15. Oktober 2013

ef 137 Editorial

Knapp daneben ist auch vorbei

Die FDP fliegt raus, die AfD kommt nicht rein. Das sind die wichtigsten Antworten auf die spannendsten Fragen zur Bundestagswahl. Beide Parteien scheiterten denkbar knapp an der Fünf-Prozent-Hürde, die in einem bunt gemischten Parteiensystem jetzt dafür sorgt, dass 15,8 Prozent der Wähler nicht im Parlament repräsentiert werden. Beide, FDP und AfD, erhielten mehr als zwei Millionen Stimmen, beiden fehlten am Ende nicht einmal 100.000 Kreuzchen. Doch knapp daneben ist auch vorbei.

Jetzt müssen die Blauen wie die Gelben in die außerparlamentarische Opposition. Und das ist gut so, können sie doch dort – und eher nur dort – ihr Profil schärfen, was in beiden Fällen dringend nötig ist. Kaum jemand weiß wirklich, wofür die FDP noch oder die AfD schon steht.

Beide werden sie sich jetzt hinter ihrem „L-Män“ versammeln. Lucke und Lindner stehen – aus ganz unterschiedlichen Gründen – bis auf weiteres unangefochten an der Spitze ihrer Parteien. Wie diese haben auch unsere vermeintlichen Superhelden in ihrer Persönlichkeitsstruktur erstaunlich viel gemein. Vor denselben Herausforderungen stehen sie ohnehin, wenn nun in AfD und FDP notwendigerweise Richtungsstreitereien und Flügelkämpfe auszufechten sind.

Lesen Sie im Themenschwerpunkt dieser Ausgabe, warum Lucke und Lindner dabei eine moderierende Rolle zwischen den Flügeln einnehmen sollten, wenn sie erfolgreich sein wollen. Christian Lindner muss in der FDP auch und gerade die klassisch Liberalen, die Euro-Kritiker und die Libertären integrieren. Für Bernd Lucke gilt dasselbe, er muss die Christlich- und Wert-Konservativen, die Wirtschafts- und Nationalliberalen, die Islam- und EU-Kritiker achten. Sowohl FDP als auch AfD müssen dabei die Eckigen und Kantigen aus den eigenen Reihen stärker berücksichtigen als bisher.

Eckig und kantig: Lucke und Lindner? Beide traten als 16-jährige Jungs einer etablierten Partei bei. Beide sind sie von jeher Kinder und Kandidaten des Establishments. Beide fühlen sich den Liberallalas und Karrieristen näher als jenen, die auch innerparteilich mal gegen den Strom schwimmen. Aber beide sind auch nicht dumm. Sie könnten durchaus erkennen, welche Rolle jetzt von ihnen gefragt ist.

Zwei weitere aalglatte und windschnittige Parteien der linken politischen Mitte braucht niemand im Parlament. Auf den beiden Parteitagen zum Jahreswechsel wird sich zeigen, wer von beiden verstanden hat, worauf es jetzt für seine Partei wirklich ankommt.

Wir werden darauf zurückkommen. Doch zunächst geht’s nach München zur Edelmetallmesse vom 8. bis 9. November. Die ef-Redaktion ist mit einem eigenen Stand vertreten. Besuchen Sie uns doch einmal – wir würden uns freuen!

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort
publizierten Beiträgen in der am 19. Oktober erscheinenden November-Ausgabe  eigentümlich frei Nr. 137


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