Axel B.C. Krauss

Axel B.C. Krauss, Jahrgang 1968, ist freier Journalist und lebt in Berlin.

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Diskussion um privaten Waffenbesitz: Gelegenheit macht Triebe

von Axel B.C. Krauss

Ein neuer Aufkleber muss her!

Im Gekreische um ein mögliches Verbot privaten Waffenbesitzes in Deutschland bin ich versucht, einen Aufkleber speziell für Dienstwagen von Politikern zu fordern:  Vorsicht, Idiot an Bord! Zwar könnte hier auch der bekannte Sticker „Baby an Bord!“ seinen Zweck erfüllen, allerdings empfände ich eine solche Verwendung als diskriminierend, da selbst Kleinkinder zweifellos zu höheren kognitiven Leistungen fähig sind als mancher deutsche Staatsbeamte.

So gewährte Grünen-Chef Cem Özdemir den Bürgern im Rahmen der durch das „Newtown-Massaker“ ausgelösten Diskussion um schärfere Waffengesetze wieder einmal tiefe Einblicke in seine hochkomplexen Denkstrukturen, in denen man, die nötige Beobachtungsgabe vorausgesetzt, mit viel Glück auch mal das eine oder andere Neuron einsam feuern sieht. „Auch wenn die deutsche Waffenlobby etwas anderes behauptet: Schusswaffen sind zum Töten gemacht“, so erleuchtete die grüne Friedenstaube die deutsche Öffentlichkeit. „Sie haben in unseren Häusern und Wohnungen nichts zu suchen.“

Eine bestechende Logik. Waffen sind zum Töten gemacht! Bevor es irgendwelche Missverständnisse gibt: Ich bin weder Waffennarr, noch werde ich für diesen Artikel von der Waffenlobby bezahlt, noch befürworte ich Selbstjustiz. Ich finde es traurig genug, dass es überhaupt noch Waffen gibt – und glaube, dass mir die meisten Menschen darin wohl sofort zustimmen würden. Allerdings bin ich auch kein weltfremder Träumer und weiß sehr genau, dass es Situationen geben mag, in denen sich ein Mensch möglicherweise nur durch Androhung von Waffengewalt gegen einen oder mehrere Angreifer wehren kann. Was übrigens noch keinen zwangsläufigen Einsatz der Waffe nach sich ziehen muss.

Denn ob Özdemir, Mitglied einer Partei, die in der Vergangenheit relativ wenig Probleme damit hatte, so manchem recht fragwürdigen Einsatz militärischer Gewalt auf Basis zum Töten gemachter technischer Hilfsmittel letzlich doch zuzustimmen, es nun glaubt oder nicht: Manchmal können Waffen tatsächlich der Verteidigung dienen, einer höflichen, aber bestimmten Androhung von Frieden – wenn ihr meint, mich zu fünft oder sechst ins Koma prügeln zu müssen, wundert euch bitte nicht, falls eure atavistisch-primitiven Intentionen sich einen Bleischnupfen holen. Wie gesagt: Es muss deshalb noch lange nicht zwangsläufig zu Toten kommen. Trotz der laut Friedensforscher Özdemir behaupteten, allen Schusswaffen angeblich innewohnenden und unvermeidlichen Tötungsabsicht hängt es vom Menschen am Abzug ab, ob diese innere Logik der Waffe Realität wird. Oder vom Politiker, der ihren Einsatz in fremden Ländern beschließt.

Darüber hinaus finde ich es etwas merkwürdig, dass trotz der circa 17 Millionen registrierten Schusswaffen in Deutschland die Leichenschauhäuser noch immer nicht überquellen oder Tausendschaften vor lauter Ermittlungsanstrengungen zusammenbrechender Kriminalbeamten die Schlagzeilen füllen. 17 Millionen registrierte Waffen – müssten die Nachrichten nicht Tag für Tag von wilden Schießereien auf offener Straße berichten, von sich gegenseitig an die Gurgel gehenden Waffenbesitzern, die alles niederschießen, was sich ihnen in den Weg stellt? Anders gefragt: Könnte es sein, dass Gelegenheit typisch politische Triebe macht? Ob da möglicherweise auch wieder etwas Alarmismus, Hysterie, Panikmache und vor allem die übliche moralische Bonusmeilensammelei des einen oder anderen gewissenlosen Politikers eine Rolle spielt, den ich selbst in einem Raum voller Uhren nicht um die Zeit bitten würde? Gibt es tatsächlich skrupellose Charaktere, die Tragödien wie diejenige in Newtown schamlos ausnutzen, um sich vorweihnachtsgerecht als Wiedergänger messianischer Menschheitserlöser zu gerieren – wahrlich ich sage dir, bei der nächsten Wahl wirst du mir deine Stimme geben? Pfui?

Man kann über solche Fragen natürlich lange und breit diskutieren; es ist aus meiner Sicht wie gesagt deprimierend genug, dass Menschen sich in dieser Welt überhaupt noch bewaffnen oder dies vielleicht sogar müssen, ganz gleich aus welchen Gründen. Es geht mir hier um etwas anderes. Denn der brillanten Argumentation Özdemirs zufolge, Waffen seien per se zum Töten gemacht und schon deshalb verurteilenswert, müssten sie ja konsequenterweise nicht nur, wie vom grünen Friedensguru lautstark gefordert, privaten Haushalten verboten werden, sondern im Prinzip – nein, das ist keineswegs zu einfach gedacht – auch sämtlichen offiziellen und inoffiziellen Armeen sowie paramilitärischen Einheiten dieser Welt.

Ja wie? Oder soll nur der Staat das Recht haben, Waffen zu besitzen und ihren Einsatz zu genehmigen, damit die Söhne und Töchter anderer Menschen sich für verlogene Kriege an irgendeiner Front totschießen lassen können? Wo sie, wie die jüngere Vergangenheit auf sehr tragische Weise bewiesen hat, keineswegs für die Demokratie in die Flugbahnen diverser Kugeln laufen, für die nationale Sicherheit oder gar das Leben ihrer Nächsten, ihrer Angehörigen, Eltern oder Liebsten, sondern für ganz andere Interessen? Dürfen nur die militärisch-industriellen Komplexe von Staaten Waffen en masse in anderen Ländern abfeuern, weil ihre Fiat-Währung an Spannkraft verliert oder man dort schmackhafte Ressourcen entdeckt hat? Warum sollte ich als Privatmensch per staatlichem Dekret in Erfüllung anderer, meistens älterer und sehr viel reicherer Männer, die ich zudem nie kennengelernt habe, an der Pflicht sterben wollen? Ergibt es irgendeinen Sinn, Privatmenschen Waffenbesitz zu verbieten, während man staatlicherseits mit Waffengewalt den Opiumhandel schützt, der jährlich etwas über eine Billion Dollar abwirft – Geld, mit dessen Hilfe dann Waffendeals finanziert werden, um Demokratie- und Freiheitsfreunde und Menschenrechtler aller Couleur auszurüsten, die andernorts für Tausende von Toten sorgen?

Solche Fragen scheinen mir noch lange nicht zufriedenstellend geklärt zu sein; zudem fällt mir ihre Beantwortung zunehmend schwerer. Immer, wenn ich an einem Spirituosenregal vorbeilaufe, bin ich versucht, mich reichlich einzudecken, um die geistige Notdurft aus den Wortverklappungsluken mancher deutschen Politiker überhaupt noch ertragen zu können. Übrigens nicht nur deutscher, aber das dürfte sich von selbst verstehen, geht es doch gerade um Politik. Ich möchte mich hemmungslos besaufen angesichts einer sogenannten zivilisatorischen Übereinkunft, die privaten Waffenbesitz als gefährlich und irrational einstuft, staatlichen Massenmord aber als rational und den Interessen der „öffentlichen Sicherheit“ dienend. Ich kann nicht mehr. Der Schwachsinn scheint wirklich keine Grenzen mehr zu kennen, die Verblödung ist so weit fortgeschritten, daß ich verzweifelte Briefe an Gentechniker schreiben möchte mit der Bitte, den durchschnittlichen Intelligenzquotienten um 50 Punkte anzuheben.

Staaten – darunter auch Deutschland – dürfen mit Waffen (Granaten, Gewehren, Luftabwehrraketen, Panzern, U-Booten) dealen und sie in alle Welt exportieren, aber für Privathaushalte sollen sie tabu sein? Lasst ihr mir wenigstens das kleine Spielzeug-U-Boot für die Badewanne? Dem Einzelnen soll verboten werden, seine persönliche Freiheit und seine Menschenrechte in einer Notsituation eventuell auch mit der Waffe verteidigen zu dürfen, weil er in einer solchen oftmals kaum mehr Zeit hat, die Ankunft von Schupos abzuwarten, also Menschen, die vom Staat eingestellt wurden, um seine Sicherheit zu gewährleisten? Gehören Waffen also nur in staatliche Hände, die dann damit, gut getarnt durch geheimdienstliche Mythomanie und massenmediale Hirnwäsche, garantiert rein humanitäre Ziele verfolgen? Ernsthaft? Wenn laut polizeilicher Kriminalstatistik die Zahl der registrierten Straftaten mit Schusswaffen in Deutschland seit Jahren rückläufig ist, die Zahl der völkerrechtlichen Straftaten von EU-Staaten und anderen Satansbraten aber friedensnobelpreisverdächtig stark zunahm und Leichenberge produzierte – mutet das nicht zumindest etwas merkwürdig an, vielleicht gar paradox?

Bitte, Herr Özdemir – erklären Sie‘s mir. Ich bastele derweil weiter am neuen Aufkleber.

20. Dezember 2012

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