27. Januar 2014

Fassungslos vor so viel Echo Wie der Hund so das Herrchen oder umgekehrt

Wie es in Leser und Zuschauer hineinruft, könnte es irgendwann auch wieder herausschallen

In seiner Kolumne „Fassungslos“ auf dem Portal arcor.de schrieb Johannes von Dohnanyi am 24. Januar, „populistische Kampagnen“ gegen Einzelne seien nicht nur widerlich, sie öffneten auch die Tür für gefährliche Tendenzen. Dohnanyi: „Die Petitionsgülle, die sich dieser Tage aus dem Internet über den Moderator (Lanz) ergießt, ist unerträglich. Mit welchem Recht maßen sich die Unterzeichner dieser Petition die Rolle der medialen Scharfrichter an?“

Worin ich ihm zustimme: Es ist nun wirklich nicht sehr ästhetisch und auch nicht ganz ungefährlich, dass manche glauben, sie müssten nun das etwas fragwürdige, ihnen aus den Massenmedien seit vielen Jahren wohlvertraute Verhalten des politisch korrekt motivierten Dauerhetzens gegen Einzelne nachäffen, nur unter umgekehrten Vorzeichen, sozusagen. Das sehe ich ganz genauso. Wirklich bedenklich, sowas.

Auch ich finde es fraglich, dass Lanz nun so viel Verachtung entgegenschlägt für ein Verhalten, das in solchen Shows fast flächendeckend Usus ist. Warum tut sich die angestaute Wut über die Idiotie, Oberflächlichkeit, Impertinenz, Blasiertheit, Anmaßung, maßlose Arroganz und das Deutungshoheits-Gefuchtel nach Gutsherrenart vieler Dauersabbler und ‑krakler jetzt nur an Lanz gütlich? Das ist ja nun wirklich kein individuelles, sondern systemisches Problem des neudeutschen Meinungsbolschewismus, dem man mit Revanchismus und tagesanlässlicher Mütchenkühlerei nicht beikommt.  

Und genau das übersieht Dohnanyi: Was sich derzeit an Markus Lanz entlädt, ist weit mehr als nur Zorn gegen eine einzelne Person, was er leicht selbst hätte feststellen können, hätte er einen Blick in die Kommentarspalten geworfen. Womit ich das Unterzeichnen von Petitionen gegen Einzelpersonen oder das vermassungsmediale Herbeiführen von Karriereknicks wegen politisch unkorrekter Äußerungen oder gegen Euro-Kritiker gerichtete Parteiausschlusswünsche von höchster Stelle oder das erschreckend geistlose Niederbellen aller unerwünschten Meinungen als rechtspopulistisch oder verschwörungstheoretisch und ähnlich unsaubere Methoden keinesfalls rechtfertigen wollte. Mit welchem Recht maßen sich die Initiatoren sowie die feigen Mitläufer und ‑kläffer solcher Aktionen in Print und TV ständig die Rolle der politischen Scharfrichter an? Mit welchem Recht vorverurteilen sie, ohne handfeste Beweise vorzulegen oder die Ergebnisse noch laufender Untersuchungsverfahren abzuwarten, Staatschefs anderer Länder und überbieten sich gegenseitig in brandgefährlicher Kriegshetze? Mit welchem Recht behandeln solche Typen ihre Leser und Zuschauer regelmäßig wie Vollidioten? Muss das sein?

Wie heißt es doch so schön: Wie der Hund so das Herrchen oder umgekehrt, wau wau. Mir scheint, auch darin stimme ich mit Dohnanyi überein, als käme Herrn Lanz gerade die Rolle eines massenmedialen Moby Dick zu: Und so feuerten sie den gesamten Zorn der mainstreamgeplagten Menschheit auf ihn. Das ist nicht in Ordnung, völlig richtig. Es geht aber eben nicht nur um Lanz, es geht darum, dass man sich nicht wundern darf, wenn es nun aus manchen so herausschreit, wie man vorher jahrelang in sie hineingeschrien, ‑gelogen, ‑gehetzt, politisch komageprügelt und ganz allgemein und nicht nur in den Medien gehaust hat wie eine Bande narzisstischer Sonnenkönige, die sich keinen Pfifferling mehr um Volkes Meinung scheren.


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