20. September 2013

Vier letzte Einwürfe vor der Wahl (3) Nichtwählen, jetzt erst recht?

Die Wahlpropaganda ist nahezu unerträglich

Penetranter noch als das Werben der Parteien um das Kreuz an der richtigen Stelle ist das Drängen von Politikern und vor allem der staatstragenden Medien zur bloßen Wahlteilnahme. Beim ersten wird nur der Himmel auf Erden versprochen, beim zweiten auch gleich mit der Hölle gedroht. Und blasphemischer noch als ein diesseitiger Gott der Demokratie ist nur der weltliche Beelzebub als Nichtwähler.

Was das Himmelbett betrifft, so hat es in den letzten Tagen niemand so schön angepriesen wie Andrea Seibel in der „Welt“. Sie verspricht bereits in der Überschrift „das unglaubliche Abenteuer in der Wahlkabine“ und legt danach gewagt einen drauf: „Ja, nennen wir es Erotik der Wahl.“

Jeder Jeck ist anders, sagen wir Rheinländer, aber eine solche, ähm, na sagen wir: „Neigung“, die ist doch außergewöhnlich. Respekt, Frau Seibel!?

Kollege Wolfgang Merkel vom „Cicero“ ist etwas anders gepolt. Er beginnt seinen Exorzismus am Nichtwähler gleich in der Überschrift, seien diese doch „narzisstische Selbstüberschätzer“. Der Nichtakt der teuflischen Wahlkabinen-Non-Erotiker sei im Übrigen und nicht ganz nebenbei „Hybris“, „herablassend“, „ignorant“ und eine „bildungsferne Brandbeschleunigung“. Mehr nicht!?

So dick aufgetragen wird die Gegenargumentation des Ökonomen Hans-Hermann Hoppe gleich noch etwas bestechender, nach der die Demokratie der „Wettbewerb der Gauner“ ist. Und bei diesem Schurkenstück darf man durchaus mit guten Argumenten unbeteiligt und mehr oder weniger amüsiert am Rande stehen, um der ignoranten Selbstüberschätzung der Wähler – als wenn es je irgendwo auf dessen eine, völlig unerhebliche Stimme angekommen wäre – bei der Wahl des Meisterdiebes zu folgen. Nein, wählen kann man, muss man aber nicht.

Internet

Der Wettbewerb der Gauner

Das unglaubliche Abenteuer in der Wahlkabine

Nichtwähler sind narzisstische Selbstüberschätzer


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