17. Juni 2013

Geldpolitik Mehr Eisberge, damit der Schiffsverkehr sicherer wird

Lasst uns Europa cosanostrieren!

Der Berliner Ökonom Michael Burda fordert lautet „Wirtschaftswoche“ ein europäisches Zentralbankensystem nach dem Vorbild des kriminellen Fed-Kartells. Vermutlich, weil das Federal Reserve System so prima funktionierte und in der Zeit seines Bestehens der Dollar läppische 95 Prozent seines Wertes verlor. Wer solche Ökonomen hat, braucht keine Feinde mehr. Laut „WiWo“ verspricht sich Burda davon „eine neutrale und von den Nationalstaaten und ihren Regierungen unabhängige Kreditvergabe und Geldpolitik“. Mit anderen Worten: Super, dann können diejenigen Banker, die nach „supranationaler Souveränität“ streben (lies: Wir wollen im Rahmen unseres Geldmonopols völlig ungehemmt und über die Köpfe von Milliarden Menschen hinweg verdammt nochmal das tun und lassen können, was uns gefällt), erst so richtig losschlagen. Schade, dass Burda, der an der Humboldt-Universität lehrt, bisher wohl nicht bereit war, sich mit den geschichtlichen Fakten der Entstehung und des Wirkens des Fed-Systems auseinanderzusetzen. Sind die Dokumente in der „Library of Congress“, der Bibliothek des US-Kongresses, die eine Fülle historischen Beweismaterials bereithalten, auf dessen Basis sich jeder engagierte Wirtschaftshistoriker über die alles andere als freimarktwirtschaftlichen Absichten dieser mafiösen Vereinigung informieren kann, neuerdings etwa alle populistische Fälschungen? Dokumente – zum Beispiel Protokolle von Kongressanhörungen vor allem aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts –, die eindeutig belegen, dass die zwölf Banken des Fed-Systems keineswegs unabhängig sind (und dies übrigens auch nie sein sollten, von Anfang an nicht).

Ebenso fraglich ist, warum selbst Akademiker immer noch, trotz der erdrückenden Last eindrucksvoller geschichtlicher Gegenbeweise, an das Märchen vom herrschaftsfreien Raum glauben. „Unabhängig“ von Nationalstaaten und ihren Regierungen heißt ja nur: in den Händen anderer. Aber wer sind dann diese anderen? Kann man ihnen bedingungslos vertrauen? Werden sämtliche Direktoren dieser Banken von heute bis zum Sanktnimmerleinstag absolut unbestechliche Charaktere sein? Auf welchem Garantieschein lässt sich nachlesen, dass diese Banken stets eine makellose, ausschließlich wirtschaftsverträgliche, sinnvolle Geldpolitik betreiben werden? Welcher Ufologe wäre bereit, mich mit den klügsten Köpfen einer weit überlegenen außerirdischen Zivilisation bekannt zu machen, die nach so hohen ethischen Maßstäben handeln, dass etwaige Fehler, vielleicht gar fatale Fehler, wie sie die Fed in den USA schon seit geraumer Zeit und zum Nachteil nicht nur der amerikanischen, sondern der Weltwirtschaft begeht, mit absoluter Zuverlässigkeit vermieden werden? Offensichtlich reichen selbst 100 Jahre Federal Reserve – leider kein Grund für Festivitäten, ganz im Gegenteil  –  noch immer nicht, um manchen die Augen zu öffnen. Von den – milde formuliert – „unerfreulichen“ Erfahrungen mit der EZB,  an deren Spitze bekanntlich ein völlig neutraler, unabhängiger Wall-Street-Agent sitzt, ganz zu schweigen. Statt das Falschgeldmonopol und seine sich heuer mit atemberaubender Geschwindigkeit immer deutlicher abzeichnenden verheerenden Auswirkungen auch auf Millionen von Menschen in Europa in Frage zu stellen, fordert Burda auch noch eine Ausweitung seiner Befugnisse, seines Machtbereichs. Oder anders ausgedrückt: Um Desaster wie den Untergang der Titanic in Zukunft nach Möglichkeit zu vermeiden und den Schiffsverkehr sicherer zu machen, müssen wir mehr Eisberge nach dem Vorbild der Fed schaffen! Stehende Ovationen! Bravissimo!

Link:

„Wirtschaftswoche“: Ökonom Burda will Bundesbank abschaffen


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