08. April 2014

Pirinçci und die ÖRs Schmerzhaftes Wahrheits-Bingo für Zwangsabgaben-Verbrenner

Drei kleine Zitate zum Aufwachen

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Wer nach dem wahren Grund der U-Bahn-schlägerhaften Aufregung sucht, mit der überbezahlte veröffentlicht-unrechtliche Lippenbeweger und intellektuell Ausatmende Herrn Pirinçci derzeit so zärtlich bearbeiten, sollte, statt sich nur über den Buchtitel aufzuregen, vielleicht doch mal einen Blick in den Text werfen. Dann wird nämlich auf einen Schlag klar, warum zum Beispiel die Redaktion extra3 auf der Website des Norddeutschen Rundfunks (NDR) ein „Bullshit-Bingo für Rechtspopulisten“ online stellte, das in seinem verzweifelten Bemühen, sogar schon  völlig unverdächtige Begriffe wie „Mainstream-Medien“, „Staatsfernsehen“, „Tugendterror“ oder „Zwangsgebühren“ (!)  zum Ausweis brauner Gesinnung (!!!)  zu stempeln, zweifellos den höchsten Gipfel der Selbstentblößung erklomm. Drei kleine Auszüge aus „Deutschland von Sinnen“ (aus dem Kapitel „Mit dem Arschloch sieht man besser“), die mit traumwandlerischer Sicherheit ins Schwarze der acht Milliarden schweren Mittelmaßmisere treffen, mögen genügen.

Nummer eins: „Mit rund acht Milliarden Einnahmen ohne Risiko, ohne Konkurrenz (der man sich ja wegen der ‚Bestandsgarantie‘ nicht zu stellen braucht und die in diesem Zusammenhang ein künstlicher Begriff bleibt), ohne Rechenschaftsverpflichtung vor Aktionären, ohne frei einsehbaren Geschäftsbericht und ohne wirkliche Legitimation der eigenen Existenz ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk der größte (Pseudo-) Medienkonzern der Welt. Nicht einmal Hollywood, also die gesamte amerikanische Film- und TV-Industrie inklusive aller dortigen Radiosender haben weder eine solche Summe an Gewinn noch an Umsatz. ‚Die Traumfabrik‘ freut sich über zirka sieben Milliarden ehrlich verdiente Dollar. Allerdings ist Hollywood eine derart beliebte Marke, dass sie sogar der Buschmensch im brasilianischen Urwald kennt. Selbst ihre 60 Jahre alten Produkte spuken heute noch in den Köpfen junger Menschen herum, und ihre kulturellen Impulse und Trends prägen den gesamten Planeten. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen dagegen wird schon nicht einmal mehr in Holland geguckt. Erkennen Sie die Diskrepanz? Und wird Ihnen allmählich bewusst, was mit einer so astronomisch hohen Summe wirklich talentierte Menschen anzustellen vermögen?“

Nummer zwei: „Zu diesem Irrsinn, der nur in diesem Lande eine derartige Ausprägung erfährt, gesellt sich weiterer Irrsinn dazu. Wie überall auf der Welt sind die meisten Journalisten und Medienleute auch hierzulande gegenwärtig akut von Arbeitslosigkeit bedroht beziehungsweise bereits arbeitslos geworden. Das Internet und die daraus resultierende Umsonst-Mentalität des Medienkonsumenten, überhaupt die Umstellung der Informations- und Kulturpräsentation von mächtigen Medienhäusern weg und hin zur digitalen Vernetzung, gräbt allen das Wasser ab. Redaktionen werden auf ein Drittel ihres Bestands rasiert, wenn nicht komplett aufgelöst, Schauspieler verdingen sich für einen Hungerlohn, und Musiker verdienen sich ihre Brötchen fast zur Gänze mit Live-Auftritten, weil gute Musik in reproduzierter Form inzwischen gratis zu bekommen ist.“

Und nun eine ganz entscheidende Stelle, ein Weckruf förmlich, bei dem man sich wirklich fragen muss, warum er nicht schon längst wie ein Donnerknall durch Deutschland ging: „Aber in all der Misere gibt es keinen Einzigen, der aufsteht und den Wutschrei ausstößt: ‚Wieso ist eigentlich unsere Existenz dem wirtschaftlichen Wettbewerb und den revolutionären Umbrüchen in der medialen Welt ausgesetzt, so dass wir auf eigene Kappe jeden Tag aufs neue hart um unser Brot kämpfen müssen, während ihr, vom Staatsfunk pattexfest angestellt, schön lauwarm mit Managergehältern zugeschissen werdet, nur weil ihr euch landgrafmäßig auf eine vergilbte Urkunde aus Hans-Albers-Zeiten beruft?! Seid ihr etwas Besseres als wir? Seid ihr vielleicht talentierter oder journalistisch wortgewaltiger und unbestechlicher oder ideenreicher oder in irgendeiner Weise herausragender, ja genialer als wir, he? Verhält es sich nicht eher so, dass die im letzten Satz genannten Attribute auf den einen oder anderen in unserer Branche tatsächlich zutreffen mögen, aber bestimmt nicht auf euch Pfeifen und Opa-und-Oma-Beriesler? Tut uns einen Gefallen, spart euch die Show vom geschäftigen Fernseh- oder Radio-Mann(-Frau), schiebt einfach ein Video wie ‚Ich denke oft an Piroschka‘ mit Liselotte Pulver oder von Willy Brandts Kniefall in Warschau in den Rekorder und geht nach Hause eure Eier baumeln lassen! Euer verkalktes Publikum merkt den Unterschied zu dem, was ihr aktuell fabriziert, eh nicht!“

Nummer drei, und wieder ein Volltreffer, der die Abneigung öffentlich-redseliger Götterdarsteller gegenüber Herrn Pirinçci ganz gut erklärt, glaube ich: „Auch das Argument, in Deutschland sei für Film und Fernsehen nun einmal nicht soviel Geld vorhanden wie in den USA, klingt, wie den bereits von mir aufgezeigten Investitionsvolumina zu entnehmen ist, mehr als lächerlich. Die ÖR und die Filmförderung bringen es zusammen auf etwa 14 Milliarden Euro. Ein ‚Avatar‘, dessen Produktionskosten mehr als 250 Millionen Dollar betragen haben sollen, könnte bei der Menge an Holz zehnmal im Jahr gedreht werden, und trotzdem bliebe noch genug für alles andere übrig.“

Kein Wunder, dass sie so hart auf ihn eindreschen. Hat er ihnen doch auch noch die letzte Illusion geraubt.


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