06. Oktober 2013

Machtkampf in der AfD-Parteiführung Fundis und Realos 2.0

Von wegen „ostdeutsche Ortsverbände“…

Die deutschen Mainstream-Medien (unter anderem „Die Welt“, n-tv und „Focus“) berichten heute von einem Streit innerhalb der AfD zwischen dem Bundesvorsitzenden Bernd Lucke auf der einen und „ostdeutschen Ortsverbänden“ auf der anderen Seite.

Lucke hatte am Dienstag überhastet eine Pressemitteilung und kurz darauf eine persönliche Erklärung verbreitet und darin einen Aufnahmestopp für ehemalige Mitglieder kleinerer Parteien erklärt. Lediglich wer früher bei CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen oder Linken Mitglied war, sei noch willkommen, erklärte Lucke ausdrücklich. Wer dagegen zum Beispiel einmal Mitglied bei den Piraten, der Tierschutzpartei, den Freien Wählern oder der ÖDP war (es trifft ausdrücklich Ehemalige aller „Kleinparteien mit Ausnahme der FDP“), müsse sich fortan einer Art Parteitribunal stellen, einem Gespräch mit dem Landesvorstand, das zu protokollieren sei. „Die Regel ist dabei, dass nicht aufgenommen wird“. So erklärte Lucke mehr als Hunderttausend Menschen zu politisch Aussätzigen, die in den vergangenen Jahrzehnten die eine oder andere kleinere Partei durchlaufen haben.

Gegen diese absurde Maßnahme regt sich nun Widerstand in der Partei. Was die Medien dabei bislang nicht erkennen: Lucke ist nicht „der Vorsitzende“, als den sie ihn (und vielleicht auch er selbst sich) gerne verkauft haben.

Vielmehr führen die AfD drei gleichberechtigte „Sprecher“ als Parteivorsitzende. Und eine(r) davon, Frauke Petry, weist Lucke heute in die Schranken: „Ein pauschaler Aufnahmestopp kann nicht ohne parteiinterne Diskussion verhängt werden.“ Luckes Beschluss sei im Bundesvorstand nicht abgesprochen gewesen. Er habe auch nicht die Befugnis, unteren Parteigliederungen Vorgaben zu machen. Auch Alexander Gauland pflichtet Petry bei – und der ist einer der drei stellvertretenden Parteivorsitzenden.

Von wegen „ostdeutsche Ortsverbände“… Die AfD ist strukturiert wie einst die Grünen mit ihrem Sprecherrat. Und wie dieser in seinen wilden Zeiten streitet nun auch der gleichberechtigte Vorstand der AfD um den Kurs.

Im Fall der AfD verlaufen die Fronten dabei weniger zwischen links und rechts als vielmehr zwischen den im Zweifel eher karriereorientierten Alt-Etablierten (vorwiegend aus CDU, FDP, Lions- oder Rotary-Club) auf der einen und den eher idealistisch Motivierten und Protestorientierten auf der anderen Seite (die an der Basis womöglich in der Mehrheit sind und zuweilen auch bereits aus verschiedenen kleinen Parteien zur AfD gestoßen sind).

Erinnert sich noch jemand an Herbert Gruhl? Der war einst der prominenteste Gründer der Grünen und kam aus der CDU. Er konnte sich nicht gegen jene durchsetzen, die aus den kommunistischen Kleinparteien zu den Grünen stießen. Ähnlichkeiten mit Bernd Lucke sind rein zufällig.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von André F. Lichtschlag

Über André F. Lichtschlag

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige