19. Oktober 2012

Gelddrucken Wünschelrutenwirtschaft einfach erklärt

Staatshaushalte gehen so lange zum Geldbrunnen, bis sie brechen

Na sowas? Es wird ja immer noch über Anleihenkäufe durch die EZB (Europäische Zentralbetrugsanstalt) diskutiert? Ich dachte eigentlich, das Thema sei durch. Denn man benötigt keinen Experten, um zu verstehen, dass  mürbe Haushaltskrüge nur so lange zum Geldbrunnen gehen, bis sie brechen. Dazu genügt eigentlich der Sachverstand eines Kleinkindes:

Ich habe zwölf Bauklötze. Mit denen kann ich zum Beispiel ein Türmchen bauen. Will ich mehr Bauklötze, muss Papi sie kaufen. Diese Klötze werden vorher von jemandem in einer Fabrik für Spielwaren hergestellt. Dazu sind bestimmte Rohstoffe nötig, zum Beispiel Holz oder Materialien wie Plastik. Von mir aus können sie auch aus Schokolade sein, aber das mag Mami nicht, denn immer wenn ich Schoki esse, schimpft sie über die klebrigen Tatscher auf dem Teppich.

Zu ihrer Herstellung werden also eine bestimmte Menge an Ausgangsmaterialien, Arbeitskraft, Maschinen, die vorher gekauft werden mussten, Energie zu deren Betrieb, das Verpacken, der Transport zum Spielwarenladen und und und fällig. Das alles muss irgendwie bezahlt werden. Der Unternehmer, der die Klötze für mich auf den Markt bringt, rechnet darüber ihren Preis aus. Im Laden muss eine Verkäuferin die Klötze ins Regal stellen. Dafür will auch sie Geld. Der Ladenbesitzer denkt also, hm, wenn Sabine – so heißt die Verkäuferin, die Papi immer so nett anlächelt, was Mami böse gucken lässt – pro Stunde soundsoviel Geld bekommt, ich vom Verkaufen der Klötze aber auch leben will, muss ich noch etwas draufschlagen. Und so weiter. Da hab‘ ich Papi gesagt, babba, das ist aber kompliziert, du hast doch einen Tintenstrahldrucker – warum druckst du das Geld nicht einfach selbst? Dann könntest du mir doch eigentlich unendlich viele Klötze kaufen! Papi lachte und antwortete, so einfach sei das leider nicht, denn wenn dem Unternehmer auffällt, dass er Falschgeld untergejuxt bekam, würde man Papi abholen und in eine Verwahranstalt für Betrüger stecken, dann hätte ich vorerst keinen Babba und Mami keinen zum Knuddeln mehr.

Zu manchen zumindest laut Geburtsurkunde erwachsenen Ökonomen sind solche einfachen Zusammenhänge aber leider noch nicht durchgedrungen. Sie irrglauben noch immer, nicht etwa durch reale Produktivität beziehungsweise realwirtschaftlich erbrachte Leistungen ließe sich gesellschaftlicher Wohlstand herstellen, eine Krise überwinden oder konjunkturelles Leben zeugen, sondern durch virtuellen Beischlaf mit einer Cyber-Geldkuh, so wie wenn Papi von Sex mit Sabine träumt. Es ist aber nur ein Traum – von dem Mami zum Glück nichts mitbekommt, sonst müsste Papi morgen wieder neue Teller kaufen. Er sagte auch, das man nicht einfach Zahlen an eine Tafel schreiben und dann behaupten kann, das sei Geld. Das wäre so, als würde ich auf alle Seiten meines Malbuchs Gummibärchen zeichnen. Die kann ich aber nicht essen, denn die sind ja nicht echt. Die echten sind ja aus bestimmten Stoffen gemacht, sie werden in einer Fabrik hergestellt, abgepackt und abtransportiert, die Petra im Süßwarengeschäft sortiert sie ins Regal... und so weiter, genau wie bei den Klötzen. Geld, Bauklötze, Gummibärchen und all solches Zeug kann man nunmal nicht einfach drucken. Stell dir einfach vor, meinte Papi, du würdest versuchen, mit imaginären Klötzen einen Turm zu bauen. Das geht ja gar nicht, und das hab‘ ich dann auch verstanden.

Woher dieser aberwitzige Irrglaube nun rührt? Ob es daran liegt, dass solche Blödkonomen intellektuell selbst zu kleinkindlicher Gedankenarbeit unfähig sind oder man sie an irgendeiner Tiefschule nur Wünschelrutenwirtschaft gelehrt hat? Papi sagte einmal am Mittagstisch, diesen Leuten hätte man wohl das in den Kopf gemacht, was bei mir immer in der Windel landet.


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