Mario Fleischmann

Mario Fleischmann, Jahrgang 1990, studiert Ressortjournalismus in Ansbach, erstellte die Internetseite Mises-media.de und arbeitet derzeit als Praktikant für eigentümlich frei.

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ESFL-Konferenz: Die Freiheitsbewegung wächst

von Mario Fleischmann

Bericht von der „European Students for Liberty“-Konferenz in München

19. November 2012

Am vergangenen Samstag fand die erste Konferenz der „European Students for Liberty“ (ESFL) im deutschsprachigen Raum statt. Ziel der ESFL ist es, die Dachorganisation und Anlaufstelle für libertäre Studentengruppen in ganz Europa zu werden. Dazu stellt die unabhängige Non-Profit-Organisation Ressourcen wie Bücher, Web-Seminare und Trainings zur Verfügung. Die erst vor zwei Jahren gegründeten ESFL veranstalteten nach dem Vorbild der amerikanischen „Students for Liberty“ bereits mehrere Konferenzen in ganz Europa, die größte davon in Leuven, Belgien, mit 220 Teilnehmern.

An die 170 Freiheitsfreunde kamen nach München in die Konferenzräume des Hotels Holiday Inn, um Vorträge von unter anderem Professor Thorsten Polleit (Degussa Goldhandel), Robert Nef (Liberales Institut Zürich), Prinz Michael von Liechtenstein, Trevor Burrus (Cato-Institut) und Jonathan Logan (Cryptohippie Inc.) zu hören.

Den Anfang machte Prinz Michael von Liechtenstein, der vor allem die unseriösen Geschenke und Versprechen der Politik kritisierte. Den Euro sieht er mehr als Sündenbock und nicht als Krisenursache. Die Währungsabwertungen, die vor der Gemeinschaftswährung üblich waren, hätten beispielsweise den Anreiz für Produktivitätssteigerung vermindert. Die schlecht regulierten Banken hätten im Euro hingegen zu risikofreudig agieren dürfen. Nun sei die Gefahr allerdings eine künftige Überregulierung und Zentralisation auf EU-Ebene. Europa drohe das „Japan-Syndrom“. In Japan herrsche seit 25 Jahren eine ähnliche Dauerkrise. Eine derart disziplinierte und homogene Bevölkerung habe Europa jedoch nicht. Er sieht daher ein viel größeres Konfliktpotential. Ausweg seien eine Deregulierung und Unternehmer, die innovativ und risikofreudig sind. Nur so könne Europa in einer globalisierten Welt wettbewerbsfähig bleiben.

Anschließend folgte eine Podiumsdiskussion mit Theo Müller (Müllermilch) und Dr. Hendrik Heinze (Allegra Capital). Müller betonte die Funktion des Unternehmers als „Pferd, das den Karren zieht“. Seine Tugenden seien Ehrgeiz und Nonkonformität. Man müsse neue Wege gehen und den Kunden etwas bieten, von dem sie noch nicht wissen, dass sie es wollen. Marktforschung sei deshalb unnütz. Für Dr. Heinze ist ein Unternehmer derjenige, der nur mit einer Idee bewaffnet „aus dem Nichts eine Geldmaschine schafft“. Er störe die herrschende Ordnung und zwinge sie, nach dem Wohl der Kunden zu streben. Die größte Gefahr sei der Staat. So grenze es an ein Wunder, dass Menschen nach einer derart langen Konformitäts-Erziehung in Schule und Universitäten überhaupt noch Unternehmer werden. Zusätzlich belaste der Staat mit immer mehr Regulierungen, die ablenken und teuer sind. Müller betonte, dass die alleinige Aufgabe des Unternehmers sei, Güter und Dienstleistungen herzustellen. Alles andere – beispielsweise Arbeitsplätze und Umweltschutz –kämen dann dank des Profitmotivs von selbst. Regulierungen und Subventionen würden die Unternehmen mit dem Staat verflechten und den Wettbewerb verkrusten. „Subventionen schaffen Armut“, so seine These. „Wenn die Konkurrenz Subventionen annimmt, muss ich sie aber auch annehmen“, beklagt er.

Nach dem Mittagessen diskutierten Wolf von Laer sowie Lukas Schweiger von den ESFL und Ralph Bärligea vom Gesprächskreis der Hayek-Gesellschaft an der Uni Passau über die Führung von studentischen Organisationen. Bärligea betonte die bereits erzielten Erfolge seines Gesprächskreises. So haben sie eine kritische Vortragsreihe mit Professor Knut Löschke von der Bahn AG zum Thema Klimawandel veranstaltet, worauf sogar die Bundesregierung Stellung bezog. EZB-Präsident Mario Draghi wurde von Bärligea persönlich mit der Idee von konkurrierenden Privatwährungen konfrontiert. Draghi versprach daraufhin, über die Abschaffung des staatlichen Geldmonopols nachzudenken.

Von Laer prangerte an, dass es mittlerweile zwar viele Libertäre gebe, aber eine Organisationsstruktur fehle. Vereinzelt könne man wenig erreichen. Die ESFL hätten es sich daher zur Aufgabe gemacht, die richtigen Leute zu suchen und sie zu Führungsfiguren auszubilden. Durch eine klare Struktur und Aufgabenverteilung würde so eine schlagkräftige Organisation möglich. Er betonte jedoch, dass die ESFL keine politischen Forderungen stellen, sondern es vor allem um den Wettbewerb und die Weiterentwicklung der freiheitlichen Ideen gehe.

Der nächste Redner fiel optisch etwas aus dem Rahmen. Jonathan Logan hielt seinen Vortrag vermummt – mit schwarzer Sonnenbrille und Tuch. Das Thema: „Privatsphäre als digitales Eigentum und ihre Bedeutung für die Freiheit“. Logan bezeichnet sich selbst als „Privacy-Extremist“ und Kryptoanarchist. Ein Beispiel für Kryptoanarchie sei etwa die digitale Währung „Bitcoin“, die dezentral und verschlüsselt aufgebaut sei. Er unterscheidet zwischen zwei Arten der Kontrolle. Zwang betreffe das Eigentum, beziehungsweise die Handlungsfreiheit der Menschen. Er ist von außen zugefügt. Manipulation hingegen schränkt die Willensfreiheit ein. Wenn es gelingt, eine ausreichende Zahl von Menschen in eine bestimmte Richtung zu manipulieren, komme es durch eine Gruppendynamik dazu, dass die restlichen Menschen mitzögen. Die heutige Bedrohung liegt seiner Einschätzung nach vor allem darin, dass die Bevölkerung mit Hilfe der Überwachung derart gut analysiert werden kann, dass die Menschen zu „unwissenden Sklaven“ gemacht werden können. Der offene Zwang würde zunehmend verschwinden und durch Manipulation ersetzt werden. Daher sei es wichtig, die eigenen Daten zu schützen.

Im Anschluss erörterte Robert Nef seine Sicht auf eine mögliche Planung zur Erreichung der Freiheit. Zunächst sei anzumerken, dass nur Individuen angemessen planen können, nicht der Staat. Doch auch Individuen seien mit ständig verändernden Umständen konfrontiert. Die strategische Planung müsse daher in eine gewisse Spontaneität eingebunden sein. In einem Punkt könnte man allerdings in jedem Fall übereinstimmen. Nef forderte eine klare Trennung zwischen dem Staat und allem anderen. Diese Linie müsse von jedem gesehen werden, wenn die Idee der Freiheit Erfolg haben soll. Zudem müsse in den Menschen eine stärkere Lernbereitschaft geweckt werden. Anschließend konzentrierte er sich auf die Tugenden einer freien Gesellschaft. Das wäre zum einen die Leistungsbereitschaft. Jeder solle seine Nische finden, in der er gut und schwer zu ersetzen ist. Der Sparwille führe zur Unabhängigkeit von der Politik. Was dann noch fehle, bezeichnet er scherzend als „liebevolle Reproduktion“, welche die Gesellschaft erhält.

Im nächsten Vortrag referierte der Amerikaner Trevor Burrus vom Cato-Institut über den Ursprung des Gesetzes. Dabei unterscheidet er zwischen dem heute üblichen „Civil Law“, welches „von oben herab“ die Gesellschaft designen soll, und dem „Common Law“, welches „von unten“, aus der Kultur der Menschen, entsteht. Als Beispiel dafür führt er etwa den Abstand zwischen zwei Menschen beim Sprechen an. Es würde gegen dieses Gesetz verstoßen, nur zwei Zentimeter Abstand zu halten. Das wirkt angsteinflößend. Es gebe unendlich viele derartige Gesetze, die das Zusammenleben regeln. Und doch sei sich weder der Mensch ihrer bewusst, noch können sie genau festgelegt werden. Was ist der richtige Sprechabstand? Zehn Zentimeter? 20? Drei Meter? Das staatliche „Civil Law“ würde metaphorisch gesprochen versuchen, diesen Abstand genau zu beziffern. Es bräuchte daher Gerichte, die eher Gesetzesfindung betreiben. Sprich, die Gesetze danach ausrichten, was kulturell bereits Gesetz ist. Eine Gesetzgebung von seiten des Staates könne die Gesellschaft hingegen ernsthaft gefährden.

Zum Abschluss bekannte sich der Ökonom Professor Dr. Thorsten Polleit als Anhänger einer Privatrechtsgesellschaft. Dem Staat würde ein Drang zur Expansion innewohnen, was einen (Minimal-) Staat notwendigerweise zerstöre. Durch die „Teile-und-Herrsche“-Strategie würde der Staatsapparat seinen Machterhalt sichern. Dadurch entstehe eine Rechtsunsicherheit. Der Rechtsbewahrer würde so zum Zerstörer des Rechts. Um die Geschenke und Vergünstigungen von Gesellschaftsgruppen zu finanzieren, die seinem Machterhalt dienen, würde er alsbald ein Geldmonopol schaffen. So könne er legal Geld fälschen. Es komme dann zu immer mehr Umverteilung und Schulden. Die Schäden würden mit dem „Geld aus dem Nichts“ lange hinausgezögert. Das Resultat sei eine „kollektive Korruption“ der vom Staat abhängigen Bevölkerung, die immer mehr Eingriffe fordert. Am Ende komme es zu Hyperinflation und dem Totalbankrott des Systems. Polleit ist überzeugt, dass der Markt fähig ist, ein besseres Recht zu schaffen, das sich nicht zersetzt. Er plädiert daher für eine Privatrechtsgesellschaft, die mit einem wettbewerblichen, nichtstaatlichen Recht auskommt.

Nach dem Ende der Veranstaltung trafen sich die Teilnehmer noch zu einem gemütlichen Beisammensein im Parkcafé. Dort konnten Kontakte geknüpft und Ideen ausgetauscht werden. Man konnte feststellen, dass es noch viele andere gibt, welche dieselben Ideen teilen. Die meisten davon sind noch jung und erst in den letzten Jahren auf freiheitliche Ideen aufmerksam geworden. Die Bewegung wächst immer stärker. Das ist ein gutes Zeichen, das Hoffnung macht. Und die braucht man angesichts der momentanen Situation in Europa.

Abschließend wäre zu erwähnen, dass die ESFL vom 8. bis 10. März nächsten Jahres ihre bisher größte, dreitägige Konferenz in Leuven, Belgien, veranstalten. Weitere Infos dazu über den Link.

Link

Ankündigung der ESFL-Konferenz 2013

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