20. September 2013

Vier letzte Einwürfe vor der Wahl (2) AfD vor dem großen Wahlsieg

Und vor den Säuberungen in den eigenen Reihen?

Erinnern Sie sich noch an Rudolf Bahro, Jutta Ditfurth und Eckhard Stratmann, an Herbert Gruhl, Edgar Guhde und Baldur Springmann? Alle sechs spielten bei der Gründung der Grünen eine gewichtige Rolle, sie alle traten nach und nach aus oder wurden davongejagt. Die erstgenannten Drei gehörten dem frühen radikal-sozialistischen Flügel an, das zweite Trio dem konservativen, so etwas gab es damals.

Durchgesetzt hat sich in Fraktion und Partei schnell die programmatische Mitte. Die Ränder wurden abgeschleift, sie störten nur beim „Marsch durch und in die staatlichen Institutionen“, deren eifrigste Verteidigerin heute ausgerechnet jene grünen Partei ist, die einst lautsstark antrat, sie zu schleifen.

Macht korrumpiert, am Ende immer. Und Politik ist ein dreckiges „Geschäft“. Das sollte im Hinterkopf behalten, wer allzu große Hoffnungen auf den weiteren Weg der am Sonntag wohl genau 30 Jahre nach den Grünen in den Bundestag einziehenden Alternative für Deutschland setzt. Auch in dieser neuen Fraktion werden die Aalglatten in der Überzahl sein. Also jene vor allem, die noch bis vor kurzem in CDU und FDP aktiv waren und die noch demselben Koalitionsvertrag 2009 eben jener Parteien bejubelten, deren „Konkurrenten“ sie scheinbar heute sind. Wie damals bei den frühen Grünen könnten aber auch einige Eckige und Kantige dabei sein, zum Beispiel ausgewiesene Erzliberale oder Rechtskonservative in der AfD. An der Parteibasis sind sie, die Idealisten, nicht die Karrieristen, vermutlich sogar in der Mehrheit.

Doch das waren sie bei den Grünen zunächst auch. Die oben bärtigen und unten sandalierten Müslimäns und die in der Mitte einpulloverten Strickliesels in den Ortsverbänden konnten dem abhebenden Raumschiff ihrer Parteiführung in Bonn und später Berlin allerdings nur noch hinterherwinken, um selbst nach und nach zu verschwinden und sogar im Stadtrat dem beamteten Karrieristen von nebenan Platz zu machen. Lange noch palaverten sie von Basisdemokratie und Pazifismus, als Joschka und Konsorten in zentraler Position bereits die Kriegseinsätze planten.

Und die AfD? Kennen Sie das Bild mit deren Vorsitzenden, die sich gegenseitig selbst den „Mut zur Wahrheit“ attestieren (Link siehe unten)? Allesamt sicher nette, aufrichtige Menschen. Und doch wirkt das Foto, ja überhaupt die Konstellation mit junger Frau, altem Mann und jugendlichem Professor, seltsam inszeniert, fast so wie die Protofamilie im zweiteiligen Wahlspot von NPD und FDP. Nachtigall?

Tatsache ist: Erste Säuberungen an störenden Parteirändern haben begonnen (siehe Artikel unten). Ein Ausrutscher? Oder nur der Vorbote?

Internet

Bild: Wir haben Mut zur Wahrheit

Artikel: Wie die AfD konservative Köpfe rollen lässt


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von André F. Lichtschlag

Über André F. Lichtschlag

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige