Henning Lindhoff

Der ehemalige Sozialarbeiter, Jahrgang 1982, ist stellvertretender ef-Chefredakteur.

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Xavier Naidoo: Anzeige wegen Homophobie

von Henning Lindhoff

Fürchtet sich die Linksjugend vor Naidoos Herkunft?

16. November 2012

Im Lied „Wo sind?“ auf dem gemeinsamen Album „Gespaltene Persönlichkeit“ von Xavier Naidoo und Kool Savas sind folgende Zeilen zu vernehmen: „Ich schneid euch jetzt mal die Arme und die Beine ab, und dann ficke ich euch in den Arsch, so wie ihr es mit den Kleinen macht. Ich bin nur traurig und nicht wütend. Trotzdem würde ich euch töten. Ihr tötet Kinder und Föten und ich zerquetsch euch die Klöten. Ihr habt einfach keine Größe und eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?“ Josi Michalke, Bundessprecherin der Linksjugend, zeigte sich in den vergangenen Tagen überaus erregt: „Hier werden auf haarsträubende Art und Weise satanistische Rituale mit Kindesmissbrauch mit Pädophilie mit Homosexualität gleichgesetzt.“ Frank Laubenburg, Landessprecher der LAG queer.NRW der Linkspartei, eilte ihr geschwind zu Hilfe und argumentierte mit den ausgelutschten Vorurteilen der Gender-Ingenieure. Er warf Xavier Naidoo vor, ein „christlich-homophober Gewaltverherrlicher mit Führerkomplex“ zu sein.

Haben Frau Michalke und Herr Laubenburg den Text verstanden? Dies darf bezweifelt werden. Eine kleine Textanalyse: Analpenetration wird lediglich in der ersten Liedzeile angesprochen, dort im glasklaren Kontext mit der Vergewaltigung von Kindern. Eine Anspielung auf den Liebesakt zwischen zwei erwachsenen Männern ist nicht erkennbar. Die folgenden Zeilen versprühen Gewalt und Brutalität, jedoch wird Homosexualität gänzlich außen vor gelassen. Die beiden letzten Zeilen beherbergen Fragen. Diese sind in der schriftlichen Form durch das Fragezeichen, in der gerappten Fassung durch die anhebende Intonation zum Ende des Satzes hin erkennbar. Ist das Fragenstellen verboten? Xavier Naidoos und Kool Savas‘ Herkunft ist eindeutig: das weibliche Genital. Die Herkunft satanistischer Kindervergewaltiger ist die gleiche. Warum verspüren diese jedoch im Gegensatz zu Naidoo und Savas keine Liebe zur Heimat? Naidoos und Savas‘ Nachfrage ist nachvollziehbar. In der letzten Zeile des kritisierten Liedabschnitts fragen Naidoo und Savas dann nach den politischen Anführern, die sich nicht zu schade sind, ihre Bürger Krisentreffen für Krisentreffen in neue Schuldenabgründe zu stürzen, gegen das angesprochene Problem des organisierten Kindesmissbrauchs aber nichts unternehmen. Darf man das auch nicht hinterfragen? Liegt es daran, dass das Wort „Führer“ in den Mund genommen wird? Noch ist es zur Nutzung freigegeben.

Organisierte Kindesentführung, ritueller Missbrauch und Mord sind keine „Einzelfälle“, sondern bilden einen skandalösen Komplex. Nicht erst seit Dutroux sind Fragen zu stellen, in welchem Maße die Straftäter von oben geschützt werden und ob auch ranghohe Politiker, Juristen und Wirtschaftsmagnate in diesen Komplex verstrickt sind. Der aktuelle Missbrauchsskandal innerhalb des britischen Staatssenders BBC ist der jüngste Fall dieser Art. Das Thema reicht tief und ist grausam. Xavier Naidoo und Kool Savas stellen Fragen, kratzen an der Oberfläche. Ihr Zorn ist verständlich.

In seinem offiziellen Statement lässt Naidoo durchblicken, dass noch lange nicht alles dazu gesagt wurde: „Die ersten zwei Zeilen des Textes geben den Bericht eines Augenzeugen wieder, der mir nach einem Konzert 2010 davon erzählte. Dieses Ritual beschreibe ich in kleinen Auszügen. Ich beschäftige mich seit 1996 mit der Thematik, dies war kurz bevor der Fall ‚Dutroux‘ ans Licht kam. Seitdem dachte ich, wenn ich in meinem Leben eines erreichen möchte, dann, dass nie wieder Kinder auf diese furchtbare Weise ums Leben kommen.“

Aber wenn das F-Wort in den Mund genommen wird oder die Liebe zwischen Männern nicht ganz besonders enthusiastisch abgefeiert wird, kennt die Linksjugend kein Erbarmen: „Wir rufen zu Aktionen an den Auftrittsorten von Naidoo und Savas auf und fordern die Betreiber von Veranstaltungsorten dazu auf, Konzerte abzusagen, solange eine Aufführung des Liedes nicht ausgeschlossen ist.  Keine Bühne für Homophobie!“

Will die Linksjugend Andersdenkenden nun auch das Fragenstellen verbieten? Um Themen geht es ihr anscheinend nicht. Es geht ihr um Kommunikation. Sie versucht eine Sprachdoktrin zu etablieren, die niemand verletzen darf. Denn wer sie verletzt, könnte schließlich zu anderen Erkenntnissen gelangen.

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Die Dokumentation „Höllenleben“

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