05. Februar 2013

2013 Erste Überwachungsaufnahmen eingetroffen

Der Rundflug der Pressedrohne durch den Januar lieferte nur wenig Neues

Wir schreiben das Jahr 2013 – und in deutschen Puppenstuben werden lechzextremistisch-radikalfeministische Wortsalate angemacht. Grund: Deutschland musste schockiert dabei zusehen, wie eine Journalistin sich die Brüste verkleinern lässt, weil sie die Wettbewerbsverzerrung nicht mehr ertrug und die blöden Machosprüche über ihre weiblichen Reize nicht mehr erdulden wollte: „Du, ist das alles echt oder Quantitative Easing? Öhö.“ Nachdem die Gendergleichschaltungs-Taliban_innen ihren Amoklauf absolviert hatten, erschöpft über einer Mao-Biographie einschliefen und nebensächliche Probleme sich nun wieder verschämt ins Blickfeld zurückgeschoben haben, traut sich auch das stereoskopische Sehen wieder was.

Zunächst eine Meldung aus der Welt der Schizophrenieforschung: Peerela Steinerkel führt weiterhin merkwürdige Selbstgespräche vor dem Spiegel, erlaubt ihrer gespaltenen Persönlichkeit nur ein TV-Duell und wiederholt unablässig den Satz, bei einem Wahlsieg alles anders machen zu wollen als sie selbst. Ein Teil ihrer Persönlichkeit gibt sich hansguckindieluftig-tolpatschig, der andere wirkt dadurch sicherer. Dann plaudert Brüssel dummerweise auch noch aus, man wünsche sich eine Wiederwahl Merkels. Der Verdacht eines doppelten Bodens erhärtet sich. Mission accomplished: Sogar viele SPD-Wähler würden Angeleer Peerela vorziehen. Bis zur Wahl der Qual im September ist es aber noch etwas hin, also Vorsicht: Je nachdem, wie die Wunschkandidatin sich in den nächsten Monaten den Euro um die Ohren schlägt und wie lange das „Gesetz zur Deckelung des Unmuts von Steueropfern durch Installation von Populismus-Warnmeldern in deutschen Pressebetrieben“ die Unzufriedenheit noch abzuschmelzen in der Lage ist, sind durchaus noch Moodswings drin.

Plötzlich springen einige knallgrüne und -rote Frösche durchs Bild. Wir wollen die Vermögen über höhere Klippen steuern, um beim Fallen etwas mehr Zeit zu haben, quaken sie, die knallroten fordern gar 100 Prozent Besteuerung für Reiche, um die Leiche im ideologischen Keller unauffälliger einbuddeln zu können. Die bekannte Banca Monti e Draghi di Goldman hat schon wieder aus italienischen Steuertöpfen genascht, aufmerksame Beobachter schauen gähnend auf den Sekundenzeiger: 21, 22, 23 – der nächste Skandal, mal gucken, vielleicht in Frankreich, Deutschland, Spanien oder so – 24, 25, 26 – und noch einer – 27, 28 ... Vlad Mario Dracul teilt der politischen Elite mit, nun hätten die Ökonomen das Sagen, da sollten sie sich mal gar keinen Illusionen hingeben, ganz so, wie David Rockefeller, alter Haudegen der US-Finanzaristokratie, es schon vor vielen Jahren erträumte: „Die supranationale Souveränität einer intellektuellen Elite und Weltbankiers ist der nationalen Selbstbestimmung vergangener Jahrhunderte sicher vorzuziehen.“ Ob der augenblickliche Zustand der Welt, auch eine Folge eben dieser elitistischen Haltung, solches Gedankengut attraktiver macht?

Währenddessen wird das von supranationaler Top-Ökonomen- und Bankerautorität mittels Geldblasebälgen aus Versehen angefachte wirtschaftliche Ungemach nicht mehr nur am Hindukusch, sondern jetzt auch in Timbuktu verteidigt. Weitere afrikanische Koordinaten werden wahrscheinlich folgen. Also, warum genau sind wir nochmal dort? Der Präsident der Vereinigten Staaten betritt das Podium. „My fellow Americans!“, hebt er an, um etwaige Zweifel an den Operationen des Geheimkommandos „Clever & Smart“ zu zerstreuen, das vor den Auseinandersetzungen dort monatelang Flyer verteilte – „Schreckgespenster-Kostüme für große Halloween-Party gesucht!“ –, um sogleich wieder innezuhalten. „Momentchen, ich muss mal kurz zum anderen Teleprompter rüberschauen ... Darling, könntest du bitte den Kontrast justieren, ich kann den Text ja kaum lesen ... danke, viel besser ... also wir sind in Mali, um ...“, er kneift die Augen zusammen, „... ach ja, ich erinnere mich, etwas gegen den internationalen Terrorismus zu unternehmen!“ Der Mediennachwuchs schlingt die von Papavogel Obama und seinen europäischen Chicken Wings vorgekauten Würmer und Trojaner gierig hinunter, um das Zeug kurz danach über Tastaturen wieder auszuscheiden. Als zahlreiche Bürger sich daraufhin über den penetranten Kotgestank an Kiosken beschweren, wiegelt man offiziös ab: „Ihr täuscht euch, es handelt sich um eine Verschwörung eurer Geruchsnerven.“

Clever & Smart hatten gute Vorarbeit geleistet. Danach steuerten sie ihren Wagen in einen Fluss, um sich von der afrikanischen Hitze bei einem kleinen Erfrischungsbad zu erholen. Wir wollen es den vor den Mattscheiben Mitfiebernden aber nicht zu leicht machen – gute Krimis müssen spannend sein! Also sprintet zunächst mal François Hollande vor – CEO von Frankreich und Werbeträger für Africola, oder wie das heißt – demjenigen Land, das zu den größten Atomstromexporteuren Europas gehört –, um das im Norden des ungerührt geschüttelten Landes lagernde Uran humanitär zu befreien. Also ab vor die Tür und Muskeln zeigen, um von den Inkassobeamten im Wohnzimmer abzulenken, die gerade das Mobiliar pfänden. Alte Bauernregel: Ist die Scheune gähnend leer, fällt das Morden halb so schwer. Kurz darauf springt ein Kätzchen aus dem Sack: Wir glauben, es wäre besser für unser aller Sicherheit, wenn wir eine kleine Drohnenbasis in Afrika errichten. Die Dinger sind billiger als schweres militärisches Gerät oder Truppen und töten kann man damit auch.

Schwenk nach Mali. Im Hintergrund sausen Kugeln durch die Luft, hin und wieder erschüttern Explosionen den Äther, schweres Gerät fährt vorbei (unter dem militärischen Fuhrpark meint man auch einige Maschinen zum Ressourcenabbau zu erblicken), im Vordergrund beschäftigt man die Kleinen mit einem Kasperletheater: Marionetten mit lustigen Namen wie „Rebell“, „Islamist“ oder „al-Qaida“ verteilen Backpfeifen und werfen mit Juckpulver. Die Kleinen schmunzeln unsicher, weil sie nicht wissen, ob sowas wirklich zum Lachen ist. Die Großen lachen gar nicht. Nicht, weil sie keinen schwarzen Humor hätten. Sondern wissen, wer das Theater kofinanzierte und die Pointen schon kennen.

China, Russland, Indien, Singapur und einige andere Länder machen derweil massiv in Gold. Auch Deutschland möchte das sonnengleich schimmernde Metall zurückholen. Warum? Sie hatten den weltweit bekannten Hellseher Ben Bernanke um eine Auskunft über die Zukunft der aktuellen Papierwährungen gebeten. Der teilte ihnen nach einem Blick in seine Glaskugel und auf einen Stapel Tarot-Karten mit: „Seht ihr die oberste Karte? Den Joker, der auf einem Bein steht und auf einer Flöte mit der Aufschrift ‚Made in Hameln‘ spielt? Das bedeutet, dass unsere geldpolitischen Stabilisierungsmaßnahmen greifen werden.“ Die anderen bedanken sich artig für seine Prognose, nicken lächelnd, klopfen ihm anerkennend auf die Schulter, drehen sich um und flüstern beim Verlassen der abgewetzten Tanzfläche: „Was‘n Blödmann.“

Wenn das Gedudel dann stoppt, werden alle wie verrückt zu den Stühlen rennen, deren Zahl in etwa derjenigen der Rettungsboote auf der Titanic entspricht. Salz- und Eiswasser wird in Kehlen fließen. Schluck! Die Verantwortlichen werden dann behaupten, sie hätten von nichts gewusst. Ihre Chronisten werden parfürmierte Wortgirlanden dranhängen, so wie damals. Leitjournalisten werden sagen, sie hätten schon immer gewusst, auch vorher keine Ahnung gehabt zu haben und sich darum bemühen, die Jukebox wieder zum Laufen zu bringen. Die aber wird ein Lied spielen, das ihnen nicht gefällt: „You're nothing but a hound dog, cryin' all the time. Well you ain't never caught a rabbit, and you ain't no friend of mine. When they said, you was high classed, well, that was just a lie. When they said, you was high classed, well ...“ Oma Malte wird nach einem Blick auf ihr Konto sagen: „Sachtma habter mich schon wieder beklaut? Da hat doch eindeutich einer reingelangt!“


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