23. August 2013

Nachruf Otto Wildgruber ist von uns gegangen

Er gehörte zu den Klimaskeptikern der ersten Stunde

Am 19. August ist mein treuer Freund und Förderer Otto Wildgruber von uns gegangen. Heute am 23. August fand die Trauerfeier im Kreis seiner Angehörigen in Fürth statt. Die Urne mit seiner Asche wird nach Tirol überführt, woher Otto stammt. Im Oktober wäre er 77 Jahre alt geworden. Den Lesern von eigentümlich frei ist Otto nicht ganz unbekannt, denn ich habe ihn an dieser Stelle vor Jahren schon einmal in einer Glosse mit dem Titel "Schöne Aussicht 1910" zitiert - allerdings, ohne seinen Namen zu nennen.

Otto war schwer krebskrank und sollte nach der Prognose seiner Ärzte schon vor zehn Jahren gestorben sein. Doch Otto ließ sich, wie auch sonst im Leben, nicht unterkriegen und nahm mit allerlei Therapie-Experimenten den Kampf gegen die Krankheit auf. Obwohl ihm einige dieser Experimente schlimmer zusetzten als die Metastasen, hat sich der Kampf für Otto im Endeffekt gelohnt. Denn zehn Jahre sind schon etwas. Otto hat diese Zeit, soweit es das Auf und Ab seiner Befindlichkeit zuließ, sehr intensiv genutzt und genossen. Er gehörte zu den Initiatoren des skeptischen Klima-Manifestes von Heiligenroth im Westerwald (2007). Einmal im Jahr trafen wir uns im mittelalterlichen Städtchen Sommerhausen am Main südlich von Würzburg, wo wir auf langen Spaziergängen durch die Weinberge über Gott und die Welt plauderten, aber auch wichtige Fragen der politischen Strategie berieten. Die Abende verbrachten wir mit gutem Wein und Spargel. Manchmal genehmigten wir uns dabei des Guten zuviel. Aber wir konnten in der Weinschänke übernachten und gefährdeten nicht die Verkehrssicherheit.

Otto hatte eine Karriere als Elektroingenieur bei Siemens hinter sich. Zuletzt war er für die weltweite Kommunikation des Nukleargeschäfts dieses Konzerns zuständig und musste sich in dieser Funktion ständig mit den Machenschaften einer unheimlichen PR-Firma namens Greenpeace auseinandersetzen. Otto gehörte zu den wenigen, die einen Überblick über die Ursprünge, die Geschichte und die filzartigen Verästelungen der internationalen Umweltbewegung im allgemeinen und insbesondere von Greenpeace und des Club of Rome hatten. Er verfügte über einen bemerkenswerten politischen Durch- und Weitblick, der manchmal die Grenze zur Prophetie überschritt (siehe meine Glosse von 2008). Er musste leider noch miterleben, wie sein früherer Arbeitgeber von Wendehälsen im Top-Management auf die schiefe Ebene des grünen Selbstmords geführt wurde. Otto wird all jenen, die sich in der Debatte um die angeblich drohende Klimakatastrophe einen kühlen Kopf bewahrt haben, in den nächsten Jahren sehr fehlen.

Internet:

Perspektive: Schöne Aussicht 1910

Klima-Manifest von Heiligenroth


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von Edgar L. Gärtner

Über Edgar L. Gärtner

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige