Henning Lindhoff

Der ehemalige Sozialarbeiter, Jahrgang 1982, ist stellvertretender ef-Chefredakteur.

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Morbus: Kollektiveigentum

von Henning Lindhoff

Die Hambacher Höhle

„Hier unten ist es riskant und ungemütlich, aber RWE riskiert die Zukunft unseres Planeten!“, schallt es aus der Höhle, 6 Meter unterhalb der Grasnarbe des Hambacher Forstes, für den sich das Forstamt Eschweiler zuständig zeigt. Dort, wo nun ein ca. 25 Jahre alter Umweltaktivist in seinem Bau hockt, wollte zuvor RWE ein neues Braunkohlerevier erschließen. Doch schon seit April diesen Jahres blockierten Aktivisten, unterstützt von BUND, Robin Wood und lokalen Wutbürgern, die Rodungen. Der maulwurfartige Märtyrer ist der Letzte seiner Zunft. Während seine Kollegen die Bäume verlassen haben, harrt er aus, nur noch unterstützt von Dosennahrung und einem kleinen Radio. Beim Bau der Höhle soll er gar auf ominöse internationale Hilfe zurückgegriffen haben, wie die Feuerwehr verlauten ließ. Die Behörden stellen sich auf ein „langes, arbeitsreiches Wochenende ein“. Zur Stunde wird ein Rettungsschacht angelegt. Bestimmt wird der gelernte Tischler bald in Sicherheit gebracht werden. Zahlreiche Spezialisten aus unterschiedlichen staatlichen Stellen sorgen derzeit eifrig dafür.

Lassen Sie uns ein kleines Gegenbild entwerfen. Was wäre der Stand der Dinge, wenn der Hambacher Forst bei Kerpen, nahe Köln Eigentum einer natürlichen oder juristischen Person wäre, wenn er nicht nur verwaltet werden würde von einem Forstamt, wenn jemand ein wirklich eigentümliches Interesse an diesem Wald und an seiner Nutzung hätte?

Dieser Eigentümer würde eines Tages durch seinen Hambacher Forst schlendern und einen Mann in einer Höhle finden. Der Eigentümer würde den Mann nach dem Grund seiner ungewöhnlichen Behausung fragen. Nachdem klar wäre, dass sich der Mann seinem freien Willen nach in dieser Höhle befindet, stünde fest, dass jede weitere Vorgehensweise die Eigenverantwortung des Mannes provozieren würde. Wollte er in geraumer Zukunft seine Behausung verlassen, müsste er die Kosten für eine mögliche Bergung, zumindest aber die Kosten für den entstandenen Schaden übernehmen. Der Eigentümer könnte ihn natürlich auch gegen seinen Willen entfernen lassen, weil er sein Eigentum verletzt. Doch auch dann müsste der Besetzer für den Schaden aufkommen, denn die Verletzung von Eigentum ist schlicht und ergreifend eine Straftat. Mit Sicherheit jedoch würde keine Institution, nicht die Feuerwehr, nicht die Polizei, nicht das THW anrücken, den Besetzer „befreien“ und die Kosten einem willkürlich definierten Kollektiv aufbürden. Der Besetzer müsste für sein Handeln in jedem Falle die Verantwortung tragen. Für den von ihm angerichteten Schaden müsste er geradestehen.

Jedoch hat Eigenverantwortung im Hambacher Forst diesseits freiheitlicher Gedankenspiele keinen Platz. Unsere Gesellschaft wird dominiert von Kollektiveigentum. Jeder möchte ein möglichst großes Stück vom Kuchen ergattern. Verantwortung und Haftung jedoch werden sozialisiert. Dies ist der Grund dafür, dass, während Sie diese Zeilen lesen, 250 Einsatzkräfte den Hambacher Forst betreten und mit teurem Spezialwerkzeug spielen, um einen Mann zu „retten“, der sich freiwillig in ein eigens gebuddeltes Loch setzte und das Loch nicht verlassen möchte. Dies ist der Grund dafür, dass „wir alle“ als Steuerzahler die Kosten der Bergung werden tragen müssen.

16. November 2012

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