Axel B.C. Krauss

Axel B.C. Krauss, Jahrgang 1968, ist freier Journalist und lebt in Berlin.

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Terrorkrise, Krisenterror, Euro-Miese: Wetten, dass ...

von Axel B.C. Krauss

… Planwirtschaft eine Leidenschaft ist, die Leiden schafft?

Der größte Trick des Teufels soll darin bestanden haben, den Menschen weiszumachen, es gäbe ihn nicht. Was politische Herrschaft im Allgemeinen und die Notbeatmung der Fehlkonstruktion Euro (besser: notdürftige Verlangsamung des Countdowns einer währungspolitischen Bombe) im Besonderen anbelangt, ist es jedoch umgekehrt: Dort besteht der Trick der Herrschenden meistens darin, den Regierten einzubleuen, es gäbe einen – den nur sie erfolgreich bekämpfen beziehungsweise vor dem nur sie die Bürger in Schutz nehmen könnten. Manchmal ist es auch eine Mischung aus beidem. Mehrere Systemparteien, die natürlich nie wirklich an den Grundfesten beziehungsweise -bedingungen ihrer Existenz sägen würden, suggerieren den „Sheeple“ einen parteiprogrammatischen Pluralismus, ein reiches Angebot an politischen „Alternativen“, das sich bei näherer Betrachtung und nach jeder Wahl – ganz gleich, wer sich da im Einzelnen in den Herzen der Wähler erfolgreich einzunisten vermag – schnell als staatsreligiöser Monotheismus entpuppt. Du sollst keinen anderen neben mir haben!

Dann findet die übliche Schwarzpeterschiebung statt: Es sind immer die Fürze der anderen, die stinken. Irgendeine gesellschaftliche Gruppe, eine bestimmte Schicht ist schuld, die höher besteuert werden muss, schon wird alles gut. Die Umverteiler selber tragen selbstverständlich alle grüne Strumpfhosen: Gestatten, Robin Hood e.V., wir kredenzen nur das Beste aus der Frucht, jedes unserer (Selbsterhaltungs-) Gesetze atmet soziale Gerechtigkeit! Und sollte mal etwas schief laufen: Das hat die Vorgängerregierung zu verantworten! So auch jetzt wieder, schließlich stehen bald Wahlen an. DBDDHKP.

Auch in der „Eurokrise“ häufen sich nun die entsprechenden Schuldzuweisungen, die Töne pfeifen mit zunehmender Schieflage eben etwas schärfer durch die Schneidezähne. Wolfgang Schäuble erdreistete sich, die Franzosen haushaltspolitisch belehren und ihnen „unter die Arme“ greifen zu wollen, die französische Buchhaltung antwortete prompt mit einer nicht weniger rotzfrechen Ermahnung: Deutschland solle doch bitte – kein Scherz – erstmal einen Sozialstaat einrichten, der diesen Namen auch verdient. Man muss sowas nicht nur dreimal, sondern zwölfmal lesen, um es auch nur annähernd glauben zu können. Dann sind wieder „die Griechen“ schuld, ein anderes Mal sind es Korruption und Reformunwilligkeit der Südländer. Schade, dass die Reformunwilligkeit im jeweils eigenen Kopf und, noch viel wichtiger, diejenige im überdimensionierten Wasserkopf Brüssel dabei vernachlässigt wird. Wie kleine Kinder treten sie sich lieber gegenseitig vors Schienbein. Witzlos.

Zurück zum Teufel. Der Schweflige hat bekanntlich viele Namen; zwei der heute beliebtesten, zum Weichkochen, Einschüchtern und Hirnwaschen gerne hergenommenen lauten „Terrorismus“ und „Dauerkrise“. Nicht, dass es keine brandgefährlichen Wirtschaftskrisen (besser: Krise des herrschenden Toilettenpapier-Geldsystems) sowohl im europäischen als auch amerikanischen Raum gäbe, aber der Umgang der vor der Kamera agierenden Eliten mit ihnen verrät nicht nur sehr viel mehr über die Krise in deren Köpfen, sondern wird eben auch zur Legitimierung diverser Freiheitsbeschneidungen der Bürger rege missbraucht, zum Propagieren von noch mehr Staatsmacht, noch ausgedehnteren Befugnissen zum Hineinregieren ins Private.  

Was den „Terrorismus“ betrifft, sollte man sich den Atem sparen; es lohnt nicht, darüber noch allzu viele Worte zu verlieren, da längst klar ist, was man von diesem PR-Begriff zu halten hat. Ein möglichst unsichtbarer, weltweit gut vernetzter, „globale Herausforderungen“ stellender, geheim operierender Feind – was könnte es Besseres geben, um Endloskriege führen und das Volk in Angst und Schrecken halten zu können. Gerade auch zur Ablenkung von eigenem, heimischem Versagen, dräuender wirtschaftlicher Talfahrt sowie vor allem den möglichst unsichtbaren, weltweit gut vernetzten, globale Herausforderungen stellenden, geheim operierenden und natürlich unter striktem Ausschluss der Öffentlichkeit sich beratenden Terrorgruppen an der Spitze der eigenen Nahrungs- und Machtpyramide. Kurz: den Eliten hinter der Kamera. Wer immer noch glaubt, der „Kampf gegen den Terror“ und sein endloses Blutvergießen speise sich aus nichts als lauteren Motiven, dem bleibt nur noch eine Bewerbung als Palme im Dschungelcamp, mithin der verzweifelte Kampf um einen zweistelligen IQ. Damit ist dieses Thema für mich durch.

Was nun die „Dauerkrise“ angeht, ist es völlig unerheblich, ob ausgerechnet des Druckteufels Adjutant Ben Bernanke die Intelligenz seiner Zuhörer jenseits und diesseits des Atlantiks dadurch verhöhnt, einen schnellen politischen Kompromiss im Haushaltsstreit zu fordern, sonst drohe den USA ein volkswirtschaftlicher Schock, den – wie bitte? – „selbst die Notenbank“ nicht mehr mildern könne (ersetze „selbst“ durch „gerade“, dann stimmt's), oder ob in Europa zum Beispiel die Clownsnasen der Treudoofika zum gefühlt hunderttrillionsten Mal in ihren Berichten über Griechenland von „kleinen Fortschritten“ sprechen, weil Bauer Dimosthenis aus Chalkidiki nach langem Ringen mit seiner finanziellen Situation doch noch entschied, eine brüchige Latte im Dach seiner Scheune zu ersetzen (während sich nebenan ein Rentner aus Verzweiflung spontan selbst entzündet). Krankes Geld, kranke Welt – mehr muss man dazu eigentlich gar nicht wissen. Worauf es ankommt, was man durch all das nebelwerfende Wortgefuchtel dieser Luftgitarristen des Eurodeath-Metal nicht aus dem Blick verlieren sollte, ist der offensichtliche Unwille, die Probleme wirklich konsequent anzugehen. Sie tun eben nur so, als beherrschten sie Instrumente.

Stattdessen berät man lieber über weitere „Hilfen“ für Griechenland – obwohl von den Geldern beim griechischen Volk bisher nichts ankam und auch in Zukunft nichts ankommen wird. Nun sollte schon wieder ein „Paket geschnürt“ werden, wie die Substanzvernichtung im Neusprech disneyhaft-verniedlichend genannt wird, in Höhe von sagenhaften 31 Milliarden – 31.000 Millionen. Das wievielte eigentlich? Irgendwann zählt man nicht mehr mit. Aus Verdruss. Sich zu fragen, warum man trotz der schon vor dem Beitritt des Landes zur Währungsunion wohlbekannten Risiken nichts unternahm, um Schlimmeres zu verhindern, ergibt leider keinen Sinn mehr – denn jetzt steht die Kuh ja nunmal auf dem Eis und glupscht betroffen in die Aktuelle Kamera. Ob die bereits mehrfach vorgeschlagene  Aufspaltung der Union in einen härteren Nord- sowie einen weicheren Süd-Euro etwas brächte? Kurzfristige Linderung vielleicht. Aber sie würde nicht das Geringste am weiterhin bestehenden Hauptproblem ändern – der planwirtschaftlichen Verbohrtheit der EU-Gottspieler, die sich ja nicht nur auf Wirtschaftspolitik beschränkt, sondern längst auch gesellschaftspolitisch hyperventiliert. Es wäre also ganz sicher keine langfristige Lösung.

Da die Fragen bezüglich Griechenland Dr. Schäubuse zufolge aber angeblich „so kompliziert“ sind, ergab das jüngste Treffen zwischen IWF-Chefin Christine Lagarde und der Euro-Gruppe wenig überraschend kein wirklich „zufriedenstellendes“ Ergebnis. Ja nun. Welche Möglichkeiten gibt es denn auch? Was bitte ist an der Lage bloß „so kompliziert“? Man kann weiterhin Abertausende von Millionen Euro hineinpumpen, die wie gesagt beim Volk nicht ankommen, sondern bekanntlich ganz woanders landen. Womit man dem Land, das sich gerade politisch zu radikalisieren droht, weil es kein Licht am Ende des Tunnels sieht,  keinen Gefallen täte. Oder man akzeptiert die Staatspleite und einen „Grexit“ – dann aber würde man erstens einen europolitischen Offenbarungseid leisten und das Scheitern der Einheitswährung eingestehen müssen, wovor sich die Herrschaften Technokraten natürlich fürchten wie der Teufel vor dem Weihwasser, und zweitens als direkte Folge davon wahrscheinlich auch Länder wie Spanien und Italien quasi „zum Abschuss“ freigeben. Unnötig zu erwähnen, was das für die Eurozone bedeuten würde. Die Mätzchen wären vorbei. Ganz gleich aber, wie man es dreht und wendet – auf genau diesen Punkt trudelt die derzeitige Entwicklung doch ohnehin eindeutig zu. Es gibt keinen schmerzfreien Ausweg mehr. Also warum die Qualen unnötig verlängern?

 Aber selbst das ist eigentlich noch zu kompliziert, man kann es sich sogar noch einfacher machen. Am 22. August dieses Jahres erschien auf der Webseite der „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“ die Meldung, Jacob Rothschild, Angehöriger einer der reichsten und mächtigsten Bankiersdynastien der Welt, habe 200 Millionen Dollar gegen den Euro gewettet. Da man davon ausgehen kann, dass die Rothschild-Familie sicher nicht aus wirtschaftlicher Inkompetenz, größtmöglicher Dummheit und monetärem Dilettantismus so hoch aufstieg, soll an dieser Stelle ein einfacher Multiple-Choice-Test für Zerrettungssanitäter genügen.

Quizfrage: Warum sollte jemand wie Jacob Rothschild gegen den Euro wetten?

Erstens: Er setzt aus Jux und Dollerei und reiner Langeweile atemberaubende Geldsummen leichtfertig aufs Spiel. Sinnloses Geldversenken ist eben sein Hobby – ebenso wie eures.

Zweitens: Er befindet sich in einem Zustand, den ihr nur noch aus Erzählungen eurer Großeltern kennt: Er ist nüchtern.

Drittens: Er ist – im Gegensatz zu euch – intelligent, besitzt exzellente Kenntnisse über die Funktionsweise des herrschenden Geldsystems und der Finanzwelt und weiß deshalb, dass das Auftürmen ungedeckter Papierberge sowie das Bekämpfen von Alt- mit Neuschulden unausweichlich enden wird wie der Turmbau zu Babel.

22. November 2012

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