04. September 2013

Alternative für Deutschland Ein neuer Sheriff ist in der Stadt

Parteiboss Lucke macht auf John Wayne

Als Sheriff John T. Chance verteidigte John Wayne einst eine Kleinstadt im Wilden Westen gegen eine Gangsterbande. Der legendäre Filmklassiker heißt „Rio Bravo“.

Als Sprecher der Alternative für Deutschland will Volkswirt Bernd Lucke bald schon ganz Deutschland gegen Rockerbanden verteidigen. Sein schmales Filmchen heißt „Alternative für Deutschland“. „Gruppen, die auffällig werden, müssen verboten oder zerschlagen werden. Die Hells Angels sind ein gutes Beispiel“, so der AfD-Boss gegenüber der „Wirtschaftswoche“.

Nach dem durch nichts zu rechtfertigenden körperlichen Angriff vermutlich linksextremistischer Randalierer gegen ihn persönlich hat Bernd Lucke nun anscheinend Lunte gerochen. Nachdem seine AfD ihr oberstes Ziel des deutschen Ausstieges aus dem Euro aufgegeben hat und es nun den Griechen ermöglichen möchte, aus dem bislang mittels Sparauflagen disziplinierenden Währungsverbund auszutreten, folgt nun die Polizeistaat-Breitseite gegen liberale Geister.

Lucke und seine AfD werden in den kommenden Wochen verstärkt auf das Thema der inneren, das heißt der nationalen, staatlichen Sicherheit setzen. Die Hells Angels und andere Rockerklubs als privat organisierte Vereinigungen werden als Köder herhalten müssen.

Dieser faulige Köder wird in Deutschland schon seit 40 Jahren ausgelegt. 1973 gründeten Harley Davidson-Enthusiasten den deutschen Ableger der Hells Angels. Seitdem dürfen sie sich besonderer verbeamteter Aufmerksamkeit erfreuen. Der von Reichszusammenschweißer Bismarck ins Leben gerufene Paragraph 129 des Strafgesetzbuches ermöglicht es staatlichen Stellen nach Belieben unliebsame private Gruppierungen unter kriminellen Verdacht zu stellen und zu verfolgen. Im Sheriffdeutsch heißt dies „Strukturermittlungen“. Schließlich darf es niemanden geben, der eigene Regeln aufstellt. Betroffene müssen jederzeit mit Razzien und persönlicher Repression rechnen. Die sonst bedeutsame juristische Grundlage einer konkreten Verdachtslage entfällt für die Staatsdiener dank Paragraph 129 gänzlich. Schon seit Jahren werden auf diesem Weg Klubhäuser der Rocker regelmäßig ohne Ergebnis von der Polizei durchsucht. Immer wieder rauschen Verdächtigungen durch den Blätterwald, in dem die Freude schon groß ist, wenn die Polizeichefs auch nur von eigenen persönlichen Mutmaßungen bezüglich krimineller Handlungen ausgewählter Motorradfahrer berichten. Dass diese Vermutungen nach Razzien zumeist gegenstandslos werden, interessiert später eher weniger, wie zuletzt auch die Razzien Ende August 2013 an 13 Orten in Berlin und Brandenburg zeigten, bei denen keinerlei Waffen, nur ein paar Tütchen Marihuana in den Gebäuden der lokalen Hells Angels gefunden wurden.

Auf diesen Zug ins Nirgendwo springt nun auch Sheriff Lucke. Doch hier verzockt er sich. Das Ticket in den Polizeistaat ist keine Option für Freunde der Freiheit. Einige für die AfD brauchbare liberale Wählerstimmen rücken damit sicherlich in weite Ferne.

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