02. April 2014

„Russland-Basher“ Augen auf und den eigenen Müll raustragen!

Eine Erwiderung auf Günter Ederer

Dossierbild

Was passiert, wenn naive (oder bewusste?) Geschichtsvergessenheit, extreme politische Voreingenommenheit für das eigene „Team“, das sogenannte „Wir“, das Ignorieren schwerer Verbrechen der eigenen Regierungen und ein großes Unverständnis der Konsequenzen und absehbaren Folgen des eigenen Geldsystems, ein „typisch deutscher“ Glaube an die moralische Überlegenheit der eigenen Eliten, bekannt als „Obrigkeitshörigkeit“, extrem selektives Herumreiten auf den Fehlern anderer unter Ausblendung eigener, zusammentreffen? Wenn hysterische (oder gezielt lancierte?) Feindbild-Projektionen überhand nehmen und politische Selbstreflexionen verhindern? Das ließ sich unlängst in einem Artikel Günter Ederers nachlesen, zuerst erschienen auf dem Blog Achse des Guten und dann hier bei ef-online („Russland – der arme Herr Putin“).

Nicht alles, was Ederer in seiner sehr oberflächlichen Tirade gegen Moskau anführte, war falsch. Im Gegenteil, ich teile seine Abneigung gegen Machtpsychotiker wie Putin – nur verliere ich dabei, im Gegensatz zu ihm, die krassen, dringend behandlungsbedürftigen Dachschäden der vermeintlich besseren Herrscher westlicher Gefilde nicht aus den Augen. Auch ich werde skeptisch, wenn gewisse „Stars“ der alternativen Medienszene neuerdings gerade so tun, als hätte es die zahlreichen Verbrechen unter Putins Führung nie gegeben; als läge er nicht mit üblen Oligarchen im Bett, die nur aufgrund ihrer Positionen in der sowjetischen Politik oder der staatlichen Terrororganisation KGB Öl- und Gasmilliardäre wurden, den Rohstoffkuchen schön unter sich aufteilten (übrigens mit großer Unterstützung westlicher Oligarchen und Plutokraten) und Konkurrenten nicht nur finanziell ruinierten (auch das kennt man übrigens aus dem Westen), sondern manchmal auch gleich physisch; als hätten dort neugierige Journalisten noch nie unheimliche Begegnungen mit Gemüse gehabt – darf ich vorstellen: kritischer Journalist, Radieschen, Radieschen, kritischer Journalist –, und als wäre der russische Machthaber nun der große „Friedensfürst“, der von manchen besonders Verwirrten sogar schon allen Ernstes für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wurde. Andererseits: Wenn ein notorischer Lügner und Kriegsverbrecher wie Obama ihn heute immer noch tragen darf, wenn einer der gefährlichsten und skrupellosesten Strippenzieher der „Neuen Weltordnung“, Henry Kissinger, ebenfalls Kriegsverbrecher, ihn verliehen bekommt – warum dann nicht auch ein Wladimir Putin, Präsident eines Landes, das direkt nach den USA zu den größten Waffenexporteuren der Welt gehört?  Geht schon in Ordnung. Wenn schon, denn schon. Natürlich hat Ederer recht, wenn er extrem einseitige Stimmungsmache gegen den Westen beklagt, die der extrem einseitigen Propaganda der Mainsumpf-Groschenblättchen gen Osten mittlerweile in nichts mehr nachsteht: Alles ist der Westen schuld, der Kreml wehrt sich doch nur. Schepperndes Kinderspielzeug.

Das Problem seiner gesamten Argumentation liegt woanders. Wer das jedem Gewaltmonopol inhärente, latente Böse nicht erkennt, wer erfolgreich indoktriniert, kopfgewaschen und darauf konditioniert wurde, sich mit „seinem“ Staat zu identifizieren, dem bleibt natürlich nichts anderes übrig, als von einer aus feinstem Staatsholz geschnitzten gedanklichen Krücke auf die andere zu trippeln, der muss irgendwie versuchen, Entschuldigungen, Rechtfertigungen und Erklärungen für das Handeln der eigenen oder „befreundeter“ Regierungen zu finden, sei es auch noch so schäbig – mit erwartbar verquasten, inkonsequenten bis verlogenen, manchmal auch erheiternd verworrenen und leicht zu widerlegenden Folgen. Vielleicht ist das der Grund, warum Ederer, was bleibt ihm angesichts der von US-Regierungen unter Beihilfe treuer Bündnispartner (darunter auch Deutschland) verübten Kriegsverbrechen bis hin zum Massenmord auch anderes übrig, verzweifelt die bis auf die Dicke einer Kugelschreibermine abgenutzte, unsägliche Antiamerikanismus-Keule gleich mehrfach schwingt, von der sich glücklicherweise immer weniger Menschen noch bewusstlos schlagen und kritisches Denken verbieten lassen. Was soll er auch sonst tun, als die längst evidenten und auch nachgewiesenen Manipulationen und Lügen inklusive der ebenfalls hieb- und stichfest bewiesenen Verflechtungen und Beziehungen einiger „führender“ Journalisten Deutschlands zu einschlägig bekannten Organisationen der „Atlantikbrücke“ einfach zu leugnen: „Bezeichnend für die Talkshowmisere: Die früheren Korrespondenten werden geholt, Gerd Ruge zum Beispiel oder Gabriele Krone-Schmalz. Sie übernahmen die Rolle der Russland-Versteher. Aber sie entblödeten sich nicht, auch bei der Journalistenschelte mitzumachen, dass wir schlecht und einseitig informiert würden, die deutsche Presse mehr oder weniger antirussische Propaganda verbreitet.“

Sowas aber auch! Glaubt irgendjemand ernsthaft, Journalisten, die zum Beispiel Mitglieder der vom knallharten Technokraten und Geo-Schachspieler Zbigniew Brzeziński sowie David Rockefeller gegründeten Trilateralen Kommission sind, des Aspen-Instituts, der Bilderberger oder sonst irgendeiner machtelitären Propagandatruppe, betrieben hin und wieder vielleicht auch Meinungsbildung in deren Interesse? Das ist ja lächerlich. Sowas gibt‘s nur im stockfinsteren Russland, dem eurasischen Mordor! – möchten Osterhase, Weihnachts- und Klabautermann, Schneewittchen und die sieben Zwerge, Mainzelmännchen und Teletubbies, Hui Buh und andere Ikonen der Glaubwürdigkeit ihren Mitmenschen weismachen. Übrigens: Brzeziński schrieb schon in seinem 1998 erschienenen Buch „Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ ausführlich, was mit Ländern wie der Ukraine zu tun sei. Vielleicht sollten die übereifrigen „Russland-Basher“ sich das Werk nochmal vornehmen – sie könnten in großes Staunen geraten. In diesem Zusammenhang möchte ich außerdem auch nochmal auf das äußerst interessante Kapitel „Kissinger, Putin und der KGB“ in Oliver Janichs Buch „Die Vereinigten Staaten von Europa“ hinweisen. Da tun sich ganz erstaunliche Interpretationsmöglichkeiten auf ...

Der größte Hohn ist, dass ausgerechnet Ederer, der vor den in jüngerer Vergangenheit verübten Verbrechen westlicher Regierungen auffällig still bleibt, „den Deutschen“ – wie erst wenige Tage zuvor Hans-Ulrich Gumbrecht in der „FAZ“ – eine Obrigkeitshörigkeit, Autoritätsliebe und Affinität zu Meinungsmorast zuschreibt, die er selber an den Tag legt, indem er mit den üblichen faulen Ausreden und faden Relativierungen („Ja gut, auch der Westen hat Fehler gemacht ...“) „seinen“ außenpolitisch hochkriminell agierenden Staat artig in Schutz nimmt, von der Finanzbetrüger- und Mörderbande in Washington ganz zu schweigen.

Ich bin trotz aller – ja, nicht nur schlechten und einseitigen, sondern schlicht skandalösen und ekelhaften, unethischen und unmenschlichen Medienhetze der vergangenen Wochen immer wieder sprach- und fassungslos, wenn von einer korporatistischen Meute durch die Jahrzehnte begangene Verbrechen beschönigt, verharmlost und relativiert werden. Ederer: „In meinen Jahrzehnten als Fernsehkorrespondent habe ich eines gelernt: Der ‚Wirtschaft‘ sind die Menschenrechte ziemlich egal. Sie will Ruhe und Ordnung. Sie will Geschäfte machen, Geld verdienen. Früher mit den Sowjets, mit den Faschisten in Spanien, den Generälen in Lateinamerika, den Militärdiktaturen in Südkorea und Taiwan – und heute in Nordkorea oder Kambodscha. So ist für die in den Talkshows aufgetretenen Wirtschaftsvertreter die Annexion der Krim kein Völkerrechtsbruch – es ist die Heimholung ins Reich.“ Da Sie ja so gerne mit der Antiamerikanismus-Keule hantieren, Herr Ederer: Würde es Sie sehr stören, wenn ich Sie für solche Äußerungen ebenso pauschal als typischen „Wirtschaftsfeind“ und Staatsjünger bezeichne?

Denn was Herr Ederer  trotz einiger Jahrzehnte als Fernsehkorrespondent offensichtlich leider noch immer nicht gelernt hat: Menschenrechte sind auch so manchem von ihm glorifizierten westlichen Staat herzlich egal. Es ist dem unersättlichen Machtmonster aus militärisch-industriellem und politisch-medialem Komplex und der dahinterstehenden Hochfinanz, der Politik der patentiert und porentief Guten in der Tat egal, wen sie fördern, finanziell unterstützen und bewaffnen, damals wie heute, um für Chaos und Leid zu sorgen. Egal ob Trotzki oder Hitler, egal ob Saddam Hussein, Kissinger-Liebling Pinochet oder Schah von Persien, egal, dass die CIA Regimegegner Gaddafis an seine Folterknechte auslieferte – man hilft gerne, solange es den geopolitischen und -strategischen Interessen dient und der Ausweitung des Ponzisklaven-Imperiums nützt.

Erst wenn ein dank geheimdienstlicher Umtriebigkeit ins Amt geputschter oder zumindest über Jahrzehnte gehätschelter und sehenden Auges geduldeter Despot eigene Wege gehen will, wenn er beispielsweise – um des lieben Lügenimperiums willen! – ein gedecktes (mein Gott, gedecktes!) Geld einzuführen beabsichtigt oder mit der vom staatlichen Gewaltmonopol durchgesetzten und militärisch geschützten Zwangsleitwährung nicht mehr handeln will, befreit man das von ihm stramm durchregierte Land, indem man die dortige Bevölkerung totbombt, die Infrastruktur zerstört, strahlende Munitionsabfälle hinterlässt, zahllosen Kindern die Eltern aus der Hand ballert und ihre Zukunft nachhaltig zerstört. Mann, sind westliche Regierungen schweinegut! Die sind sogar so gut, dass sie manchmal auch extremistische Grüppchen auf die eigene Bevölkerung loslassen, um hinterher schnell die Akten über ihre Beteiligung an den Untaten zu schreddern. Die sind so kinderpornographisch gut, die Bevölkerung nach Herzenslust zu bestehlen und den Zaster an Bankster weiterzureichen. Die sind so gut, den von den Vorläufergenerationen mühsam erarbeiteten Wohlstand im Interesse „Europas“ (genauer: der EU-Bürokratie und ihres Allmachtwahns) aufs Spiel zu setzen, die Grundlagen für Freiheit und friedliches Kooperieren zu riskieren. Ein Hoch auf den Rechtsstaat, denn nur er kann Recht gewährleisten. Ihm sind Menschenrechte wahnsinnig wichtig – nur der „Wirtschaft“ oder ihren Vertretern nicht. Warum haben Sie Wirtschaft überhaupt in Anführungszeichen gesetzt? Waren Sie sich noch unschlüssig, ob Sie Lesern solch ein halbgares Zeug wirklich vorsetzen sollten?

Aber das alles scheint wackere Kämpfer für‘s Edle, Wahre, Schöne und Gute wohl eher nicht zu interessieren. Erst wenn ein russischer Präsident Fehler macht, springt die Nadel des moralischen Kompasses der „Anständigen“ aus der Fassung, der hinsichtlich des eigenen Staates Stockblinden, der Moralapostel und Schreihälse, der großen „Experten“ und Angriffskriegs-Versteher, denen es scheißegal zu sein scheint, wenn die eigene, „gute“ Regierung sich an Schutzmissionen für den internationalen Drogenhandel beteiligt, aus dessen Erlösen wieder andere Diktatoren gesponsert oder Terrorgruppen mit reichlich Waffen versorgt werden. Daran scheint sich von der Iran-Kontra-Affäre über den Hindukusch-Skandal bis hin zu den sogar schon im US-Kongress recht lebhaft diskutierten amerikanischen Geldspritzen für „Freiheitskämpfer“ in Syrien, die Frauen und Kindern die Köpfe abschneiden, nicht viel geändert zu haben.

Ederer: „Es ist schon erstaunlich, was die Verteidiger Putins alles übersehen. Die vermummten Bewaffneten auf der Krim ohne Hoheitsabzeichen, die die Sympathisanten für einen Verbleib der Halbinsel bei der Ukraine einschüchterten, sind für sie kein Thema. Sie nehmen Putin offensichtlich ab, als dieser anmerkte, er wisse nicht, wer das ist, denn solche Uniformen könne man in jedem Laden kaufen. Es störte sie nicht, dass der selbsternannte Befreier der Krim Sergei Axjonow, ein Waffenhändler mit Mafia-Verbindungen ist. Es stört sie nicht, dass die Abstimmung ohne unabhängige Wahlbeobachter der OSZE abgehalten wurde und zwar auf Anweisungen aus Moskau. Dies alles zu übersehen ist entweder dumm oder gefährlich. Und was qualifiziert den alternden funktionslosen Eppler dazu, so prominent über diesen die Welt verändernden Überfall Russlands aufzutreten?“

Aber Herr Ederer, das ist doch noch gar nichts. Es gibt ja auch Leute, die es nicht stört, wenn es starke Indizien dafür gibt, dass ein späterer amerikanischer Präsident (!), George H.W. Bush, während seiner Zeit als CIA-Chef nicht nur an der Ermordung John F. Kennedys beteiligt war und viele Jahre später möglicherweise auch am Attentat auf Ronald Reagan, sondern beste Verbindungen zu in Südamerika ansässigen Altnazis hatte (!). Es stört sie nicht, dass nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur die Sowjets deutsche Nazi-Wissenschaftler abgriffen, sondern Tausende von Nazis, darunter einige Massenmörder, nach Amerika gewuppt wurden und dort ganz unbelangt weiterwurschteln durften. Es stört sie nicht, dass es innigste Mafia-Verbindungen auch bei ranghohen US-Politikern gibt und brandgefährliche Kriegstreiber wie John „Insane“ McCain zufällig auf der Gehaltsliste großer Rüstungsfirmen stehen. Es verärgert sie nicht, wenn das blitzsaubere Washington per Drohne aus der Luft dabei zuschaut, wie ein als Diplomat getarnter Waffenhändler in Bengasi von einem Rudel wildgewordener Fanatiker auseinandergenommen wird. Puh, ein Mitwisser weniger! Sie nehmen einem John Kerry offensichtlich auch noch die dummdreisteste Lüge über „unleugbare“ Beweise für die Täterschaft bei Giftgasangriffen ab. Es ist ihnen egal, dass ein Azenjuk ein Büttel der anglo-amerikanischen Hochfinanz ist, der die Ukraine unter IWF-Diktat stellen soll, damit man sie leichter auslutschen kann. Es stört sie sogar nicht, wenn schon das naturwissenschaftliche Grundwissen der Unterstufe genügt, um die offizielle Erklärung, oder besser Verschwörungstheorie zum 11. September als groteskes, absurdes, idiotisches Zeug zu entlarven. Mit Physik und Naturgesetzen haben sie‘s nicht so,  das ist ihnen zu krude. Das alles und noch viel mehr zu übersehen, ist entweder dumm oder gefährlich. Was qualifiziert Günter Ederer dazu, besonders diese Operation unter falscher Flagge, die die Welt sehr viel gründlicher umgestaltete als die Besetzung einer Halbinsel, so leichtfüßig zu übergehen? Aufgrund welcher Qualifikation bemühen sich so viele selbsternannte, schrille Tugendwächter der Nation so sehr darum, den Eindruck zu erwecken, sämtliche Völkerrechtsverstöße seit Ende des Zweiten Weltkriegs gingen nur auf das Konto Moskaus?

Sie stören sich nicht daran, wenn Putsche und „farbige Revolutionen“ in anderen Ländern finanziert und organisiert und willfährige Marionetten Washingtons an die Spitze der Regierung gepflanzt werden – eine durchaus originelle Form der Annexion, könnte man sagen –, sondern krakeelen erst dann, wenn Moskau das tut; es kümmert sie nicht, wenn das herzensgute Washington einen aufstrebenden Diktator nach dem anderen beim Umsturz der amtierenden Regierung seines Heimatlandes tatkräftig unterstützt. Es ist für sie nicht von Belang, wenn die über jeden Zweifel Erhabenen Atombomben über japanischen Großstädten voller Zivilisten abwerfen oder hochgiftige Entlaubungsmittel über Dschungeln abwerfen, was zu Tausenden von Fehlgeburten führt. Das wird dann schnell weg-„rationalisiert“, das waren eben Kollateralschäden der „Guten“.

Es kratzt sie nicht, dass ein Vorfall wie derjenige im Golf von Tonkin ebenso erstunken und erlogen war wie der vermeintliche „Überraschungs“-Angriff auf Pearl Harbor, das rührende Brutkastenmärchen als Vorwand für den ersten Irakkrieg oder die Al-Qaida-Verbindungen Bagdads für den nächsten. Was juckt es diese bestens informierten Kenner der Weltgeschichte und -politik, dass sämtliche Kriege seit 2001, ohne jede Ausnahme, auf schwerkriminellen Lügen beruhten, dass es sich um Angriffskriege handelte? Was kümmert es sie, dass deutsche Steuerzahler Flüchtlingsströme doch bitte herzlich empfangen sollen, die von größenwahnsinnigen Weltreichsträumern jenseits des Atlantiks verursacht wurden? Ihre heißen völkerrechtlichen Krokodilstränchen sammeln sich stets nur im Wolgabecken. Moralische und rechtliche Standards in der internationalen Politik gelten nur für andere, insbesondere den Kreml, denn nur dort stinken politische Fürze, in heimischen Gefilden duften sie nach Erdbeer-Vanille-Milchshakes. Naja gut, auch westliche Regierungen haben, hihi, ein paar Fehlerchen gemacht. What the ... !?

„Zwei politische Randgruppen haben sich zum Beispiel gegen wirtschaftliche Sanktionen ausgesprochen: Die Linke und die AfD, die Alternative für Deutschland, die damit deutlich gemacht haben, dass sie für Wähler, die für die westlichen Werte von Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung einstehen, keine Alternative sind. Auf der einen Seite sehen sie in wirtschaftlichen Sanktionen Eingriffe in den freien Handel, auf der anderen Seite stimmen sie gegen ein Freihandelsabkommen mit den USA“, so Ederer.

Ich hätte dazu nur noch einige kurze Fragen: Von welcher Demokratie sprechen Sie? Meinen Sie diese lustige Veranstaltung, wo Wähler sich alle vier Jahre zwischen verschiedenen Wunschkandidaten der Bankster-Mobster entscheiden dürfen? Oder meinen Sie die Scheindemokratie in Washington, die schon seit vielen Jahrzehnten tief in der Brieftasche der Wall Street steckt? Den vom Goldman-Sachs-Vorstand demokratisch gewählten Obama? Haben Sie auf den Straßen Brüssels irgendwann mal eine milde Gabe in den Pappbecher der heimatlos umherirrenden alten Dame namens Demokratie geworfen? Scheint aber nicht viel geholfen zu haben, sie kam bislang trotzdem nicht wieder zu Kräften. Und was meinen Sie bitte mit „Freihandels“-Abkommen? Wo? Meinen Sie dieses nicht umsonst hinter verschlossenen Türen im Geheimen ausgeheckte Machwerk, das mit Freihandel so viel zu tun hat wie eine Zwangsjacke mit legerer Freizeitbekleidung? Und lassen Sie mich raten: Wall-Street-Insider stoßen derzeit deshalb so viele Papiere ab, weil sie unter Gedankenkontrolle telepathischer Attentäter aus Russland stehen, stimmt‘s? Glauben Sie, dass die nach den Sanktionen gegen Russland durchaus möglichen massenhaften Abstoßungen des Dollar am kerngesunden Finanzsystem des astknorken Westens spurlos vorübergingen? Kamen Sie schon einmal auf die Idee, dass der ganze Konflikt um die Ukraine den Herrschaften der Hochfinanz womöglich sogar sehr gelegen kommt? Es wäre doch nicht das erste Mal, dass man sich solcher Entwicklungen (oder Inszenierungen?)  bedient, um sich leichter entschulden zu können. Könnte es nicht gefährlich sein, diese real existierende Möglichkeit zu übersehen? Sollte man vor diesem Hintergrund wirklich hitzköpfig nach Sanktionen schreien und damit diesen Irren womöglich auch noch in die Hände spielen? Na, dann wünsche ich Ihnen viel Glück. Sie haben ja recht, noch gibt es bei uns Selbstbestimmung und viele Freiheiten. Die Frage ist nur, ob wir sie erhalten können, wenn wir ihren steten Abbau durch die heimische Politik mit Feigenblättchen in den russischen Landesfarben zudecken.

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Günter Ederer, „Russland – der arme Herr Putin“


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