24. Juni 2013

Nordkorea Der vergessene Gulag

Endlich auf die Tagesordnung!

Dank Google Earth können die Konzentrationslager in Nordkorea inzwischen im Internet besichtigt werden, wenn auch nur von oben. Es sind ausgedehnte Lager in den nordkoreanischen Bergen, in denen sich nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen etwa 200.000 politische Gefangene befinden. Nach einem Vergleich mit den Fotos von vor zehn Jahren hat Amnesty International 2011 neue Bauten entdeckt. Man muss also befürchten, dass unter dem neuen Machthaber Kim Jong Un die Zahl der Häftlinge zu-, und nicht abnimmt.

Das größte der Lager, Yodok, ist 50 km breit und 40 Kilometer lang. Seine Fläche ist größer, als die von Los Angeles. Es gibt sechs solche Lager. Gemeinsam ist ihnen, dass die Häftlinge, die hinein kommen, nicht wissen, wie lange sie dort sein werden. Die meisten haben nie ein Urteil erhalten, weil sie lediglich die Angehörigen von so genannten „Staatsfeinden“ sind. Nur daran, ob man Umerziehungsschulungen absolvieren muss, kann man erkennen, ob man die Chance hat, eines Tages wieder entlassen zu werden. In Yodok sind beide Kategorien vertreten. Sie leben voneinander getrennt in verschiedenen „Dörfern“ und dürfen keinerlei Kontakt untereinander haben. Viele der Lagerinsassen sind Kinder, die in Sippenhaft genommen wurden. Sie besuchen am Vormittag eine Schule, am Nachmittag müssen sie wie die Erwachsenen Zwangsarbeit leisten. Das kann auch bedeuten, dass sie Mitgefangene beerdigen müssen.

Ab 15 Jahren gehört man zu den Erwachsenen und hat 12 bis 15 Stunden am Tag zu arbeiten. Nur wer seine Arbeitsnorm, die willkürlich festgelegt wird, voll erfüllt, bekommt die gesamte Essensration. Die ist aber so knapp bemessen, dass die gefangenen ständig vom Hunger geplagt sind und Ratten, Würmer, Schlangen, Insekten essen, um bei Kräften zu bleiben. Es steht ihnen frei, auf schmalen Beeten vor ihren Hütten Gemüse anzubauen. Dazu reicht aber in der Regel die Kraft nicht. Zweimal im Jahr wird Kleidung ausgegeben. Die hängt bald in Fetzen am Körper runter. Gegen die Winterkälte versuchen sich die Menschen mit Papier oder Plastiktüten zu schützen.

Für die vierzehntägigen Selbstkritik- Veranstaltungen zu Ehren des „Großen Führers“ Kim Il Sung, in speziellen Traditionsräumen, werden an die Kinder Socken verteilt, mit denen sie den Raum nur betreten dürfen. Es ist streng verboten, diese Socken für den täglichen Gebrauch zu benutzen, auch wenn die Kinder im strengsten Winter keine anderen haben.

Einige der Lager sind so genannte „Quarantänelager“ in den sich ausschließlich Häftlinge befinden, die nie mehr entlassen werden sollen. Hier gibt es keine ideologischen Schulungen, keine Bilder des „Großen Führers“. Die Kinder, die in solchen Lagern leben, wissen nicht mal, dass sie sich in Korea befinden. Sie heben keine Vorstellung davon, wie die Welt hinter dem Lagerzaun aussehen könnte. Dafür wissen sie genau, wie Menschen zu Tode gebracht werden, denn sie erleben nicht nur das Streben ihrer Mithäftlinge, sondern werden auch gezwungen, sich Hinrichtungen ansehen zu müssen.

Es gibt bis heute keine Resolution des UNO-Sicherheitsrates zur Menschenrechtslage in Nordkorea.  Als die EU endlich beschloss, eine Untersuchung der Menschenrechtslage in Nordkorea einzuleiten, war Deutschland das letzte Land, das zustimmte. Man wollte sich nicht von der Syrienfrage ablenken lassen.

China, Laos, Thailand und Vietnam schieben Flüchtlinge aus Nordkorea ab, obwohl alle diese Länder Mitglied der UNO sind und die UNO-Flüchtlingskonvention unterschrieben haben. Alle diese Länder sind auch Empfänger von Entwicklungshilfe aus Deutschland. Deutschland hätte wegen seiner Teilungsgeschichte besonderen Anlass, sich mit der koreanischen Frage zu beschäftigen und aktiv dabei zu helfen, die nordkoreanische Diktatur zu bekämpfen.

Deshalb haben sich die UOKG, die Union der Opferverbände der kommunistischen Gewaltherrschaft und die VOS, der Verein der Opfer des Stalinismus an Außenminister Guido Westerwelle, um ihn aufzufordern, dass Deutschland seinen Einfluss geltend macht, um die Abschiebung von Flüchtlingen nach Nordkoreas zu unterbinden.

Am morgigen Dienstag findet ab 18 Uhr eine Solidaritätsveranstaltung mit Nordkorea statt. Treffpunkt ist das Brandenburger Tor. Die Lage der Menschen im nordkoreanischen Gulag muss endlich auf die Tagesordnung!

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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