22. März 2013

Friederike Beck Über die Atlantik-Brücke musst Du gehen

Junge Führer schlüpfen aus den transatlantischen Netzwerken

Wulff, Guttenberg, Özdemir, Koch-Mehrin, Bulmahn... Die Liste der Alumni des „Young Leaders“-Programms der Atlantik-Brücke e.V. ist lang. Und die Mitgliederliste dieses Vereins zum Zwecke des Gemeinnutzens liest sich wie das Wer-ist-Wer der deutschen Politik-, Wirtschafts- und Medienlandschaft: Gauck, Merz, Friedman, Kopper, Ponto, Genscher, Rühe, Scharping, Barschel, Göring-Eckhardt... Doch zu wessen Nutzen beratschlagen sich regelmäßig diese Brückenbauer? Friederike Beck hat zu diesem Thema gründlich recherchiert. Ihre Ergebnisse präsentierte sie am vergangenen Sonntag auf dem Kongress der Sven Hermann Consulting in Fulda.

Ihren Anfang nahm das transatlantische Netzwerk schon im letzten Weltkrieg, als die elitäre Gemeinschaft Deutschlands radikal umgewälzt werden sollte, so Beck. Nicht nur Hitler-Getreue, auch Stauffenberg, seine Mitverschwörer gegen das braun-sozialistische Regime und seine detaillierten Pläne zur politischen Neuausrichtung wurden systematisch von den Alliierten sabotiert. Die Folgen waren eklatant: Holocaust, Bombenkrieg, Vertreibung. Den Machtspielchen der Gottspieler wurde nicht nur Steinchen Stauffenberg aus dem Weg geräumt. Nach dem Krieg setzte die mediale Denunziation deutscher Wortführer dann das fort, was kriegerische Mittel zuvor begonnen hatten. Auch hier verbrannte Erde. Neue Eliten konnten auf diesem Grund prächtig gedeihen. Zahlreiche amerikanische Stiftungen sprangen nun in die offene Lücke. Ford, Fulbright, Stone, CIA, Aspen Institut, American Council on Germany: Die Umerziehung begann. Berühmt-berüchtigt geworden ist aus dieser Zeit der „Kongress für kulturelle Freiheit“. Unter seinem Banner durften Schriftsteller wie Böll und Lenz, finanziert von der CIA, durchaus ihre linke Gesinnung nach außen kehren. Aber letzten Endes fochten auch sie einen Kampf gegen USA-Skeptiker wie Thomas Mann. Dem Kongress entsprang auch der Trotzkist Melvin Lasky, der Begründer des antikommunistischen „Monats“.

Auch die „Young Leaders“-Programme wurden schon in den 1950er Jahren begonnen. Bis in die heutige Zeit dürfen sich hier jährlich 30, von Granden der US-Politik auserwählte, deutsche Jungpolitiker Hoffnungen auf höchste Ämter in der Bundesrepublik machen. Jedes Jahr treffen sie sich mit 30 amerikanischen Genossen. „Beratung der Eliten“ und „Pflicht zur Netzwerkarbeit“ liest man in den Lehrrichtlinien der Führerausbildung. Vor allem Politiker von CDU, FDP und den Grünen geben sich die Klinke in der Geschäftsstelle der Brücke in die Hand. Im Vergleich zu anderen transatlantischen Klubs agiert dieser Verein jedoch recht transparent, löscht nicht regelmäßig Jahresberichte von den eigenen Internetseiten. Vielmehr stellt er gar hippe Videos von den Konferenzen der jungen Führer ins Netz. Doch warum sieht man diese meist nur von hinten?

Friederike Beck lieferte in ihrem Vortrag auf dem Fuldaer Kongress der Sven Hermann Consulting ein eindrückliches Bild der transatlantischen Eliten. Ihrem dazugehörigen Buch „Das Guttenberg-Dossier“ sei an dieser Stelle ein wenig Werbung gegönnt.

Link

Die hippen jungen Führer

Buch „Das Guttenberg-Dossier“


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