21. Januar 2014

Prognosen für 2014, Teil 1 Terror, Thesen, Kriegstemperamente

Rohstoffkämpfe in Afrika sowie geostrategische Muskelspiele im eurasischen und asiatisch-pazifischen Raum

Nach dem Sudan, wo China in den letzten Jahren hohe Milliardensummen in die Erdölförderung investierte,  um seine Energieversorgung mit dem schwarzen Gold für die nächsten paar Jahrzehnte sicherzustellen, wird das nächste Ziel – nach der Zentralafrikanischen Republik, die bereits in Unruhe geriet (nicht ganz ohne ausländische Mithilfe) – wahrscheinlich die Demokratische Republik Kongo (ehemals Zaïre) sein. Grund: Im Kongo lagern rauhe Mengen an Ressourcen, die für die moderne Halbleiter- beziehungsweise Elektronikindustrie von größter Wichtigkeit sind. Unter anderem Coltan (Columbit-Tantalit) sowie Kobalt nebst anderen sogenannten Seltenen Erden und Metallerzen. Ganz allgemein quellen viele afrikanische Länder förmlich über vor heiß begehrten Mineralien und anderen Delikatessen, unter anderem Gold, Diamanten, Uran und natürlich auch viel Öl – vor allem Länder entlang des Großen Afrikanischen Grabenbruchs, einer circa 6.000 Kilometer langen Riftzone, die sich von Syrien bis nach Mosambik erstreckt und als eine der rohstoffreichsten Regionen der Welt gilt. Man kann deshalb erwarten, dass auch in diesem Jahr Schlagzeilen wie „Dschihadist steckt in afrikanischem Land X Kopf aus Gebüsch“ darauf warten, beim Lesen der Frühstückszeitung von Lesern, die in Erdkunde nicht nur am iPhone herumgefingert haben und denen Geopolitik nicht zu krude ist, milde belächelt zu werden. Inklusive gewohnt hochblamabler Lügen diverser Außenphilister und anderer politischer Claquere über die dringende Notwendigkeit blablahumanitären Eingreifens, um diese dummen Negerlein vor sich selbst zu schützen.

Im Tschad, dem Nachbarland des Sudan, kabbeln sich ja schon seit längerer Zeit chinesische und anglo-amerikanische Ölkonzerne um die Vorherrschaft. Das nordafrikanische Libyen wurde auf der Wunschliste der US-„Kriegsfalken“ als strategisches Ziel zur geo- und energiepolitischen Eindämmung potentieller Machtkonkurenten – der derzeit größte davon China –, die die „American Supremacy“ (Brzeziński) „gefährden“ könnten, ja schon abgehakt, mit freundlicher Unterstützung von Brunibeglücker Nicolas Sarkozy (das ist der Heini, der einen Machtrivalen namens Strauss-Kahn mittels Sexaffäre nebst massenmedialer Vorverurteilungskampagne noch vor Abschluss jeglichen ordentlichen Gerichtsverfahrens erfolgreich ausschaltete) und anderen europäischen Friedensnobelpreisträgern, darunter auch deutschen. Denn von dort aus lassen sich ganz prima bewaffnete Rebellen, Freiheitskämpfer oder Terroristen (heutzutage zunehmend schwer zu unterscheiden) in die entsprechenden afrikanischen Nachbarländer weiterwuppen, um Gründe für blablahumanitäres Eingreifen zu stricken. Es gibt für Geoschachspieler nunmal nichts Verlockenderes als bereits bestehende regionale, tribale, territoriale oder religiöse Konflikte, auf die man ein bisschen Benzin träufeln kann, um Brände im Eigeninteresse anzuheizen. Neben den USA und China gibt es natürlich noch andere größere Mitbewerber um die Schätze Afrikas, unter anderem Russland, Indien und selbstverständlich auch die EU. Es wird wahrscheinlich weitere „Proxy Wars“ (Stellvertreterkriege) wie in Mali oder „Schutzmissionen“ europäischer Länder in Afrika geben, da die enorme Kostenlast zur Aufrechterhaltung der „Anglo-Saxon Mission“ (manchmal auch „Amerikanisches Jahrhundert“, „Amerikanische Weltordnung“ oder schlicht „Neue Weltordnung“ genannt) aufgrund ihrer sonnigen Haushaltslage – wie ein Dutzend Hornissennester brummende Konjunktur, niedrigste Arbeitslosigkeit aller Zeiten, alles wird supergut (Vorsicht Määhdiensprech) – natürlich verteilt werden muss.

Der von NWO-Pressesprecher Obama, der Dr. Henry Kissinger zufolge nun die „großartige Gelegenheit“ habe, „eine neue Weltordnung einzuläuten“, bereits 2011 angekündigte „Richtungswechsel“ in der Außenpolitik gen Südostasien beziehungsweise hin zum „Asiatisch-Pazifischen Raum“, also kurz die verstärkte Fokussierung auf China, wird sich gewiss fortsetzen. Es wird auch weiterhin „Übungen“ der US Navy im Verbund mit regionalen Freunden im Südchinesischen Meer und Indischen Ozean geben; Peking wird gleichziehen und ebenfalls kräftig üben, denn durch diese Meere verlaufen die wichtigsten chinesischen Seehandelswege, vor allem die sogenannte, enorm wichtige „Straße von Malakka“. Über diese Route bezieht China – neben der Straße von Hormus – momentan knapp 80 Prozent (!) seines Rohöls aus dem Mittleren Osten und Afrika. „Üben“ bedeutet dabei natürlich nichts anderes als: „Zeigst du mir deinen geostrategischen Mittelfinger, zeig ich dir eben meinen.“ Mithin geht es um eine Strategie, die im Pentagon als „Zerreißen“ der „chinesischen Perlenkette“ bezeichnet wird. Damit ist der Versuch Pekings gemeint, sich die Loyalität entlang dieser Handelsrouten gelegener Küstenländer und Inseln zu sichern; im Gegenzug versucht Washington deshalb, unter anderem Vietnam, Myanmar (ehemals Burma), die Philippinen und Thailand sowie andere Länder der Region davon zu überzeugen, es sei besser, auch weiterhin amerikanische Interessen zu wahren. (Vorsicht, jetzt wird‘s kurz extrem krude: Die jüngsten Unruhen in Thailand könnten mit genau dieser Politik etwas zu tun haben.) Als die USA unlängst ankündigten, ein paar Tausend Truppen mehr in ihren Proxy-Staat Südkorea zu verlegen, antwortete Nordkorea prompt mit den gewohnten Drohgebärden. Man liegt sicher nicht ganz falsch, wenn man vermutet, der pausbäckige Diktator habe nicht nur auf eigene Faust, sondern durchaus im Interesse Chinas die kampfrhetorischen Ärmel hochgekrempelt, denn die kommunistische Diktatur Nordkorea wiederum ist im Wesentlichen ein Proxy Pekings.   

In einigen Ländern des Mittleren Ostens könnte es, wie vor kurzem im Irak, „wiederaufflammenden Terror“ geben. Falls jemand sich fragen sollte, warum dort einfach keine Ruhe einkehrt: Es ging nie darum, die entsprechenden Feldzüge wirklich abzuschließen und die Ziele zu „befreien“ oder zu „demokratisieren“, sondern schlicht darum, sie kräftig zu zerhauen und in Chaos und Unruhe zu halten, um dauerhaft Präsenz mittels großer Militärbasen zeigen und möglichst solche politischen Verhältnisse verhindern zu können, die dem asiatischen Konkurrenten privilegierte Handelsvertragsabschlüsse über dringend benötigte Rohstofflieferungen ermöglichen könnten. Kurz: Einsetzung US-höriger Regime. Im Irak befindet sich eine der größten US-Militärbasen weltweit, errichtet von Halliburton, der weltgrößten Zuliefererfirma der Ölindustrie sowie größter Vertragspartner des Pentagon beim Aufbau von Basen (sprich geostrategischen Brückenköpfen) im Ausland. Ehemaliger Vorstandschef von Halliburton und Verteidigungsminister unter George H. W. sowie Vizepräsident unter George W. Bush: Dick Cheney, wenig überraschend einer der einflussreichsten Wortführer der euphemistisch „Neoconservatives“ genannten Korporatisten- und Bellizisten-Clique der USA, auch bekannt unter dem etwas vereinfachenden Kosenamen „Rockefeller-Bush-Fraktion“.

Auch Saudi-Arabien könnte nach jahrzehntelanger, enger Partnerschaft mit Washington demnächst größere „Aufmerksamkeit“ dieser Falken-Fraktion zuteil werden, da das Land – übrigens neben dem Iran, gegen den von Politikern des US-Kongresses, die entweder auf der Gehaltsliste entweder der US-Rüstungsindustrie stehen oder den Neoverrückten zugeneigt sind, nicht zufällig unter dem Vorwand einer angeblichen, bisher nicht bewiesenen „atomaren Bedrohung“ kräftig Kriegstrommeln gerührt werden – zu den wichtigeren Öllieferanten und wirtschaftlichen Partnern Chinas zählt. In diese Kategorie fallen möglicherweise auch die jüngsten, in unseren Medien bisher noch nicht breiter diskutierten „Enthüllungen“ im Zusammenhang mit 9/11 sowie der Versuch einiger US-regierungsnaher politischer Kommentatoren, den Blick der Weltöffentlichkeit nun auf Saudi-Arabien als größten Finanzdienstleister des „internationalen Terrorismus“ zu lenken. Das ist zwar nicht ganz falsch, das Königreich hat nachweislich Terroristen ausgerüstet, trainiert und finanziert, allerdings wird dabei nicht erwähnt, dass es das über Jahre hinweg mit Billigung, manchmal sogar im Auftrag Washingtons tat. Die engen Geschäftsbeziehungen zwischen der „Skull-&-Bones“-Bush-Sekte und den Saudis, darunter auch der Familie bin Laden, dürften ja hinreichend bekannt sein. Was nun 9/11 betrifft, sind in letzter Zeit in US-regierungsinternen Kreisen und auch in einigen Zeitungen Berichte aufgetaucht, denen zufolge Saudi-Arabien der eigentliche Drahtzieher der Anschläge des 11. September gewesen sein soll. Nun weiß aber jeder, der seine Nase mal etwas tiefer in diese Materie gesteckt hat, dass das nicht die ganze Wahrheit sein kann. Der Versuch, die Hauptschuld auf das saudische Königshaus zu schieben, ist einigermaßen durchschaubar. Möglichkeit eins: Solche (Des‑) Informationen werden als politisches Druckmittel eingesetzt, als Drohgebärde, um die Saudis gefügig zu halten und ihre Wut angesichts des Syrien-Debakels zu zähmen. Denn in Riad empfand man es geradezu als „Verrat“, quasi als Messer im Rücken, dass Washington aufgrund des großen Drucks der amerikanischen Öffentlichkeit sowie der scharfen Kritik einiger der ranghöchsten US-Militärs von einem weiteren, von der saudischen Führung heiß ersehnten Krieg in Syrien dann doch (vorerst) absah und die unter anderem vom Königshaus finanzierten „Rebellen“ erst mal fallen ließ wie heiße Kartoffeln. Möglichkeit zwei (kurzer Schwenk auf die US-Innenpolitik): Es soll von den tiefschwarzen Flecken in des Kaisers Kleidern abgelenkt werden. Grund: Alleine im letzten Jahr gelangten dermaßen viele Beweise für die Verstrickung der patentiert und porentief Guten nicht nur in den „Al-Qaida-Terrorismus“, sondern auch in diverse andere höchst dubiose Vorgänge und Machenschaften an die Öffentlichkeit  – Operation „Fast & Furious“ (Waffen für mexikanische Drogenkartelle), das Boston-Bombing (Beta-Test für polizeistaatliche Anwandlungen, Volk in ständiger Angst halten, dauerhaftes Bedrohungsklima durch Terrorismus zur leichteren Durchsetzung rabiater totalitärer Überwachungsmethoden à la NSA, weiterer Freiheitsbeschneidungen und Einschränkungen bürgerlicher Rechte nähren), „Bengasigate“, kontinuierliche Hochfinanzskandale und anderes –, dass nicht nur alternative, sondern sogar einige der ansonsten eher hörigen US-Mainstreammedien der Obama-Regierung extrem unangenehme Fragen zu stellen begannen. Es kursierten zeitweise sogar Gerüchte über einen möglichen „Impeachment“-Prozess gegen Obama, also ein Amtsenthebungsverfahren (!) gegen den Präsidenten. Viele Kongressabgeordnete werden zunehmend misstrauisch und fragen, wer Amerika eigentlich regiere – das Weiße Haus oder Wall Street und Rüstungskomplex. Es scheint, als sollten breitere Diskussionen über die wahren Herrschaftsverhältnisse Amerikas durch eiligst aufgestellte Ablenkspiegel nach Möglichkeit unterbunden werden.

Nachdem der Mittlere Osten also kräftig aufgemischt und dadurch – je nach aktueller Dringlichkeit beziehungsweise Prioritätensetzung – weitere Einmischungen zur „Befriedung“ ermöglicht wurden, zieht die geopolitische Polonaise wohl erstmal nach Afrika sowie Richtung Asien weiter, um Rivalen von hinten an die dicken Rohstoffmöpse fassen zu können. Daneben wird selbstverständlich auch das Hauen und Stechen um das eurasische „Herzland“ weiterkokeln – siehe Ukraine. Georgien wurde ja dank „Farbiger Revolution“ bereits unter Dach und Fach gebracht, hauptsächlich wegen der sogenannten BTC-Pipeline. „BTC“ steht für Baku-Tiflis-Ceyhan, eine Pipeline, die von der aserbaidschanischen Stadt Baku am Kaspischen Meer über das georgische Tiflis und dann quer durch die NATürkei zum Mittelmeerhafen in Ceyhan verläuft. Der saudische Prinz Bandar bin Sultan, der einmal den Spitznamen „Bandar Bush“ verpasst bekam, weil er lange Jahre die internationale terroristische Drecksarbeit für die US-Regierungen unter Papa und Filius Bush erledigte, soll Wladimir Putin auf dem Höhepunkt der Syrien-Krise gedroht haben, solle der russische Premier einem Syrien-Krieg die Zustimmung verweigern, würde ihm bei den Olympischen Spielen in Sotschi der Terror um die Ohren fliegen. Es besteht allerdings auch die Möglichkeit, dass es dabei weniger um Syrien ging, sondern womöglich um die Ukraine, vor allem aber um Putins Widerstand gegen die Aufrüstungspläne (unter dem Tarnbegriff „Abwehrschild“) der NATO, um Russland gemäß der Brzeziński-Doktrin (Brzeziński war auch außenpolitischer Berater Obamas) weiter „einzuhegen“. Je nach Erfolg russischer und chinesischer Bemühungen um lukrative Öl- und Gasgeschäfte mit zentralasiatischen, ehemals sowjetrussischen Ländern könnte es also vielleicht auch dort wieder etwas ungemütlicher werden. Dasselbe gilt natürlich auch in umgekehrter Richtung: Sollten westliche Bemühungen erfolgreicher sein, könnte auch Moskau, eventuell nach Absprache mit Peking, zu etwas schattigeren Methoden greifen, denn entgegen einem momentan weit verbreiteten Irrglauben regieren auch dort nicht nur patentiert Gute.

Es bleibt spannend!


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