Mario Fleischmann

Mario Fleischmann, Jahrgang 1990, studiert Ressortjournalismus in Ansbach, erstellte die Internetseite Mises-media.de und arbeitet derzeit als Praktikant für eigentümlich frei.

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Betreuungsgeld: Kita für alle?

von Mario Fleischmann

Schweigegeld für Mütter

Der Psychologe und Philosoph Dr. Stuart Shanker hat die Gehirnentwicklung des Kindes untersucht und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass Kinder zu 80 Prozent „ungeformt“ sind. Das heißt, dass es vor allem auf die Umwelt ankommt, damit sich das Gehirn gesund entwickeln kann. Die wichtigste Zeit dafür sind die ersten zwei bis drei Lebensjahre, in denen das Wachstum der Synapsen enorm ist. Damit sich das Gehirn richtig entwickelt, scheint es äußerst wichtig zu sein, dass das Kind eine Hauptbezugsperson hat. Die Synapsen bilden sich durch die Interaktion mit ihr. Dabei dient die Hauptbezugsperson als eine Art „externes Gehirn“. Nur durch die liebevolle Interaktion kann das Kind lernen, sich in der Welt zurechtzufinden, kognitive Fähigkeiten erwerben, vor allem aber auch emotionale und soziale. Hat das Kind genug Kontakt mit der Bezugsperson, wird es „selbst-regulierend“, wie es Shanker nennt. Es ist aufmerksam, interessiert, sozial kompetent und fähig, sich Dinge selbst beizubringen. Ist der Kontakt mangelhaft, weil die Person entweder zu wenig beim Kind ist oder unfähig, auf die Bedürfnisse des Kindes einzugehen, entstehen psychische und kognitive Störungen, die sich immer weiter verstärken, da das Umfeld das Kind so behandelt, als wäre es ein normal entwickeltes Kind. Die Verbindungen im Gehirn für soziale Kompetenz, Aufmerksamkeit und Interesse haben sich aber schlicht nicht gebildet. Wenn das Umfeld zum Beispiel in der Schule verlangt, dass sich das Kind benimmt und aufmerksam zuhört, und mit Bestrafung droht, ist das in etwa so, als würde man von einem Einbeinigen verlangen, zu rennen. Das Kind schottet sich noch mehr ab. Das Resultat sind Problemkinder, die nicht in der Lage sind, Empathie zu empfinden, sich Wissen anzueignen oder sozial mit anderen umzugehen.

In anderen Worten: Jeder, dem sein Kind etwas bedeutet, sollte darauf verzichten, es mit einem Jahr in eine Kita zu stecken. Und eine Gesellschaft, die ihre Kinder – staatlich subventioniert – früh von ihren Eltern trennt, schafft sich ein großes Problem. Momentan zwingt der Staat die Menschen Geld zu bezahlen, filtert es durch eine ineffiziente Bürokratie, in der für gewöhnlich ein Drittel versickert und „garantiert“ dann einen Kitaplatz für die Kinder. Die Eltern – gebeutelt von drakonischer Besteuerung des allumfassenden „Von-der-Wiege-bis-ins-Grab“-Wohlfahrtsstaates – sind gezwungen, ihr Kind in die Kita zu geben, um selbst möglichst schnell wieder arbeiten zu können. Natürlich ist nicht jeder darauf angewiesen, aber der Anreiz besteht. Vorausgesetzt, die Kita-Planwirtschaft hat es geschafft, am Wohnort genügend Plätze bereitzustellen.

Das Dilemma lässt sich einfach und effizient lösen: Steuern streichen und den Menschen ihr Einkommen lassen, damit sie es sich leisten können, ein paar Jahre auf die Arbeit eines Elternteils zu verzichten. Wer nicht ganz so viel Wert auf sein Kind beziehungsweise die Erkenntnisse von Dr. Shanker legt, könnte es trotzdem in eine Kita stecken. Ohne Subventionen ist das aber sehr teuer. Etwa 1.000 Euro bringt der Staat momentan für einen Kitaplatz pro Monat auf. Die wenigsten würden das wohl bezahlen. Dass ein Drittel der Kinder heutzutage in der Kita aufwächst, ist also in weiten Teilen ein staatlich geschaffenes Phänomen.

Feuer ließe sich natürlich auch mit Feuer löschen, sprich: noch mehr umverteilen. Betreuungsgeld für die Eltern. Das müsste bei ausgleichender Gerechtigkeit etwa bei den genannten 1.000 Euro liegen. Um die Folgen der Umverteilungspolitik auszugleichen, müsste der Umverteilungsstaat noch massiv ausgeweitet werden. Dabei versickert wieder einiges in der Bürokratie, und Leistungsanreize gehen verloren. Dazu kommt die Unsicherheit in der Politik. Die nächste Regierung schafft das Betreuungsgeld wieder ab. Wie der Staat so ist, gibt er aber keine Macht zurück, sondern verwendet die gestiegenen Steuereinnahmen für etwas anderes – wie das meistens so ist – Sinnloses. Es gibt nun mal kein richtiges Leben im falschen. Die womöglich sich liberal oder konservativ nennenden feuerspeienden Löschzüge müssten auch sonst gigantische Umverteilungsprogramme befürworten, um die Schere zwischen arm und reich zu schließen, die wegen des „Cantillon-Effekts“ der lockeren Geldpolitik immer weiter auseinandergeht. Man wäre zum Sozialisten geworden, um die Auswirkungen des (Geld-) Sozialismus zu bekämpfen. Der Staat, den man eigentlich klein halten möchte, wächst immer weiter und weiter, und je weiter er wächst, desto mehr muss interveniert werden, weil die Interventionen nach dem „Ölfleck-Theorem“ immer neue Probleme schaffen.

Es gäbe auch noch die Möglichkeit, Schweigegeld zu bezahlen. Sprich, den Müttern, die ihre Kinder selbst erziehen wollen, angesichts der Ungerechtigkeit der Umverteilung ein paar Almosen hinwerfen, damit sich keiner aufregt. Das könnte man dann so bei 150 Euro im Monat ansetzen, beispielsweise.

Gesamtgesellschaftlich hat das keine Auswirkungen. Kaum jemand wird wegen 150 Euro im Monat auf ein Gehalt verzichten. Wer aus Geldmangel sein Kind in die Kita stecken muss, damit er arbeiten kann, dem helfen 150 Euro auch nicht wirklich weiter. Aber die Politik kann sich auf die Schulter klopfen und behaupten, sie hätte etwas getan. Ein bisschen den Konservativen spielen. Geheimer Gewinner ist bei allen Interventionen letzten Endes eben doch immer der Staat, der es schafft, sich noch weiter auszudehnen. Ein großer Teil der Kinder wächst auch künftig in der Kita auf, ohne „externes Gehirn“ der primären Bezugsperson, das Orientierung in der Welt schaffen würde. Bietet die Familie keine Orientierung, bleibt nur der Staat übrig. Der ist aber das „kälteste aller kalten Ungeheuer“, das nur eine atomisierte Gesellschaft schaffen kann. Ohne Bindungen und Vertrauen zwischen den Menschen. Da ist sie dann, die Familienzerstörung. Ein Blick auf sozialistische Länder, in denen diese Philosophie zu Ende gedacht wurde, macht das auf tragische Weise deutlich.

Häufig ist der Einwand zu hören, Alleinerziehende könnten nicht anders, als ihr Kind in die Kita zu stecken, um zu arbeiten. Sie bräuchten deshalb einen Kitaplatz. Böse Zungen könnten aber behaupten, dass deren Zahl ohne staatliche Anreize weit zurückgehen würde, weil die Kosten, eine alleinerziehende Mutter zu werden, dann viel höher wären. Die wenigen, die übrig bleiben, könnten einige Jahre von Familienunterstützung oder Spenden leben. Doch selbst wenn man umverteilen möchte, warum dann nicht die 1.000 Euro der Mutter frei zur Verfügung stellen, damit sie selbst entscheiden kann, was besser ist: Kita oder Arbeit? Mit dem Geld könnte sie es sich leisten, gar nicht arbeiten zu gehen. Oder zumindest nur kurz. Aber es geht nun einmal nicht um das Wohl von Alleinerziehenden, sondern darum, die Kinder von ihren Eltern zu trennen und in die Klauen des Staates zu treiben.

Information

Diesen Artikel finden Sie gedruckt zusammen mit vielen exklusiv nur dort publizierten Beiträgen in der am 26. November erscheinenden Dezember-Ausgabe eigentümlich frei Nr. 128

23. November 2012

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