16. August 2013

Abschied Werner Habermehl ist tot

Geboren am 08.10.1949, verstorben am 07.05.2013

Wie wir gerade erst durch Michael Kastner, Betreiber von Buchausgabe.de, erfahren haben, ist der ehemalige ef-Autor und Ayn-Rand-Verleger Prof. Dr. Werner Habermehl bereits am 7. Mai verstorben.

Schon vor vielen Jahren hatte er sich nach Griechenland abgesetzt, um dort Oliven zu züchten. Werner Habermehl wurde 63 Jahre alt.

Die Entdeckung Ayn Rands in Deutschland ist zu einem großen Teil diesem Werner Habermehl zu verdanken. Für einige Ausgaben organisierte und finanzierte er darüber hinaus das legendäre ef-Centerfold, arrangierte Fotokunst mit libertärer Lektüre in den Händen leicht bekleideter Damen…

Werner Habermehl war nicht nur hoch gebildet und Gespräche mit ihm waren stets intellektuell besonders anregend, er war vor allem eine „echte Type“ mit sehr viel Humor. Ich werde ihn nie vergessen. ef wird sein Andenken bewahren und in Ehren halten.

Mit Wehmut und doch auch einem Lächeln erinnern wir uns an den Cocktail-Abend auf der Suite Werner Habermehls bei der ISIL-Weltkonferenz in Berlin 1998 sowie (vor allem) an die allen Teilnehmern unvergessliche „Ayn Rand Night 2002“.

Ausschnitt aus dem Artikel „Die 17. Libertarian World Convention in Berlin“ von André F. Lichtschlag in ef 4 (1998)

Ein ganz besonderes Highlight für alle deutschsprachigen Teilnehmer war das „Special” der Veranstaltung in deutscher Sprache, bei dem Hans-Hermann Hoppe den Staat als Geldfälscher entlarvte. Bei diesem brillianten Vortrag Hoppes fühlte sich nicht nur Ralph Raico an die (Beschreibungen der) Vorträge von Ludwig von Mises erinnert. Ein Hauch von Mises lag in der Luft!

Werner Habermehl, dem Herausgeber des Ayn Rand-Romans „Wer ist John Galt?”, ist ein inoffizieller Leckerbissen ganz besonderer Art zu verdanken: Er hatte einige deutschsprachige Teilnehmer zu einem Cocktail-Abend auf seine Suite eingeladen. Bei Gourmet-Häppchen und reichhaltiger Getränkeauswahl wurden hier bis spät in die Nacht mit den Veranstaltern von der Liberalen Akademie Berlin und mit den Rednern Ralph Raico und Hans-Hermann Hoppe Probleme und Zukunftsstrategien besprochen. Hier wurden ohne Hemmungen die Grenzen der „Political Correctness” um Lichtjahre übertreten, so dass bei Anwesenheit die Süßmuthigen und Bednartzen der Nation – oder die Jungs vom Verfassungsschutz – infarktgefährdet gewesen wären.

Artikel „Die Ayn Rand Night: Hymnen in der Tiefe, 30. August 2002 in Hamburg“ von  Roland Pimpl

Der Glaube, die Welt verbessern zu können. Die Hoffnung, neue Einsichten in Philosophie, Wirtschaft und Soziologie zu gewinnen. Das Gefühl, zur Avantgarde der angestrebten gesellschaftlichen Veränderungen zu gehören. All dies sind mögliche Gründe, als „Libertärer“ aufzutreten und auf unterschiedliche Art und Weise an der „Bewegung“ teilzuhaben, sich gar zu engagieren. Doch es gibt noch ein ganz anderes (und für manch einen womöglich das wichtigste) Motiv: das Zusammensein mit interessanten, eigenwilligen und skurrilen Menschen – und ebensolche Events, auf denen sich die Libertären von Zeit zu Zeit versammeln.

Zum Beispiel Ende August in Hamburg: Der Sozialforscher und „Sex-Professor“ („Bild“-Zeitung) Werner Habermehl bat zur „Ayn Rand Night“. Anlass war die deutsche Erstausgabe von Rands Novelle „Anthem“ in Habermehls Gewis-Verlag. Zwar gab es das Werk noch nicht in Gänze zu bestaunen – sondern nur einen Dummy mit Einband und ziemlich freien Seiten –, doch Location, Leute und Ambiente dieser Nacht ließen keinen Zweifel aufkommen daran, dass man Zeuge werden dufte einer Zusammenkunft, die, ähnlich wie das Treffen zu Barßel im März 1999 (siehe ef Nr. 6), Historiker – oder zumindest Insider – später einmal als epochalen Meilenstein der libertären Bewegung in Deutschland kennzeichnen dürften.

Der Weg zur „Ayn Rand Night“ jedoch war steinig. Genauer: Der verwunderte Besucher muss die düstere Beton-Abfahrt einer Tiefgarage in Altona hinabwandeln. Bis nach ganz unten. Dort erfasst eine kleine Kamera jeden, der um die dunkle Ecke kommt. Hausherr Habermehl sitzt an der Bar und hat den Monitor im Blick. Diese unterste Ebene firmiert als Gewis-Archiv – und dient seinem Institut ansonsten wohl als Abstellkammer, Büro, Privatkino und Partykeller. Und, der schmucken Sandecke nach zu urteilen, als Fotokulisse im Südsee-Ambiente, vielleicht für exotische Bikini-Shootings.

Die Kameraüberwachung am Eingang erweist sich jedoch als nicht notwendig – nach Ärger sieht an diesem Abend niemand aus. Zumal sich die Zahl der Gäste auch im überschaubaren Rahmen hält: Herkömmliche Party-Kritik würde von wenigen Besuchern sprechen, die sich in der riesigen Tiefgarage verloren. Der libertäre Event-Rezensent indes hat einige Dutzend Gäste ausgemacht, die in den diversen Ecken und Winkeln, an vielen Tischen und in etlichen Sitzgruppen, an der Bar, am Strand oder im Séparée ausreichend Freiraum vorfanden, privat und in Ruhe zu schauen, zu reden und zu diskutieren.

Und natürlich zu essen und zu trinken: Plötzlich öffnet sich das eiserne Tor zur Außenwelt und ein weißer Wagen rollt in die Tiefgarage herein – an Bord die Highlights libertären Caterings. Frederic Janhsen hat Beef Stroganoff à la Ayn Rand kredenzt an Reis à la David Friedman. Das kollektive Urteil: objektiv lecker! Ebenso das Getränk des Abends, „Bombay Crushed“, nach Angaben des aufmerksamen Barkeepers ein „leichter Sommerdrink“. Und wie vorbildlich gerade Libertäre eigene Ressourcen im Allgemeinen und Grundnahrungsmittel im Besonderen zu schonen vermögen, zeigt sich beim Bier im Gewis-Kühlschrank: Obwohl das Haltbarkeitsdatum des guten „Flensburger“ nach den dubiosen Kriterien der regulierten BRD-Wirtschaft bereits seit Monaten – manchmal gar seit über einem Jahr – abgelaufen ist, schmeckt das Bier so spritzig wie einst im Juni (2001, beim Libertären Forum im Rheinland, siehe ef Nr. 16).

Es gibt viel zu sehen an diesem Abend, in dieser Nacht. Auf zahlreichen Monitoren laufen Filme, Interviews und Vorträge von und mit der Meisterin. Andere schöne Frauen kommen und gehen wieder. Die Bar ist stets hübsch dekoriert. Kerzen flackern. Zwischendurch choreographiert Werner Habermehl die Szenerie – in der einen Hand die Fernbedienung für Bild und Ton, in der anderen eine Zigarette. Oder einen „Bombay Crushed“. Oder seine bezaubernde Gefährtin Kathleen: Frl. Schubert führt im übrigen überaus charmant in die musikalischen Darbietungen des Abends ein.

Da ist zum einen Geff Harrison, der mit zwei agilen Tänzerinnen und Background-Sängerinnen die libertäre Gemeinde auf eine Weise spaltet, wie es vor Jahren sogar der Streit über Naturrecht versus Utilitarismus nicht vermocht hat: Haben sie oder haben sie nicht – Playback gesungen? In dieser Frage über jeden Zweifel erhaben ist Michael Kastner, der selbst kreierte anarcho-kapitalistische Lieder vorträgt. Ein Mann ganz alleine auf der Bühne mit seiner Gitarre und seiner Mundharmonika. Fast. Denn anfangs noch versuchen drei unentwegte Verkehrsrocker, die Kastner-Stücke für sich zu okkupieren – werden aber bald ausgebremst.

Viel wichtiger jedoch ist: An jenem Abend wurden die ersten anarcho-kapitalistischen Lieder in Deutschland öffentlich aufgeführt. Gerüchten zufolge soll ein Mitschnitt dieser denkwürdigen Premiere existieren. Aber auch ohne dieses akustische Dokument der Zeitgeschichte würde jene Nacht allen, die den Weg in die Tiefe gefunden haben, in ewiger Erinnerung bleiben. Zumal ja bald auch Ayn Rands „Hymne“ erscheint.


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