26. Oktober 2012

Gold gegen Falschgeld Wolfgang Münchaus Märchenstunde bei Spiegel Online

Absicht oder Idiotie?

Es gibt Ökonomen und Blökonomen. Es gibt Experten und Expertchen. Es gibt Wirtschaftsweise, aber auch Wirtschaftswaisen, die von fundiertem Fachwissen schon sehr früh ausgesetzt wurden. Manchmal ist es gar nicht so leicht, sie auseinanderzuhalten. Je nach persönlichem Kenntnisstand in Sachen Ökonomie ist des einen Mannes Koryphäe eines anderen Kretin. Dann gibt es wiederum Fälle, bei denen die Frage, welcher Art sie nun im Einzelnen angehören, insofern keine Rolle spielt, als dass ganz andere Motive sie antreiben als die Vermittlung von Wirtschaftswissen welchen Umfangs auch immer.

Letzteres gilt zweifellos für Wolfgang Münchau, Gründer und Co-Chefredakteur der „Financial Times Deutschland“, heute unter anderem Kolumnist beim „Spiegel“. Wie umfangreich sein wirtschaftswissenschaftlicher und -historischer Horizont nun ist, sei dahingestellt. Das ist eigentlich auch unerheblich angesichts seines am 24. Oktober bei Spiegel Online erschienenen Beitrags „Die Gold-Michel vom Rechnungshof“. Denn er ist von einer solchen propagandistischen Plattheit und Einseitigkeit im Sinne des herrschenden Geldsystems durchzogen, dass einem die Worte fehlen.

Münchau scheint seine Leser, mithin die deutsche Öffentlichkeit, für arg unterbelichtet zu halten. Bei vielen seiner „Argumente“ gegen das Gold dürfte sich die Luft in den Lungen so manchen Lesers schlagartig verflüssigt haben. Da wird die große Weltwirtschaftskrise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einfach mal zu einer goldigen Angelegenheit: „Es gibt nämlich keinen größeren ökonomischen Giftstoff als dieses Edelmetall, das der Weltwirtschaft die Große Depression in den dreißiger Jahren bescherte.“ Ich rieb mir die Augen. Er spricht von Gold tatsächlich als „ökonomischem Giftstoff“ – und verliert natürlich kein Wort über die Tatsache, dass erst die schlussendliche Aufhebung des Goldstandards beziehungsweise der Golddeckung oder auch Schließung des „Goldfensters“ (durch US-Präsident Richard Nixon) diejenige extreme Ausweitung des „Fiat Money“ ermöglichte, des deckungslosen, im Prinzip beliebig vermehrbaren, seitdem auch nicht umsonst ständig an Wert verlierenden Ponzipapiergeldes, unter der die Weltwirtschaft heute zu leiden hat. Unnötig zu erwähnen, dass das Gold nicht die Hauptursache der Großen Depression war – sämtliche historischen Eckdaten und Hintergrundinformationen zum Thema sind nach wie vor frei verfügbar, in Buchform sowie zuhauf im Internet, und brauchen hier deshalb nicht wiederholt zu werden.

Nehmen wir als kleines Beispiel nur mal eine Äußerung ausgerechnet Alan Greenspans, der zu Zeiten seiner Regentschaft über die Fed in Insiderkreisen und von Kritikern scherzhaft auch als „Sir Printalot“ bezeichnet wurde („Herr Drucktsehrviel“). Er äußerte sich über den Goldstandard einmal wie folgt: „In Abwesenheit eines Goldstandards  gibt es keinen Weg, Ersparnisse vor ihrer Konfiszierung durch Inflation zu retten. Es gibt keinen sicheren Werthafen. Die Finanzpolitik der Wohlfahrtsstaaten erfordert, dass Wohlstandseigentümer keine Möglichkeit zum Selbstschutz haben. Das ist das schäbige Geheimnis der Tiraden von Wohlfahrts-Etatisten gegen das Gold. ‚Deficit Spending‘ ist ganz einfach ein raffiniert ausgeklügelter Plan zur Konfiszierung von Wohlstand. Gold steht diesem hinterhältigen Prozess im Weg. Es schützt Eigentumsrechte. Wenn man das verstanden hat, ist es auch nicht mehr schwierig, die Abneigung der Wohlfahrtsetatisten gegenüber dem Goldstandard zu verstehen“ (siehe „Vor vierzig Jahren schloss Amerika das Goldfenster“, wo das englische Originalzitat nachzulesen ist). In dieser Hinsicht noch viel erhellender dürfte ein Zitat des Fed-Mitbegründers John Pierpont Morgan sein, das aus dem Jahre 1912 stammt: „Gold ist Geld. Alles andere ist Kredit“ beziehungsweise „Schuld“ („credit“). Das sagte einer der zu diesem Zeitpunkt reichsten und mächtigsten Männer der Welt. Er wird gewusst haben, warum.

Seit Gründung der Federal Reserve Bank of America, seit der Unterzeichnung des „Federal Reserve Act“ durch Woodrow Wilson im Jahre 1913 wird die Welt von einer geldpolitischen Boa Constrictor, einem schier unersättlichen Falschgeldmonster in einem historisch beispiellosen Würgegriff gehalten, der, wie heute unschwer zu erkennen ist, stetig fester zudrückt. In diesem Geldsystem mit seinen Währungen aus papiernem Sprengstoff tickt ein Verschuldungs- und Entwertungs-Countdown, der in regelmäßigen Abständen ein Zündsignal übermittelt.

Wilson selbst bedauerte seine Entscheidung später zutiefst: „Ich bin ein höchst unglücklicher Mann. Ich habe unwissentlich mein Land ruiniert.“ Es gäbe noch zahllose andere Beispiele und Zitate, durch die man sich verdeutlichen kann, von welchem Ausmaß die Fehlentscheidung Wilsons war, das Geldsystem einer kleinen Bande machtpsychotischer Großbankiers auszuliefern. Mit der schrittweisen Abschaffung gedeckten Geldes begann eine finanz- und wirtschaftspolitische Irrfahrt, deren Konsequenzen wir eventuell schon in naher Zukunft hautnah werden miterleben dürfen. Es baute sich jahrzehntelang ein Alpdruck über der Menschheit auf, der sich nun in Form sogenannter Staatsschuldenkrisen, eines (abermaligen) geldsystemischen Offenbarungseids sowie damit eng zusammenhängender militärischer Konflikte entlädt. Die Währungskriege, die wir im Augenblick als Zeitzeugen leider erleben dürfen, sprechen eine beredte Sprache. Es sei denn, man möchte das Kindergartengequatsche irgendwelcher Hampelmännchen in den Massenmedien glauben, es gehe dabei doch nur um die Bekämpfung von Terrorismus™ oder die Aussaat von Demokratie und Menschenrechten.

Bezeichnend auch, dass Münchau die üblichen Poltergeister bemüht, wenn es um Kritik an Wall Street und City of London, gemeinhin das herrschende Geldsystem, geht, um die längst nachgewiesenen Betrügereien, massiven Manipulationen und schweren Verbrechen am „Kleinen Mann“ durch diese „Grube voller Giftschlangen“, wie US-Präsident Andrew Jackson die Verantwortlichen einmal nannte. Münchau: „Früher waren es Juden, später Franzosen, jetzt sind es Investoren aus dem englischsprachigen Raum, die dem Gold-Michel Angst einjagen.“ Also alles wie gehabt: Wer dieses Gebaren kritisiert, der ist, allzumal in Deutschland, erstens natürlich Antisemit, zweitens auch noch Antisemit und drittens obendrein Antisemit. Vor einiger Zeit warf auch ein Mitglied der Piratenpartei Rainer Brüderle Antisemitismus vor, weil dieser von der „Hochfinanz“ sprach. Zum Gähnen.

Interessant, wie Geschichte sich doch wiederholt. Jackson: „Ich selber habe die Bank der Vereinigten Staaten genau beobachtet. Ich hatte Männer, die sie eine lange Zeit beobachteten, und ich bin überzeugt davon, dass ihr die Gelder benutzt habt, um mit der Brotkasse des amerikanischen Volkes zu spekulieren. Wenn ihr Erfolg hattet, habt ihr die Gewinne unter euch aufgeteilt, und wenn ihr euch verspekuliert habt, habt ihr die Verluste der Bank aufgebürdet.“ Woher kommen mir solche Methoden bloß so bekannt vor? ...

Wer dieses System der rücksichtslosen Schuldanhäufung samt seiner heute in hellstem Tageslicht stehenden Folgen auch noch lautstark verteidigt, der ist ...

Links

Spiegel Online: Die Gold-Michel vom Rechnungshof

Wirtschaftliche Freiheit: Vor 40 Jahren schloss Amerika das Goldfenster


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