07. Januar 2014

Doppeltagebuch 1989/2014 Kerzenlicht und Klimadebatte

Vom Katastrophenwinter nicht mehr erholt

Nach dem geglückten Fluchtversuch in Berlin zwei Tage zuvor, versucht wieder jemand die Grenze zu überwinden, diesmal im Bereich des Kontrollplatzes Drewitz. Durch mehrere Schüsse wird dieser Fluchtversuch verhindert. Nähere Umstände sind nicht bekannt.

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wurde der Fluchtwillige ins Stasigefängnis Berlin-Hohenschönhausen eingeliefert.

Wenn er unverletzt war, kam er in eine Zelle, wenn er verwundet war, kam er ins Haftkrankenhaus, das in jedem Fall die an der Grenze Verletzten und Toten aufzunehmen hatte, auch wenn es zu weit von der Mauer entfernt war, um im Notfall rechtzeitig erreicht werden zu können.

Die Ärzte, die in den 80-er Jahren in diesem Krankenhaus gearbeitet haben, praktizieren zum Teil heute noch in der Nähe ihrer ehemaligen Arbeitsstelle. Die meisten wohnen auch noch in Hohenschönhausen, das seinen Namen nicht zu Unrecht trägt, denn am Oranke-, oder am Obersee ist es wirklich schön.

Die heute sorgfältig herausgeputzten Häuser wurden erst in der kurzen Zeit der Regierung Modrow Eigentum ihrer heutigen Besitzer. Durch das so genannte Modrow-Gesetz wurden in „Volkseigentum“ befindliche Häuser und Grundstücke, die ihren rechtmäßigen Besitzern durch Enteignung abhanden kamen, an die Systemstützen des DDR-Regimes zu Schleuderpreisen verkauft.

Das „Neue Deutschland" meldet an diesem Tag „Wachsende Leistungskraft der Volkswirtschaft 1988“. Dabei war der Staat seit 1983 pleite. Das wissen wir vom Devisenbeschaffer der SED Schalck-Golodkowski, der nach seiner Flucht in den Westen Anfang Dezember 1989 noch ein paar aufschlussreiche Interviews gab, bevor er sich am Tegernsee in seiner Luxusvilla in Schweigen hüllte.

Wie sehr die Wirtschaft der DDR am Boden lag, ist eine längst vergessene Tatsache. Tatsächlich hat sich die Volkswirtschaft nie mehr vom so genannten „Katastrophenwinter“ 1978/79 erholt, wo eine Kältewelle ab Anfang Januar große Teile der Produktion zum erliegen brachte. Braunkohle konnte bei diesen Temperaturen nicht ausreichend gefördert werden.

Die DDR verfügte seit Mitte der 70-er Jahre über keinerlei Reserven mehr, so dass die Kohle direkt aus dem Tagebau in die Öfen geschaufelt wurde. Die Erdgaslieferung aus der Sowjetunion stockte. Die Arbeiter in den Betrieben wurden ein paar Tage mit der „Pflege und Wartung“ der Maschinen beauftragt und dann nach Hause geschickt, wo sie das Ende der Kälte abwarten sollten. Büromenschen wurden zum Winterdienst auf die Straßen und Gehsteige geschickt, weil die Stadtreinigung kein Benzin mehr hatte.

Abends ging immer öfter das Licht aus. Man saß dann im Kerzenschein und konnte das sozialistische Leben sogar romantisch finden. Prekär wurde es, als nicht mehr genügend Kohle für die Privatöfen in den sozialistischen Handel gelangte. An manchen Orten gab es bereits kleinere Rebellionen.

In ihrer Not wandte sich die Partei- und Staatsführung an den Klassenfeind und wurde, wie so oft, von ihm gerettet. Die BRD lieferte Ruhrkohle. Das machte die Kohlehändler der DDR kurzfristig zu begehrten Beziehungspersonen.

Wer seinem Händler etwas bieten konnte, bekam die begehrten Steinkohlenbriketts und musste weniger oft heizen.

Nach Abebben der Kältewelle stellte sich heraus, dass der volkswirtschaftliche Schaden so groß war, dass zehn Jahre lang kein Geld für Forschung und Entwicklung mehr zur Verfügung stehen würde. Das hat sich bewahrheitet. Bis zum Ende ihrer Tage hat sich die DDR vom „Katastrophenwinter“ nicht mehr erholt. 

In diesem Jahr lässt der Winter noch auf sich warten. Jedenfalls bei uns. Dafür gibt es einen Katastrophenwinter in den USA. Minus 40 Grad Celsius in Chicago.

Während die Klimadebatte nach wie vor heiß läuft, macht die so genannte Klimaerwärmung Pause. Das letzte Jahr war wieder kälter als das Vorletzte, das kälter war als das davor.

„Werden die Temperaturen der Erde bis zum Jahr 2100 immer weiter zurückgehen bis auf ein Niveau ähnlich dem der Kleinen Eiszeit, wie es Horst-Joachim Lüdecke kürzlich vorhergesagt hat? Oder werden die Temperaturen nur bis zum Jahr 2060 zurückgehen, wie Habibullo Abdussamatov, der Leiter des russischen Pulkovo-Obersvatoriums, meint? Oder hat die Abkühlung bereits begonnen und könnte schon 2030 zu Ende sein, wie es Anastasios Tsonis, Leiter Gruppe Atmosphärische Wissenschaften an der University of Wisconsin behauptet?“

Diese Fragen stellt vorerst nur Michael Limburg von EIKE. Aber die Öffentlichkeit braucht die Antworten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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