25. August 2013

Pressespiegel aus einer Bananenrepublik Gründe für den Angriff noch unklar

Entwarnung: Es waren deutlich weniger als 20 Angreifer

Was wäre heute im Blätterwald los, wenn gestern sagen wir mal der Parteichef der SPD von rechtsradikalen Banden mit Pfefferspray und Messern angegriffen worden wäre? Tatsächlich hat es „nur“ den Parteichef der liberalkonservativen Alternative für Deutschland getroffen, und die Angreifer waren wie so häufig (und meist verschwiegen) Linksextremisten. Deshalb also statt tagelangem Aufschrei und einem Aufstand der Anständigen stundenlang fast keine Berichte, und als das offenbar nicht länger durchzuhalten ist, weil immer mehr Leser sich beschweren, ein paar Randnotizen.

Dem „Stern“ muss man zugute halten, dass er als einer der ersten berichtete. Viele lesen ja nur die Überschrift, mag sich der zuständige Redakteur gedacht haben, und titelte: „Verletzte bei ‚Alternative für Deutschland’-Veranstaltung“. Im Artikel erfährt der Leser dann, dass die Angreifer „laut AfD vermutlich dem linksautonomen Lager zuzurechnen seien“. Aber kann man den Angaben der AfD trauen?

Die Randnotiz der „Süddeutschen“ ist noch etwas einfallsreicher: Parteichef Lucke, so die „SZ“, sei „schockiert und empört“. Wohlgemerkt „schockiert und empört“ in Anführungsstrichen. Die Polizei gehe von 20 Angreifern aus, fährt der Bericht fort. Doch am Ende des Artikels gibt die „Süddeutsche“ Entwarnung: „Nachtrag der Redaktion: Ein bei der AfD-Wahlveranstaltung gefilmtes Video legt nahe, dass an dem Vorfall deutlich weniger als 20 Angreifer beteiligt waren.“

Selbst das ist aber nicht der bemerkenswerteste Satz. Der scheint von der Presseagentur dpa  zu stammen und taucht nicht nur im seltsamen Artikel der „Süddeutschen“, sondern auch bei den Kollegen der „Welt“ auf. Man darf ihn sich zusammen mit einem Stück Banane auf der Zunge zergehen lassen: „Die Gründe für den Angriff seien noch unklar.“


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