28. März 2014

Energiewende Das Ende der deutschen Chemie

Auch teure Subventionen helfen nicht mehr

Die Deindustrialisierung Deutschlands durch die Energiewende ist bald nicht mehr aufzuhalten. Was auf den ersten Blick wie Schwarzseherei erscheint ist durchaus eine ernste Gefahr. Denn die Bedeutung preiswerter Energie für die Struktur einer Volkswirtschaft wird meist unterschätzt. Wenn Medien gelegentlich über die industrielle Renaissance Amerikas berichten, schreiben sie diesen Erfolg Obamas Wirtschaftspolitik zu. Übersehen wird dabei, dass es der Kurssturz des Erdgaspreises ist, der Energie in den USA heute so billig macht, dass Industrieunternehmen ihre Produktion aus Niedriglohnländern in die teuren und überregulierten Vereinigten Staaten verlegen können. Der Verfall des Erdgaspreises geht, nebenbei bemerkt, auf die Schiefergasförderung („Fracking”) zurück, eine Technik, die in Europa derzeit noch verpönt ist.

Rechnet man dann auch noch die Kosten der Energiewende ein, ist es kein Wunder, dass Energie in Europa doppelt so teuer ist wie in den USA. Und es überrascht auch nicht, dass gerade energieintensive Unternehmen verstärkt in den Staaten investieren. Die Chemieindustrie plant, gigantische Summen in den Bau neuer Fabriken zu stecken. Allein der Bau der 48 größten neuen Anlagen benötigt 100 Milliarden Dollar. Kapital, das natürlich nicht vom Staat kommt, sondern von den Unternehmen selbst aufgebracht beziehungsweise von den Finanzmärkten zur Verfügung gestellt wird. BASF-Geschäftsführer Kurt Bock kündigte bereits an, in Zukunft mehr im Ausland zu investieren.

In Deutschland streitet man weiterhin über die Energiewende. Fracking steht gar nicht erst zur Debatte. Kapitalmärkte gelten als Teufelszeug. Doch wenn die chemische Industrie erst einmal abgewandert ist, oder mit der neuen Billigkonkurrenz nicht mithalten kann, dann ist es zu spät, zurück zu rudern. Da helfen dann auch teure Subventionen nicht mehr.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Alternativlos.


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