21. Juni 2013

Mises’ Jünger sind keine Miesepeter 200 Staatsfeinde in Anzug und Krawatte

Kurzer Rückblick auf die erste Jahreskonferenz des „Ludwig von Mises Institut Deutschland“

„Alle Weltreligionen bekämpfen den Neid als große Sünde. Aus gutem Grund, wird durch den Fraß des Neides doch der Fortbestand der Gesellschaft schrittweise zerstört. In der Demokratie aber wird Neid soziale Gerechtigkeit genannt und systematisch geschürt, ein Wahnsinn!“ Begeisterte Zustimmung.

„Politiker sind Nichtsnutze und Schmarotzer. Fälschlicherweise werden sie von vielen noch geachtet. Wir müssen dafür sorgen, dass Politiker zukünftig verachtet werden!“ Donnernder Beifall.

Wer sagt so etwas? Wo? Vor wem? Ein demokratiefeindlicher Spinner in einem verrauchten Keller vor ein paar runtergekommenen, wirren Anarchisten?

Ziemlich falsch. Wir lauschten aus der Erinnerung wiedergegeben der Worte des Ökonomen und Moralphilosophen Hans-Hermann Hoppe vom vergangenen Samstag. Der Professor hielt den Vortrag im reichlich vergoldeten, altehrwürdigen Krönungssaal des Luxushotels Bayerischer Hof, der ersten Adresse Münchens. Anlass war die Premiere einer Jahreskonferenz des neugegründeten „Ludwig von Mises Institut Deutschland“. Es klatschten so begeistert knapp 200 geladene Gäste in Anzug und Krawatte. Sie alle hatten für die Teilnahme an der halbtägigen Konferenz „inklusive Business Lunch“ gerade 150 Euro gezahlt – und offenbar keinen Cent davon bereut.

Keine pubertierenden Durchgeknallten also, sondern ein Heer gestandener Geschäftsleute und ein paar Professoren. Wäre eine solche Szene vor 20 Jahren in Deutschland denkbar gewesen? Vor zehn?

Die Zeiten haben sich geändert. Die täglichen Gruselnachrichten aus den politischen Kabinetten, einerlei, welche Farbe sie tragen, sind für immer mehr Macher und Denker nur noch abschreckend. Die von den Nettostaatsprofiteuren ausgebeuteten letzten Produktiven unserer neidzerfressenen Demokratie im Endstadium suchen nach Trost, Unterhaltung und neuen Antworten auf die Zumutungen des Staates und die Lügen der Medien.

Sie finden sie beim Ludwig vom Mises Institut, das die Lehren der Österreichischen Schule der Nationalökonomie in einer Radikalität in Deutschland verkündet, die für viele der Anwesenden so atemberaubend wie Erkenntnisse fördernd ist. Zum Beispiel jene, dass man gar nicht alleine ist mit seiner Meinung. Und dass man vielleicht doch nicht, wie schon befürchtet, verrückt ist, sondern vielmehr die Regierenden. Dass es Gleichgesinnte gibt, viele, die ähnlich denken.

Wer genau hinhörte, nahm nebenbei eine kleine Sensation wahr, als Professor Hoppe ausführte: „Die schmarotzenden Nettostaatsprofiteure lassen sich in drei Gruppen einteilen. Erstens die ruhiggestellte Unterschicht der Sozialhilfeempfänger – sie sind alles andere als entscheidend und mächtig. Zweitens Beamte, Staatsangestellte und Politiker – auch sie profitieren, und zwar mehr als die erste Gruppe, sind aber allesamt nur ausführend tätig. Drittens die sehr kleine Gruppe der politisch vernetzten, megareichen Plutokraten an den Spitzen von Banken oder staatsnahen Unternehmen – hier sind die Profite gigantisch, sie sind am gefährlichsten!“ War das noch Österreichische Schule? Oder schon marxistische Stamokap-Theorie? Und wie war das mit dem Neid?

Wir leben in verrückten Zeiten, in denen auch scheinbar gegensätzliche Analysen zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Vielleicht ist es doch kein Zufall, dass Sarah Wagenknecht immer mal wieder Ludwig von Mises zitiert. Am Ende ist es auch einerlei, wer von Big Business und Big Government nun die Henne und wer das Ei ist. Und ob der Staat nun Täter ist oder nur Instrumentarium zur Bereicherung, Politik ist in jedem Falle nicht die Lösung, sondern das Problem.

Hans-Hermann Hoppe war nur einer von fünf Referenten an diesem sonnigen Tag in München. Nach ihm sprachen die Ökonomen Rahim Taghizadegan, Thorsten Polleit als Präsident des gastgebenden Instituts sowie Philipp Bagus und Guido Hülsmann – einer humorvoller vortragend als der andere. Sie alle sehen im Staat den institutionalisierten Ausbeuter, das kälteste aller Ungeheuer.

Wieviel Staat er denn aber am Ende noch gelten lassen möchte, wurde Professor Hoppe in der abschließenden Fragerunde mit den Referenten gefragt. „Null Prozent“, antwortete er bestimmt, „aber vielleicht ist einer der Mitstreiter ja anderer Meinung?“ Die vier schwiegen und lächelten vielsagend. Die radikale Botschaft wolle man weiterhin mit guter Laune verbreiten, schließlich seien sie alle keine Miesepeter.

Und da war er wieder, der donnernde Applaus von knapp 200 gut gekleideten Marktradikalen, deren sommerliche Stimmung sich mit dem Ende dieser Frischzellenkur fast zur Euphorie gesteigert hatte. Oder mit den Worten des Sängers der letzten Zeitenwende: The times they are a-changin’.

Internet

Ludwig von Mises Institut Deutschland


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