28. Januar 2013

Trink, Brüderle, trink Der alte Mann und das Heer ...

... der Blöden

Wer geglaubt hat, es könne nach all den negativen Schlagzeilen über Haushalte von Ländern und Kommunen, über den Zustand von EU und Euro, über die kaltblütige, vorsätzliche Verarmung europäischer Völker durch entweder skrupellose oder zwar gutmeinende, aber schlecht denkende Politiker und diverse Bankenmafiosi, über Abermillionen arbeitslose europäische Jugendliche, denen autistisch-selbstvernarrte Planwirtschaftler Mühlsteine um die Zukunft hängen, die zahllosen Todesopfer im Rahmen eines nunmehr elf Jahre währenden Weltkrieges gegen selbstinszenierten Terrorismus zum Schutze von Demokratie und Freiheit (lies: Oligarchie und Feigheit), es könne nicht mehr schlimmer kommen, der hat sich gründlich geirrt. Es kann.

Denn nun kam heraus, dass Rainer Brüderle einer Journalistin Komplimente über ihren Busen machte. Verständlich also, wenn derzeit heiße Diskussionswellen durch Twitter und Facebook schäumen, als handele es sich um virtuelle Espressomaschinen, dass leidenschaftlich diskutiert wird über ein so frauenverachtendes, chauvinistisches, sexistisches und abstoßendes Verhalten. Was in anderen, keineswegs weniger zivilisierten Ländern noch als „Flirt“ durchgeht (auch wenn Brüderles Annäherungsversuche laut der Darstellung Fräulein Himmelreichs zugegebenermaßen nicht sonderlich originell gewesen zu sein scheinen, aber das ist ja noch kein Verbrechen), gilt im geschlechterpolitisch hysterisierten und militarisierten Hetzsprech unserer geistig gründlich depravierten Breiten sofort als Sexismus und Zudringlichkeit.

Dabei hätte es schon genügt, sich zu diesem „Fall“ nur eine einzige Frage zu stellen: Warum macht eine Journalistin sowas erst nach einem Jahr publik? Wenn es sie doch so sehr gestört hat, von einem Mann „belästigt“ worden zu sein, wenn sie sich als Frau herabgesetzt und gedemütigt fühlte? Warum wartet sie damit so lange, bis die Partei des Übeltäters dessen Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl bekanntgibt? Die Antwort lautet natürlich: Weil es sich um eine strunzdumme Gossenkampagne handelt, der nur hoffnungslose Fälle auf den Leim gehen. Da solche Petitessen und Lächerlichkeiten in den letzten Jahren an inszenatorischer Dramatik kräftig zugelegt haben, bleibt mir leider nichts anderes mehr übrig, als gewissen Verschwörungstheoretikern recht zu geben: Da ist doch eindeutig was im Trinkwasser. Irgendeine Substanz, die langsam und schleichend zur Denaturierung von Hirnsubstanz führt. Anders lassen sich solche grotesken Dummheiten beim besten Willen nicht mehr erklären.

Vor allem, wenn sie von einem Qualidaidsmagazin wie dem „Stern“ kommen, das „Sexismus!“-Warnschilder regelmäßig von nackten Models auf dem Titelblatt hochhalten lässt. Ein ganz wichtiger Punkt, an dem meine Hauptkritik ansetzt. Denn ich fühle mich als Mann in meiner Würde herabgesetzt, gedemütigt und diskriminiert, wenn man mich behandelt wie einen Versuchsschimpansen in einem Labor. Man klebt mir Elektroden an Schläfen, Brust und Genitalien, zeigt mir Frontseiten mit wohlgeformten Weibchen und misst die Öffnungsweite meiner Brieftasche, prüft, ob Kauflusthormone freigesetzt werden. Tut mir leid, das ist mir zu billig. Erwartet man ernsthaft, dass ich auf sowas hereinfalle? Oder auf den beliebten Trick, in Diskussionsrunden zur Diskreditierung politisch unerwünschter Meinungen attraktive Damen auf die Contrabank zu setzen in der naiven Hoffnung, schon durch ihr ansprechendes Äußeres erhöhe sich meine Akzeptanz ihrer Argumente? Wie doof. Und vor allem: wie sexistisch.

Es freut mich allerdings zu sehen, dass es in Deutschland keine wirklich großen Probleme gibt, so dass man sich im Himmelreich der Dichter und Denker ganz solchen Belanglosigkeiten hingeben kann. Ein bisschen Spiel und Spaß kann ja nicht schaden, bevor der Ernst wieder hereinbricht.

Also: Trink, Brüderle, trink. In einem zunehmend bescheuerten Umfeld darf man ruhig zur Flasche greifen. Auch Goethe soll viel getrunken haben. Kein Wunder: intelligenter Mensch.


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