25. September 2012

Dortmunder Tatort Dosenravioli auf Stöckelschuh'

Über Drehbuchautoren mit leicht verhuschten Vorurteilen

Der Schauspieler Gregor Weber, der zu Jahresbeginn von Saarländischen Rundfunkräten als bis dahin in der Zuschauergunst vergleichsweise erfolgreicher Saarbrücker Tatort-Kommissar Stefan Deininger („de Stefan“) fristlos entlassen wurde, bedauerte im „Cicero“, man habe bei  den Drehbüchern der Reihe oft das Gefühl, sie wurden vom Gleichstellungsbeauftragten des Senders verfasst. Treffer. Jedenfalls was die Dortmunder Nachfolger – gleich vier an der Zahl – betrifft, die ihren ersten Fall am vergangenen Sonntag lösen durften.

Das Kollektiv hatte im Schwulen-Milieu zu ermitteln. Schwule Opfer, schwuler Täter. Soviel war ziemlich schnell klar. Also, dachte sich der Gleichstellungsbeauftragte alias Drehbuchautor: Wie lauten die „Vorurteile“ gegenüber Schwulen, die wir pädagogisch-korrekt zu widerlegen haben? Der Schwule als solcher schnackselt gerne?

Dann schnackseln die heterosexuellen Kommissare eben auch wie die Häschen. Der eine mit der anderen: „Einigen wir uns auf: nur Sex!“ Die ältere verheiratete Kommissarin mit zwei Kindern zuhause ging zwischendurch ins Stundenhotel fremdschnackseln. Der Gerichtsmediziner hatte ohnehin immer Schnackseln im Kopf. Nur der Hauptkommissar hatte ausgeschnackselt, aß lieber Dosenravioli und gab dem Täter einen dicken Kuss.

Über den durfte der Zuschauer lange rätseln. War es der „homophobe“ Gläubige einer Freikirche, der insgeheim natürlich auch selbst schwul war? Oder doch der Sohn eines „homophoben“ schwerreichen Industriellen, der die Neigung seines Sohnes bekämpfte und damit die Taten am Ende recht eigentlich zu verantworten hatte? Klassenkampf schlug Religionsbashing, wobei das nicht zu kurz kam: Wer Homosexualität für Sünde hält, steckt Menschen auch ins Gas. Erfuhr der Prediger von Kommissar Nummer Drei (der mit dem „nur Sex“). „Das muss ich mir nicht anhören“, flehte der Beleidigte im Namen des Zuschauers. „Doch“ befand der Drittkommissar mit den Worten des Gleichstellungs-Obersturmbannführers entschieden, „das müssen Sie!“

Dass Evangelikale sich eher selten bekreuzigen, hatte man weder ihm noch dem Schauspieler mitgeteilt. Und dass ruhrkohlewaggondick aufgetragenes Klischee jeden Zuschauernerv tötet, war allen hier ohnehin piepe.

Hoffen wir also, dass der bereits für November angedrohte zweite Fall das Dortmunder Ermittlerkollektiv nicht ins Transen-Milieu führt. Wobei: Kommissar mit Dosenravioli auf Stöckelschuhen? Das wäre WDR im finalen Stadium.


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