17. März 2014

Wochenwahnwitz Alte, sattsam bekannte und demagogisch gesteigerte Auflage

Das Schreien der Lämmer

Skandal: Adolf Hitler bezeichnete Wladimir Putin als Hillary Clinton. Der Kreml-Chef reagierte empört: „Ich bin doch keine Pussy!“ und forderte zum Riot. Bill Clintons Angetraute nahm die Spitze des Reichskanzlers gelassen und kicherte: „Er wollte sehen, er starb, wir kamen.“ Und geblieben sind sie, um zu kommen, und zwar gewaltig und in den Folgejahrzehnten rund um den Globus immer heftiger. Vor allem seit der durch die Besetzung Brüssels erfolgreich abgeschlossenen Westerweiterung der UdSSR und erst recht der Weltseptember-Revolution im Hochhausbau ist kaum noch jemand vor den machttriebgesteuerten Übergriffen der Guten, Schönen und Gerechten sicher. Wohin man auch schaut, überall geht‘s irgendwie sowjetrussisch zu, wenn man so will. So wollten die grünen Kosovokommissare doch glatt dem Gas-Gerd den Mund verbieten. Es kann daher schon mal vorkommen, das Kompassnadeln den Geist aufgeben: Eine klare Unterscheidung zwischen Ost und West und West und Ost ist kaum noch möglich. Regisseur John Carpenter verwarf deshalb unter Hinweis auf aktuelle geopolitische Entwicklungen seine Pläne für ein Remake seines Films „Sie leben!“ mit der Begründung, daran würde momentan „ja schon weltweit kräftig gedreht“: „Manchmal“, so der Regisseur von trotz ihres Alters politisch immer noch topaktuellen Filmen wie „Die Mächte des Wahnsinns“, „Die Fürsten der Dunkelheit“, „Das Dorf der Verdammten“ oder „Vampire“, eile „das Leben der Kunst weit voraus. Da kann man nicht mehr Schritt halten“. Er denke aber über eine Politsatire nach, auch ein Titel schwebe ihm schon vor, wie er zwinkernd verriet: „Die Klapperschlangen“. Josef Stalin gratulierte derweil Barack Obama zu dessen Golfkünsten. „Hätte ich gewusst“, so der sowjetische Geist im Weißen Haus, „was man mit einer Zentralbank so alles machen kann, hätte ich das damals in der Ukraine genauso gehandhabt“.

Afghanische Opiumlords verurteilten Uli Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Verletzung bestehender Verträge zum Schutz ihrer Anbauflächen. Wenn das so weitergehe und jeder mit seinem Geld machen könne, was er will, argumentierten die Anklagevertreter des deutschen Verteidigungsministeriums, müsse man wohl bald selber ins internationale Drogengeschäft einsteigen, um die Sicherheit der Vertriebswege noch gewährleisten zu können. Auch die Leitung der angedachten Flughafenutopie BER klagt: 27 Millionen habe man zur Fertigstellung eines Toilettenhäuschens gut gebrauchen können. Nebenkläger aus der veröffentlicht-rechtlichen Hochsubventionsbranche der Sprechwindräder-Industrie brachten mit übereinandergeschlagenen Beinen diskussionsökologische Argumente ins Spiel: „27 Millionen – damit kann man eine Menge rhetorisches Leergut recyclen“, so Sibylle Schwallbach-Ballhorn, Leiterin des Wahrheitsbüros. Statt 8027 müsse man sich nun lediglich mit 8000 Millionen Euro pro Jahr zufriedengeben. „Wie wir mit so wenig Geld die zahlreichen technischen Pannen, die zu fatalen Verwechslungen von Kriegsbildern führen, beheben, mühsam verhinderte Recherchen zu Hintergründen, Schlösser für Schwätzer oder die momentan dringend benötigten Legionen kruder Alleinschuldtheoretiker zur möglicherweise bald bevorstehenden dritten Geschichtsklitterung bezahlen sollen, ist mir ein Rätsel.“ Auch aus dem Schatten der Klägerbank moserte es: Steuerhinterziehung sei kein Kavaliersdelikt. Ein Verlust von 27 Millionen könne zu Knappheit in der Portokasse führen, so dass Care-Pakete mit Rettungsringen aus Steuerschokolade für kenternde Billionentanker nicht mehr rechtzeitig abgeschickt werden könnten.

Unterdessen schrien die Lämmer: Wer sich von der Weide stiehlt, darf sich über den Zorn der Metzger nicht wundern. „Wir stääähän schließlich auch immer regungslos da und lassen uns schääähärän“, empörte sich ein Lamm auf die Frage der „VERLÄZ“ („Verbandszeitung der Lämmerzüchter“), warum es so außer sich sei. „Weil immääähär noch das Wir entscheidet“, so das Opfertier. „Eben“, lächelte der Züchterverband, „deshalb können wir ja auch ganz beruhigt sein“.


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