) Entscheidungen. Wes´ Brot ich ess´, des´ Lied ich sing...

Es ist erhellend und deprimierend zugleich – etwa am Beispiel von ORF-Redakteuren –, zu beobachten, wie sehr der lebenslängliche Aufenthalt in geschützten Werkstätten die Fähigkeit, klar zu denken, vernebelt oder völlig zerstört. Dass man den eigenen ökonomischen Unverstand nicht nur nicht bedauert, sondern sogar noch im Brustton der moralischen Überlegenheit öffentlich zur Schau stellt, fügt der Peinlichkeit noch die Chuzpe hinzu...


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