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Athanasios die Glosse: Zirkus um „Zigeuner“-Jungevon Athanasios Wirklichkeit wird der Sprache nicht gerecht Die Gerechtigkeit in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht, jedenfalls in der Sprache. Zigeuner heißen nicht mehr „Zigeuner“, sondern „Sinti und Roma“, was mit sich bringt, dass man jetzt immer fragen muss: „Sinti oder Roma?“, bevor man etwa die Dame zur Anzeige bringt, die einem die Handtasche gestohlen hat. Gut umgehen lässt sich das mit der Wendung „ein Vertreter der Sinti und Roma“. Ein solcher wird bald in den Rundfunkrat des SWR gewählt, an Stelle des rheinland-pfälzischen Regierungsvertreters. Ein anderer, elfjähriger ist kürzlich mit dem Transporter der Zirkusfamilie getürmt, in die ihn das Jugendamt Hamburg-Mitte zur Pflege gegeben hatte. Jetzt ist er verschwunden, und Deutschland streitet darüber, ob es gerecht ist, einen kleinen Sinti oder Roma in den Zirkus zu stecken, nur weil er schwer vermittelbar ist. Vielleicht wollte das Amt den kleinen Jeremie seiner Herkunft entsprechend aufwachsen lassen. Wie seine drogensüchtige Mutter berichtet, musste er Treibstoff klauen und in einem unbeheizten Wagen schlafen. Sie sagt auch, ihr Junge sei im Zirkus geschlagen worden – während in der Zeitung steht, die Großeltern hätten ihn geschlagen. Das Problem bei Streitigkeiten unter Minderheiten ist, dass alle Beteiligten so glaubwürdig sind, dass man keinem etwas nicht glauben mag. Ich glaube nur eins, und zwar der „Bild“: Jeremie musste Feuer schlucken. Immer noch besser als Feuerwasser. Ein Journalist hat neulich auf dem Online-Epitaph der „Frankfurter Rundschau“ beklagt, dass noch nicht allen NS-Opfern Gerechtigkeit widerfahre: „Was ist mit dem Erinnern an die ‚Asozialen‘, die seit 1933 stärker verfolgt wurden? Was mit der Würdigung des Leidens von religiösen Minderheiten wie den Zeugen Jehovas?“ Der Regierungsvertreter aus Baden-Württemberg muss ja seinen Platz im Rundfunkrat auch noch räumen. Der Platz neben Jeremie ist frei. Gesucht wird ein Clown oder Feuerspucker, für die Quote. 24. November 2012 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. Gebauer, Jörg Guido Hülsmann, Michael Klonovsky oder Frank Schäffler schreiben jeden Monat exklusiv in eigentümlich frei. Testen Sie ein Magazin, das über das Angebot auf ef-online hinausgeht. Diesen Artikel teilenAnzeigen |
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