19. März 2014

ef 141 Editorial

Moderne Bücherverbrenner und ihre willfährigen Helfershelfer

Sehen wir uns am 9. und 10. Mai in München? Zwei hochkarätig besetzte Veranstaltungen des IfAAM-Instituts (siehe Anzeige links auf Seite 3) und des Ludwig-von-Mises-Instituts (siehe Anzeige Seite 11) werben um Ihre Aufmerksamkeit. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit vielen Lesern!

Zu unserem Schwerpunktthema in diesem Monat: Die Meinungsfreiheit ist in Gefahr, ja. Aber wer die Lage verbessern möchte, muss in der Analyse vorsichtig und präzise sein. Zuweilen steckt hinter der vermeintlich bereits fehlenden Meinungsfreiheit nur mangelnde Meinungsmacht für die eigene Position.

Jüngst hat der Buchhandelsriese Amazon zwölf Titel des kleinen rechtskonservativen Antaios-Verlags ohne jeden Kommentar aus seinen Listen gestrichen. Gleich sprechen manche von „bedrohter Meinungsfreiheit“. Andere glauben zudem, dass der „Monopolist“ Amazon nicht mehr als Marktakteur zu verstehen sei. Dabei war Antaios auch nicht der erste Verlag, der in dieser Weise von Amazon zensiert wurde. „Zensiert“ ist tatsächlich das treffende Wort, weil nicht einmal Drittanbieter diese Bücher bei Amazon anbieten dürfen und sie auch antiquarisch wie nicht existierend nicht angezeigt werden. Ein unbequemer Verlag nach dem anderen wird indiziert – Salamitaktik nennt man das wohl.

Wir dürfen uns einmal vorstellen, was im einstigen Land der Dichter und Denker los wäre, wenn ein paar Linksaußen-Verlage auf den Index gesetzt werden würden. Von „Spiegel“ bis zur Tagesschau gäbe es einen Aufschrei, der bis zum Mond schallen würde: „Meinungsfreiheit!“ würden sie einfordern. Und tun es jetzt nicht, wenn es Andersdenkende trifft. Unzählige große Verlage würden im Streiten für diese „Meinungsfreiheit“ dem Unternehmen Amazon ihrerseits mit Boykott drohen.

Damit ist im Falle des kleinen Antaios-Verlags nicht zu rechnen. Hier duckt man sich lieber mal schnell weg („Ich habe immer gute Erfahrungen mit Amazon gemacht!“), damit der Bann einen nicht selbst trifft. „Bestrafe einen, erziehe hundert!“ Maos alte Losung funktioniert immer noch.

Natürlich hat Amazon auch nicht aus freien Stücken zensiert wie es gerade lustig war, sondern wurde von totalitären Gesinnungswächtern dazu genötigt, die Amazon zum Beispiel im „Netz gegen Nazis“ (unterstützt von der Wochenzeitung „Die Zeit“ und dem Deutschen Fußball-Bund) wiederholt an den Pranger stellten, nur weil dort Literatur verkauft wurde, die den modernen Bücherverbrennern missfällt. Der Skandal betrifft also willfährige Helfershelfer wie den DFB und die „Zeit“ weit mehr als irgendeinen Buchhändler und dessen Sortiment (auch wenn das amerikanische Unternehmen Amazon im Mutterland der Meinungsfreiheit ein gänzlich anderes Selbstverständnis zeigt). Es ist der fehlende Aufschrei, der ob solcher wiederholten Reinigungsaktionen ängstigen muss, die Feigheit und Verlogenheit allzu vieler Journalisten und Schriftsteller in Deutschland.

Und doch geht es nicht um Meinungsfreiheit! Zu beklagen ist mangelnder Anstand auf der einen und fehlende Meinungsmacht auf der anderen Seite. Amazon ist ein privates Unternehmen und darf zusammenarbeiten, mit wem es möchte. Und es mag Waren ohne jede Begründung aus dem Programm nehmen. Bei all dem spielt es entgegen einer weit verbreiteten Annahme auch kaum eine Rolle, ob Amazon ein hundertprozentig reiner Marktakteur ist. Das ist es nicht. Entscheidend aber bleibt, dass auch der größte Buchhändler anders als die bleibenden – weil staatlichen – Monopole keinem Annahmezwang unterliegt und also am Markt verwundbar ist.

Amazon wird sich mit einer solchen Firmen-„Politik“ (hier ist das Wort einmal nicht völlig fehl am Platze) selbst schaden. Wer auch immer im seltsam intransparenten Unternehmen entschied, hat offenbar die Marktverhältnisse falsch eingeschätzt, wenn er ein paar linken Radaubrüdern in deren Forderung nach Zensur nachgegeben hat. Man wird am Ende durch derlei politische Säuberungen einiges Porzellan zerschlagen und keinerlei Reputation hinzugewonnen haben. Und dabei wird der Verkaufsriese nicht stehenbleiben können. Die Krakeeler werden immer wieder neue Opfer einfordern. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit, bis Amazons Ruf als jener Buchhändler, der alle Bücher liefert, auch in breiteren Kundenkreisen verlorengegangen ist. Die Geister, auf die man einmal hörte, werden niemals Ruhe geben. Deren unzweifelhaft böse Absicht ist das eine. Aber Ökonomen wissen, dass die Ergebnisse politisch motivierter Markteingriffe am Ende oft in die umgekehrte Richtung zeigen. Der Fluch der bösen Tat ist nicht zuletzt eine philosophische, womöglich auch religiöse Erkenntnis.

Deshalb wird dem kleinen Buchverlag die unsägliche Zensur des Mega-Händlers am Ende nützen. Der Gegendruck macht stark, so wie auch Sarrazin mit jedem Angriff nur immer beliebter wurde. Ja, es ist ungerecht, wenn linke Spinner es einfacher haben. Aber die Geschichte ist keine Einbahnstraße und der Markt, wo er noch frei ist, bietet immer Lösungen. Unternehmer müssen sich solchen Herausforderungen stellen und am Ende daran und damit gewinnen.

In diesem Sinne: Lesen und unterstützen Sie zum Beispiel diese Zeitschrift! Empfehlen Sie uns weiter. Lassen Sie uns gemeinsam, da wo die Welt schlecht ist, eine bessere bauen – nutzen wir dazu den Markt und die Meinungsfreiheit!

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 22. März erscheinenden April-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 141.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von André F. Lichtschlag

Über André F. Lichtschlag

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige